Fed bleibt weiter im Wartemodus: US-Leitzins wird nicht angetastet - Was das für Anleger bedeutet

Neben einer Flut von Quartalszahlen stand heute auch ein wichtiger geldpolitischer Termin auf der Agenda: der Leitzinsentscheid der US-Notenbank Fed. So ist er ausgefallen.
• Fed hält US-Leitzins weiter stabil
• Spannungsfeld zwischen Inflationsrisiken und Wirtschaftsabkühlung
• Letzter Zinsentscheid unter Fed-Chef Powell
Die US-Notenbank hat ihren Leitzins erneut unverändert gelassen. Der wichtige US-Zinssatz liegt somit weiterhin in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Fed hatte bereits bei ihren vergangenen Sitzungen in diesem Jahr Zinspausen eingelegt und Ökonomen hatten auch jetzt mehrheitlich mit dieser Entscheidung gerechnet, da der anhaltende Krieg zwischen den USA und dem Iran für ein unsicheres Umfeld mit deutlich gestiegenen Energiepreisen sorgt.
Die Unsicherheit mit Blick auf die weitere Geldpolitik ist jedoch groß. Schon bei der aktuellen Sitzung zeigten sich größere Meinungsverschiedenheiten darüber, ob weitere Zinssenkungen in Aussicht gestellt werden sollten. Die drei Ratsmitglieder Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan sprachen sich gegen einen solchen Hinweis im geldpolitischen Statement aus. Ratsmitglied Stephen Miran votierte hingegen schon jetzt für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Daher dürften Investoren bei der Pressekonferenz mit Noch-Fed-Chef Powell vor allem auf die Zwischentöne achten - und auf die Frage, wie lange die aktuelle Phase des Stillhaltens noch andauern wird.
Warum die Fed zurzeit weiter abwartet
Das wirtschaftliche Umfeld ist derzeit durch den Iran-Krieg deutlich angespannt. Die anhaltende Schließung der Straße von Hormus dürfte auch in den USA die Inflation, die sich ohnehin als hartnäckig erwiesen hat, weiter anheizen und das Wirtschaftswachstum dämpfen. Gleichzeitig zeigen sich am US-Arbeitsmarkt klare Abkühlungstendenzen. Die Notenbank befindet sich damit weiterhin in einem Spannungsfeld zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstabilisierung.
Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist der Preis für Rohöl der Sorte Brent um rund 55 Prozent in die Höhe geschnellt. Dies schürt die Sorge vor einem neuen Inflationsschub durch steigende Benzin- und Treibstoffpreise, während die Verbraucherzuversicht bereits auf ein Rekordtief gefallen ist. Als Faustregel gilt unter Ökonomen, dass solche Energiepreisschocks die Inflation zeitverzögert nach oben treiben, weshalb das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß (PCE) zuletzt mit 3,0 Prozent bereits wieder deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent lag. Der Energiepreisschock und die unsichere Lage am Arbeitsmarkt zwingen die Notenbanker vorerst an die Seitenlinie.
Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die US-Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten zu finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft etwa wegen zu hoher Kreditkosten aus. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Noch zu Jahresbeginn hatten viele Marktteilnehmer auf baldige Zinssenkungen gesetzt. Diese Erwartungen haben sich inzwischen jedoch deutlich relativiert. Anhaltende Inflationsrisiken - nicht zuletzt durch den Iran-Krieg und die dadurch erhöhten Ölpreise - sprechen gegen eine schnelle Lockerung der Geldpolitik, auch wenn US-Präsident Donald Trump nicht müde wird, Zinssenkungen zu fordern. Mit ersten Leitzinssenkungen wird nun beispielsweise bei der Société Générale aber erst gegen Ende des Jahres gerechnet.
Das bedeutet die Entscheidung für Anleger und Sparer
Für Anleger bedeutet ein gleichbleibender US-Leitzins vor allem eines: Planbarkeit auf hohem Niveau. Da die Fed die Zinsen nicht weiter anhebt, entfällt zusätzlicher Druck auf die Aktienmärkte, der durch steigende Finanzierungskosten entstehen würde. Gleichzeitig bleibt aber das bestehende Zinsniveau hoch genug, um Aktienbewertungen zu begrenzen. Das bekommen vor allem zinssensitive Tech-Werte zu spüren: Bleiben Zinssenkungen aus, werden zukünftige Gewinne stärker abgezinst - was Kursfantasien dämpfen kann. Andererseits sorgt die Zinspause für eine gewisse Beruhigung: Die Märkte müssen keine abrupten Richtungswechsel einpreisen.
Für Sparer ist eine Zinspause gemischt zu bewerten. Tagesgeld- und Festgeldzinsen bleiben auf einem vergleichsweise hohen Niveau, das sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat. Allerdings gilt auch hier: Ohne Zinserhöhungen steigen die Sparzinsen nicht weiter. Die aktuelle Situation ist daher eine Art Plateau. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch die Inflation: Solange diese auf einem erhöhten Niveau liegt, bleibt die reale Rendite für Sparer eingeschränkt.
