Verbesserungen gefordert

"Kaum Mehrwerte erkennbar" - Deutscher Blockchain-Verband kritisiert Pläne der EU zum digitalen Euro

18.05.23 23:53 Uhr

"Kaum Mehrwerte erkennbar" - Deutscher Blockchain-Verband kritisiert Pläne der EU zum digitalen Euro | finanzen.net

Digitale Zentralbankenwährungen - Central Bank Digital Currencies (CBDCs) - sind in aller Munde. 114 Länder arbeiten derzeit an einer digitalen Version der Zentralbankwährungen, ein paar Staaten haben CBDCs sogar bereits eingeführt. Bald könnte auch der digitale Euro herausgebracht werden. Doch was wird er nutzen? Der deutsche Blockchain-Verband findet kaum Antworten auf diese essenzielle Frage.

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• EZB plant Einführung des digitalen Euros in den kommenden Jahren
• Deutscher Blockchain-Verband bemängelt fehlende dezentrale Infrastruktur des digitalen Euros
• Bundesblock fordert Nutzung der Blockchain-Technologie und Risikominimierung

Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet mit Hochdruck an einer digitalen Version des Euros. Der e-Euro soll den europäischen Zahlungsverkehr vereinfachen, Transaktionsgebühren einsparen, das kostenintensive Drucken von physischem Geld verringern, kriminelle Geldströme unterbinden sowie neue Geschäftsmöglichkeiten für Fin-Tech-Unternehmen und die Industrie 4.0 schaffen. Das klingt zwar äußerst vielversprechend - doch der deutsche Blockchain-Verband Bundesblock kommt nach einer detaillierten Untersuchung zu einer ernüchternden Zwischenbilanz.

Deutscher Blockchain-Verband sieht kaum Vorteile beim digitalen Euro

In einem 20 Seiten langen Positionspapier geht Bundesblock ausführlich auf den derzeitigen Stand der EZB-Vorbereitungen eines digitalen Euros ein. Auch wenn potenzielle Vorteile der digitalen Gemeinschaftswährung hervorgehoben werden (erhöhte Sicherheit, diverse Nutzungsfunktionen wie beim E-Commerce und bei Peer-to-Peer-Zahlungen oder geringere Kosten), zeigt sich der Blockchain-Bundesverband insgesamt enttäuscht von den bisherigen Entwicklungen. "In der jetzigen Ausgestaltung ist es schwer, die Mehrwerte zu erkennen, die über das hinausgehen, was bereits seit Jahrzehnten mit Giralgeld möglich ist," lautet das Bundesblock-Urteil. Darüber hinaus bestünden hohe Risiken - neben der Gefahr, dass der e-Euro von der Bevölkerung nicht akzeptiert werde, betonen die Autoren des Positionspapiers auch Datenschutzrisiken und Technikrisiken. Zudem könnten kleine bis mittelgroße Banken wie auch die Sparkassen unter dem digitalen Euro leiden, da die Ersetzung des Giralgeldes durch den digitalen Euro zu geringeren Gebühren (zum Beispiel bei der Abwicklung von SEPA-Sofortzahlungen) führen könnte, von denen diese kleineren Finanzhäuser abhängig sind.

Diese Änderungen fordert Bundesblock

Der Bundesblock prangert in seinem Positionspapier aber nicht nur an, sondern stellt eigene Verbesserungsvorschläge vor. Zuvorderst ist hierbei eine stärkere Einbeziehung der Blockchain-Technologie zu erwähnen. Die mangelnde Blockchain-Basis des geplanten e-Euros ist denn auch der Hauptkritikpunkt des Verbands: "Aus Sicht des Bundesblock sollte der digitale Euro die Vorteile der Blockchain-Technologie nutzen, um neue Use Cases abbilden zu können," unterstreicht das Positionspapier. "Nur wenn der digitale Euro auf einer dezentralen Infrastruktur aufsetze, können Unternehmen aus der viel zitierten Industrie 4.0 notwendige Zahlungsabwicklungen tätigen. Zudem gäbe es Potential für das Entstehen neuer Start-ups, die auf der Grundlagen-Technologie der EZB ein Business Modell aufbauen könnten." Diese Chancen versäume die EZB durch die zu starke Zentralität des digitalen Euros, was eine Nutzung der per definitionem dezentralen Blockchain ausschließe.

Darüber hinaus sieht der Verband erheblichen Verbesserungsbedarf in puncto Risikominimierung. "Die Risiken müssen minimiert werden. Insbesondere gilt es die Privatsphäre und den Datenschutz der Bürger:innen zu schützen. Ohne die Nutzung der Blockchain-Technologie überwiegen die Risiken die Chancen des digitalen Euros." Entsprechend harsch lautet das endgültige Urteil des Verbands: "Sollte der digitale Euro nicht auf einer dezentralen Infrastruktur wie der Blockchain oder Distributed Ledger-Technologie aufgebaut werden, so ist dieser abzulehnen."

CBDCs: Mega-Trend oder viel Lärm um nichts?

CBDCs polarisieren: Einige Befürworter bejubeln die digitalen Zentralbankenwährungen als Grundlage für eine schiere Revolution des Zahlungsverkehrs und der Geldpolitik. Als Resultat des digitalen Euros würden kriminelle Machenschaften unterbunden werden, Transaktionskosten sinken und der Geldtransfer bequemer. Skeptiker halten dagegen und sehen die CBDCs als von den Zentralbanken genutztes Mittel, um ihre Macht auf die Bürger weiter auszuweiten - zu Ungunsten der dezentralisierten Kryptowährungen wie dem Bitcoin oder Ether. Damit zusammenhängend wird den CBDC-Entwürfen ein mangelnder Datenschutz vorgeworfen. Ähnlich wie der deutsche Blockchain-Verband zweifeln viele Experten den tatsächlichen Nutzen eines e-Euros an.

Dennoch scheint die flächendeckende, internationale Einführung der digitalen Zentralbankenwährungen nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Dutzende Zentralbanken meldeten bereits erhebliche Fortschritte bei der Implementation der CBDCs, zuletzt testete die chinesische Regierung ihren e-Yuan bereits in der Millionenstadt Changshu. Jedoch zeigen bereits eingeführte digitale Währungen, wie der e-Naira in Nigeria, dass eine weitverbreitete Nutzung des jeweiligen digitalen Geldes keineswegs selbstverständlich ist: Nach BTC ECHO-Informationen haben erst 0,5 Prozent der nigerianischen Bevölkerung den e-Naira verwendet, obwohl die nigerianische Regierung mittels diverser Anreize dessen Nutzung attraktiver machen wollte. So bleibt die in Krypto-Kreisen vieldiskutierte Frage, ob die CBDCs als Konkurrenz, als Ergänzung oder nur als wenig attraktives sowie kaum beachtetes Beiwerk von Bitcoin, Ether & Co. fungieren werden, weiterhin unbeantwortet.

Redaktion finanzen.net

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