Vermögensverwalter-Kolumne

Sam Walton - Mut zahlt sich aus!

30.03.26 12:22 Uhr

Sam Walton - Mut zahlt sich aus! | finanzen.net

Langfristige Erfolge, ob in der Wirtschaft, in der persönlichen Entwicklung oder in der Kapitalanlage basieren selten auf Zufall, sondern sind das Resultat von Strategie, Ausdauer und Anpassungsfähigkeit.

Ein Beispiel dafür ist Sam Walton, Gründer von Walmart und einer der erfolgreichsten Unter-nehmer des 20. Jahrhunderts. Er setzte konsequent auf Kundenorientierung, lebenslanges Ler-nen und dauerhaft niedrige Preise. Mit seinem "Everyday Low Price"-Prinzip und gezielten Rabattaktionen schuf er ein Konzept, das die Kundenbindung stärkte und den Einzelhandel nachhaltig veränderte. Walton konzentrierte sich bewusst auf kleinere Städte im ländlichen Raum, während die Konkurrenz auf Metropolen setzte. Durch günstige Einkaufspreise, effizi-ente Logistik und eine klare Nischenstrategie baute er Schritt für Schritt sein Handelsimpe-rium auf und revolutionierte den Einzelhandel.

Was wir von Sam Walton für den Umgang mit der Kapitalanlage lernen können, ist der klare Fokus auf die strategischen Prinzipien, die er erkannt und konsequent umgesetzt hat. Seine Konzentration auf die Läden in den kleineren Städten entspricht in manchen Punkten der Strategie des antizyklischen Handelns und sein Verständnis von Qualität und Kundenorientierung findet sich in der Auswahl von Qualitätsunternehmen im Akti-enportfolio wieder. Schließlich sprechen seine extreme Sparsamkeit und sein unermüd-licher Einsatz für die Qualitäten, die es braucht, um langfristig finanziell überdurch-schnittlich erfolgreich zu werden.

Von diesem Ansatz lässt sich auch für die Kapitalanlage einiges ableiten. Walton blieb seiner Strategie treu, nutzte Chancen abseits des Mainstreams und handelte langfristig. Seine Konzentration auf kleinere Städte entspricht in Teilen dem antizyklischen Inves-tieren, während sein Fokus auf Qualität sich in der Auswahl hochwertiger Unternehmen im Portfolio widerspiegelt. Auch seine Sparsamkeit und sein unermüdlicher Einsatz ste-hen für Eigenschaften, die langfristigen Anlageerfolg begünstigen.

Der Iran Krieg

Kommen wir nun zu aktuellen geopolitischen Lage: Am Samstag, den 28. Februar 2026 haben die USA und Israel den Iran angegriffen und dabei Irans obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei sowie weitere hochrangige Regierungsbeamte getötet. Der Konflikt zwi-schen dem Iran, Israel und den USA ist primär durch das iranische Atomprogramm so-wie Irans Unterstützung für anti-israelische Milizen (Hisbollah und Hamas) begründet. Der Hauptstreitpunkt ist die Sorge vor dem Bau einer iranischen Atombombe. Der Iran reicherte Uran auf ein kritisches Niveau an, was Israel zu Angriffen auf die Anlagen ver-anlasste. Diese zielen darauf ab, die militärische Basis des iranischen Regimes zu schwä-chen und dessen Handlungsfähigkeit zu beschränken.

Wirtschaftlich brisant ist die Lage aufgrund der Blockade der Straße von Hormus. Da etwa ein Fünftel des Welthandels durch dieses Nadelöhr abgewickelt wird, ist die Kon-trolle über die Meerenge eine der wichtigsten Druckmittel Teherans in diesem Krieg. Seit Ende Februar 2026 ist diese durch das iranische Militär de facto gesperrt. Die irani-schen Revolutionsgarden setzen diese Blockade aktiv durch und drängen regelmäßig Frachtschiffe zur Umkehr.