Letzter Zinsentscheid mit Jerome Powell als Fed-Chef
Der für den Zinsentscheid zuständige Offenmarktausschuss (FOMC) tagte am Mittwoch das letzte Mal unter Führung von Fed-Chef Jerome Powell. Der 73-Jährige scheidet als Vorsitzender des Gremiums planmäßig Mitte Mai aus und wird dementsprechend auch heute zum letzten Mal die Entscheidung in der dazugehörigen Pressekonferenz erläutern.
Als Powell-Nachfolger hat US-Präsident Trump den Ökonomen Kevin Warsh nominiert. Dieser war nur wenige Stunden vor dem Fed-Entscheid vom Bankenausschuss des Senats bestätigt worden. Nun muss der gesamte Senat noch grünes Licht geben. Mittlerweile stehen die Chancen dafür etwas besser: Vergangene Woche hatte Bezirksstaatsanwältin Jeanine Pirro angekündigt, ihre Ermittlungen gegen Powell wegen angeblich ausufernder Renovierungskosten an einem Fed-Gebäude einzustellen. Der republikanische Senator Thom Tillis wollte erst wieder einer Fed-Personalie zustimmen, wenn der Sachverhalt lückenlos aufgeklärt sei.
Die Untersuchungen wurden über die Parteigrenzen hinweg und von führenden Zentralbankern als Angriff Trumps auf die Unabhängigkeit der Fed interpretiert. Der Präsident hatte über Monate Powell öffentlich verbal angegriffen und ihn für aus seiner Sicht zu langsame Zinssenkungen verantwortlich gemacht. Anders als von Trump wiederholt verkürzt dargestellt, entscheidet der Fed-Chef nicht allein über den Leitzins. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmäßigen Abständen über den weiteren geldpolitischen Kurs ab.
Angst vor politischer Einflussnahme auf Fed durch Trump
Ökonomen befürchten, dass Trump über Warsh erheblichen Einfluss auf zukünftige Entscheidungen nehmen und indirekt Zinslockerungen erwirken könnte. "Gerade bei steigender Inflation sind Glaubwürdigkeit und Erwartungsteuerung der Fed entscheidend", kommentierte Stephan Bales von der Förderbank KfW. Trump hatte klargemacht, dass er Warsh vorgeschlagen hatte, weil dieser Zinserhöhungen ablehnt. Warsh gilt als lautstarker Kritiker der Notenbank. Auch auf Powell ist er nicht gut zu sprechen.
Unklar ist indes, ob Trumps Kandidat noch bis zum Ausscheiden von Powell als Fed-Chef Mitte Mai bestätigt wird. Die heutige Sitzung war planmäßig der letzte Zinsentscheid mit Powell an der Spitze des Zentralbankrates. Der nächste ist für den 17. Juni geplant.
Sollte seine Nachfolge bis Mitte Mai nicht geklärt sein, könnte sich Powell nach eigenen Worten zumindest zeitweise vorstellen, das Amt weiterzuführen.
Fed-Chef Powell rechnet ab - und bleibt Vorstandsmitglied
Noch-Fed-Chef Jerome Powell will auch nach dem planmäßigen Ende seiner Amtszeit Mitte Mai im Vorstand der US-Notenbank Federal Reserve bleiben. "Ich habe vor, mich in dieser Funktion zurückhaltend zu verhalten", sagte er bei seiner letzten Pressekonferenz als Fed-Vorsitzender. Wie lange er als sogenannter Gouverneur im Vorstand arbeiten wolle, ließ er indes offen.
Powell: Rechtliche Schritte waren beispiellos
Powell zeigte sich bei seinem letzten Auftritt besorgt über die "rechtlichen Angriffe" gegen ihn. Diese gefährdeten "unsere Fähigkeit, Geldpolitik ohne Berücksichtigung politischer Faktoren zu betreiben", sagte er. "Diese rechtlichen Schritte der Regierung sind in unserer 113-jährigen Geschichte beispiellos."
Powell befürchtet, dass diese Attacken die US-Notenbank schwächen würden. "Ich habe gesagt, dass ich den Vorstand nicht verlassen werde, bis diese Untersuchung wirklich und endgültig unter transparenten Bedingungen abgeschlossen ist, und daran halte ich fest", sagte er. Die jüngsten Ereignisse hätten ihm "keine Wahl" gelassen als im Vorstand zu verbleiben.
Vergangene Woche hatte Bezirksstaatsanwältin Jeanine Pirro angekündigt, ihre Ermittlungen gegen Powell wegen angeblich ausufernder Renovierungskosten an einem Fed-Gebäude einzustellen. Powell bestätigte bei der Pressekonferenz, dass auch das Justizministerium von einer Wiederaufnahme der Ermittlungen sowie der Zustellung neuer Vorladungen absehen will.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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