KI-Krimi um NVIDIA & Super Micro: Schmuggelnetzwerk nach China aufgedeckt? So reagieren die Aktien

Illegale Exporte von NVIDIA-Prozessoren über Taiwan wirbeln Staub auf und rücken auch Super Micro in den Fokus. Analysten bleiben für NVIDIA positiv.
Werte in diesem Artikel
• NVIDIA-Chips wurden mutmaßlich illegal nach China transportiert
• Druck auf NVIDIA und Super Micro erhöht sich
• Analysten nach jüngster Bilanz äußerst optimistisch
Taiwan zerschlägt KI-Schmuggelnetzwerk?
In Taiwan haben Ermittler ein mutmaßliches Schmuggelnetzwerk für künstliche Intelligenz zerschlagen: Drei Personen wurden in der vergangenen Woche im Bezirk Keelung festgenommen, da sie unter dem Verdacht stehen, hochentwickelte KI-Chips des US-Herstellers NVIDIA illegal nach China geschleust zu haben. Wie Bloomberg laut investing.com am Mittwoch unter Berufung auf Insider berichtete, wird dem Trio vorgeworfen, Exportdokumente gefälscht zu haben, um Server des Herstellers Super Micro Computer zu deklarieren, in denen die sanktionierten NVIDIA-Prozessoren verbaut waren. Als Transitstation für den Schmuggel diente dabei offenbar Japan.
Die taiwanischen Behörden konnten im Zuge des Zugriffs rund 50 Server beschlagnahmen. Allerdings passierte mindestens eine Lieferung bereits erfolgreich den taiwanischen Zoll in Richtung China, was einen direkten Verstoß gegen die strengen US-Sanktionen darstellt, die den Export solcher High-Tech-Chips nach China strikt untersagen.
Der Vorfall erhöht den Druck auf die beteiligten Unternehmen massiv: Erst kürzlich forderte NVIDIA-CEO Jensen Huang den Server-Hersteller Super Micro öffentlich dazu auf, seine Compliance- und Kontrollprozesse drastisch zu verschärfen. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art für das Unternehmen. Bereits im März erhoben US-Staatsanwälte Anklage gegen drei Personen aus dem Umfeld von Super Micro - darunter ein Mitbegründer -, denen der illegale Schmuggel von KI-Technologie im Gesamtwert von mindestens 2,5 Milliarden US-Dollar nach China vorgeworfen wird.
NVIDIA-Aktie schwächelt
Die NVIDIA-Aktie zeigte sich im Dienstagshandel mit geringen Verlusten. So sank das Papier letztlich um 0,22 Prozent auf 214,86 US-Dollar. Für die Papiere von Super Micro ging es hingegen schließlich um 4,27 Prozent nach oben auf 37,10 US-Dollar.
Zur Wochenmitte gab es unterschiedliche Tendenzen. Im NASDAQ-Handel am Mittwoch verlor die NVIDIA-Aktie letztlich 1,05 Prozent auf 212,60 US-Dollar. Für die Anteilsscheine von Super Micro ging es derweil um 2,94 Prozent nach oben auf 38,19 US-Dollar.
Analystenfokus nach Bilanz
Nach dem jüngsten Quartalsbericht von NVIDIA zeigen sich internationale Analysten durchweg begeistert und haben ihre Kursziele für den KI-Giganten reihenweise nach oben korrigiert. Die Investmenthäuser sind sich einig, dass der Konzern die ohnehin enorm hohen Erwartungen des Marktes mit einem soliden "Beat-and-Raise" - also dem Übertreffen der Prognosen gepaart mit einem angehobenen Ausblick - eindrucksvoll übertrumpft hat. Blayne Curtis vom Analysehaus Jefferies hebt das Kursziel von 275 auf 300 US-Dollar an (Einstufung "Buy") und betont, dass NVIDIA seine Vormachtstellung im Zentrum der KI-Welle zementiert habe; besonders elektrisierend sei das Signal, dass allein die Einnahmen mit Prozessoren und Servern im laufenden Jahr die Marke von 20 Milliarden US-Dollar erreichen dürften. Auch James Schneider von Goldman Sachs sieht den Weg für eine Outperformance der Aktie geebnet und schraubt sein Kursziel von 250 auf 285 US-Dollar hoch ("Buy").
Harlan Sur von JPMorgan bescheinigte NVIDIA ein starkes "Beat-and-Raise" dank der Nachfrage aus KI-Rechenzentren und passte das Ziel auf 280 US-Dollar an. Auf denselben Wert von 280 US-Dollar erhöhte Timothy Arcuri von der Schweizer Großbank UBS, der von einer noch besseren Gewinnentwicklung in den kommenden Jahren ausgeht. Tom O'Malley von Barclays belässt das Kursziel zwar auf 275 US-Dollar, verweist jedoch auf eine gewisse Vorsicht im Markt bezüglich möglicher Verzögerungen beim kommenden Grafikprozessor "Rubin".
Ebenfalls auf 275 US-Dollar taxiert Ingo Wermann von der DZ Bank den fairen Wert, da er eine Beschleunigung des profitablen Wachstums auf breiterer Basis erwartet. Komplettiert wird das bullische Bild von Srini Pajjuri von der kanadischen Bank RBC, der das Kursziel auf 270 US-Dollar anhob und neben Grafikprozessoren auch enorme Chancen im CPU-Geschäft sieht.
Evelyn Schmal, Martina Köhler, Redaktion finanzen.net
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