US-Präsident Trump hat Teheran ein Ultimatum zur vollständigen Öffnung der Wasser-straße gestellt. Dieses wurde zuletzt bis Ostermontag 2026 verlängert. Gleichzeitig ver-stärken die USA ihre Truppenpräsenz in der Region um weitere 10.000 Soldaten. Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen stieg der Preis für die Nordseesorte Brent von 72 US-Dollar auf rund 104 US-Dollar pro Barrel. Die Folgen für die Verbrau-cher und die Wirtschaft sind massiv. Die Preise für Benzin und Diesel an den Tankstellen steigen unmittelbar an. Diesel kostet inzwischen mehr als 2,20 Euro pro Liter, auch Su-per E10 liegt derzeit bei über 2,00 Euro pro Liter. Neben Öl verteuerten sich auch an-dere Rohstoffe wie Aluminium und Flüssiggas (LNG) aufgrund der gestörten Handels-wege.

Sam Walton: Ich habe noch nie viel darauf gegeben, mich mit Rückschlägen aufzu-halten

Es ist kein Wunder, dass die Börsen sich wieder im Korrekturmodus befinden. Investo-ren befürchten eine steigende Inflation und steigende Zinsen. Das ist wiederum Gift für die Aktien. Der DAX verlor allein im März mehr als elf Prozent. Deutsche zehnjährige Bundesanleihen steigen auf 3,1 Prozent und die 30-jährigen US-Treasuries rentieren wieder mit knapp fünf Prozent. Gold wird massiv abverkauft. Der Preis für die Feinunze reduziert sich um 700 US-Dollar auf derzeit 4.550 US-Dollar. Aber warum verliert das Gold, wo es doch als der sichere Hafen für die Anleger galt? Derzeit wird Cash bevorzugt. Der Krieg hat eine Liquiditätskrise bei den Energieproduzenten ausgelöst. Anleger neh-men Gewinne mit und machen Kasse. Die Angst löst eine Besorgnis vor weiteren Kurs-rückgängen aus. Das, was kurzfristig verfügbar ist, wird reflexartig verkauft.

Auf lange Sicht jedoch greift diese Sicht zu kurz. Es ist richtig, dass in Zeiten von Krieg und Aufrüstung die Staatsschulden steigen. Der hohe Ölpreis wird Zweitrundeneffekte mit sich bringen und die Inflation wird vermutlich ansteigen. Allerdings ist die Schluss-folgerung für mich eine andere: In Zeiten wie diesen brauchen wir Anlagen mit Inflati-onsschutz. Dazu gehören Aktien, Gold und Immobilien! Denn die zunehmende Staatsver-schuldung muss finanziert werden. Sollten die Zinsen weiterhin ansteigen, werden auch die Staatsausgaben für den Kapitaldienst wachsen.

Der Staat wird vermutlich das Instrument der "finanziellen Repression" einsetzen, was bedeutet, dass das Zinsniveau langfristig niedriger bleiben wird als die Inflationsrate. Die Anleger werden wieder an den Kapitalmarkt zurückkehren, wenn sie dies erkennen. Da wir alle nicht wissen, wo der Boden erreicht ist, bleiben wir besser gleich investiert und verzichten auf das Markttiming! Es lohnt sich nicht! Der Markt kann schneller dre-hen als wir vermuten. Weder der Iran noch die USA können ein Interesse an einem lan-gen zermürbenden Krieg haben. Für Trump stehen die Mid-Term-Wahlen mit ungewis-sem Ausgang an. Zugegeben, niemand kennt die Zukunft, aber zur erfolgreichen Geldan-lage gehört der Mut dazu! Machen wir es doch wie Sam Walton: Nutzen wir die Rückschläge und lernen wir dar-aus! Es zahlt sich aus!

von Wolfgang Juds, Geschäftsführer der CREDO Vermögensmanagment GmbH in Nürnberg

Diesen und weitere Vermögensverwalter mit Ihren Meinungen und Online-Anlagestrategien finden Sie auf https://www.v-check.de/

Diesen und weitere Vermögensverwalter mit Ihren Meinungen und Online-Anlagestrategien finden Sie auf https://www.v-check.de/

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.