Neuerungen & Gesetze: Das ändert sich ab April 2026

Der April 2026 bringt tiefgreifende Reformen im Familienrecht, dem Jugendschutz sowie neue digitale Regeln für den Reiseverkehr. Auch Versicherte und Verbraucher müssen sich auf gesetzliche Änderungen bei der Gesundheitsvorsorge und im Supermarkt einstellen.
• Digitale Grenzkontrolle und einheitliche USB-C-Ladestandards
• Reform der Vaterschaftsanfechtung und strikterer Jugendschutz
• Lungenkrebs-Früherkennung, Honoraranpassungen und Lohnerhöhungen
Digitalisierung der Grenzen
Bereits seit dem 12. Oktober 2025 wurde das europäische Ein- und Ausreisesystem (Entry-Exit-System, EES) stufenweise eingeführt. Ab dem 10. April 2026 wird das EES an allen Luft- und Seeaußengrenzen Deutschlands vollständig in Betrieb genommen, wie das Bundesministerium des Innern berichtet. Für Reisende aus Drittstaaten bedeutet dies das Ende der klassischen Passstempel. Stattdessen werden bei der Einreise neben alphanumerischen Daten wie dem Namen auch biometrische Daten wie Gesichtsbilder und Fingerabdrücke sowie Zeitpunkt und Ort der Ein- beziehungsweise Ausreise digital erfasst.
Das System soll die Sicherheit erhöhen und die Dauer von Kurzaufenthalten - maximal 90 Tage innerhalb eines Zeitraums von 180 Tagen - präzise überwachen. "Das Ein- und Ausreisesystem ist das digitale Rückgrat unseres neuen gemeinsamen europäischen Migrations- und Asylrahmens", berichtet Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration, gegenüber der Tagesschau.
Deutsche Staatsbürger sowie Angehörige anderer EU-Staaten sind von dieser Neuerung nicht betroffen, müssen sich jedoch auf eine schrittweise Umstellung der Kontrollprozesse an Flughäfen und Häfen einstellen.
Einheitlicher Ladestandard für Kleingeräte
Eine bedeutende Änderung für alle Nutzer von Elektronikartikeln tritt am 28. April 2026 in Kraft. Ab diesem Stichtag gilt die EU-weite Pflicht für einen einheitlichen USB-C-Ladeanschluss auch für Laptops. Während diese Regelung für Smartphones, Tablets und Kameras bereits seit Ende 2024 verbindlich ist, müssen nun auch alle neu in den Verkehr gebrachten tragbaren Computer mit diesem Standard ausgestattet sein. Selbst für leistungsstarke Geräte, deren Energiebedarf die über USB-C lieferbare Grenze von 240 Watt übersteigt, ist der Einbau einer entsprechenden Buchse ab Ende April 2026 verpflichtend. Sie muss in diesen Fällen zumindest als zusätzlicher Anschluss neben dem herkömmlichen Netzstecker vorhanden sein.
Ziel dieser gesetzlichen Neuerung ist es, den Elektroschrott massiv zu reduzieren und den Alltag der Verbraucher zu erleichtern, da künftig ein einziges Kabel für nahezu alle mobilen Endgeräte ausreicht. Zudem müssen Hersteller den Kunden die Wahl lassen, ob sie ein neues Gerät mit oder ohne Netzteil erwerben möchten.
Reform der Vaterschaftsanfechtung
Am 26. Februar 2026 hat der Bundestag den Gesetzesentwurf "zur Umsetzung des Urteils des Bundesverfassungsgerichts zur Vaterschaftsanfechtung" beschlossen. Dieses Gesetz wird nun zum 1. April 2026 umgesetzt. Leibliche Väter erhalten deutlich gestärkte Rechte, um die rechtliche Vaterschaft eines anderen Mannes anzufechten. Bisher war dies oft ausgeschlossen, wenn zwischen dem Kind und dem rechtlichen Vater bereits eine sozial-familiäre Beziehung bestand.
Künftig wird es für den biologischen Vater einfacher, die rechtliche Stellung einzunehmen, sofern dies dem Kindeswohl nicht widerspricht. Voraussetzung ist nach wie vor ein DNA-Nachweis. Auch das Mitspracherecht der Kinder wird gestärkt: Ab einem Alter von 14 Jahren können sie einer Anfechtung durch den leiblichen Vater widersprechen.
Jugendschutz und Suchtprävention
Ab dem 12. April 2026 treten striktere Regeln im Umgang mit psychoaktiven Stoffen in Kraft, welche bereits im November letzten Jahres durch den Bundestag beschlossen wurden. Der Verkauf von Lachgas an Minderjährige wird bundesweit verboten, ebenso wie der Erwerb über Verkaufsautomaten oder den Versandhandel.
Die Weiterentwicklung des Neue-psychoaktive-Stoffe-Gesetzes reagiert damit auf die zunehmende Nutzung von Lachgas als Partydroge, die schwere Nervenschäden verursachen kann. Gleichzeitig werden Chemikalien, die als Basis für sogenannte K.O.-Tropfen dienen, wie Gamma-Butyrolacton (GBL) und 1,4-Butandiol (BDO), schärfer reguliert, um deren missbräuchliche Verwendung bei Straftaten zu erschweren.
Vorsorge und Honorare
Im Gesundheitswesen gibt es im April zwei zentrale Nachrichten. Starke Raucherinnen und Raucher haben ab diesem Monat Anspruch auf eine jährliche, kostenlose Untersuchung zur Früherkennung von Lungenkrebs mittels Niedrigdosis-Computertomographie (NDCT), welche von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird. Auch 50- bis 75-jährige aktive beziehungsweise ehemalige Raucher können diese Leistung in Anspruch nehmen. Ziel ist es, Tumore in einem heilbaren Stadium zu entdecken. Die Terminvergabe könnte laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) jedoch noch dauern.
Weniger erfreulich sind die Nachrichten für einen Teil der Leistungserbringer: Die Honorare für psychotherapeutische Behandlungen sinken um 4,5 Prozent, was bereits im Vorfeld zu deutlicher Kritik aus der Fachwelt geführt hat. Seitens der Psychotherapeuten wurden bereits juristische Schritte angekündigt. Die Krankenkassen verweisen dagegen auf die Honorarzuwächse der letzten Jahre.
Breite Entgeltsteigerungen im April
Nicht nur auf dem Bau, sondern in vielen Bereichen der Arbeitswelt gibt es ab dem 1. April 2026 mehr Geld. Eine der größten Wellen betrifft den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L): Für rund 925.000 Tarifbeschäftigte steigen die Tabellenentgelte um 2,8 Prozent, mindestens jedoch um einen Sockelbetrag von 100 Euro, wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) berichtet. Wichtig für Beschäftigte im Südwesten: Das Land Hessen ist hiervon ausgenommen, da es nicht Mitglied der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) ist und eigene Tarifverhandlungen führt. Weitere Erhöhungen folgen laut DGB im März 2027 sowie Januar 2028.
Parallel dazu tritt im Bauhauptgewerbe die nächste Stufe des Tarifabschlusses in Kraft. Hier klettern die Löhne im Westen um 3,9 Prozent und im Osten um 4,1 Prozent, womit die Angleichung der Ost-Löhne fast abgeschlossen ist. Auch in kleineren Branchen wie der Backwarenindustrie (Aryzta) gibt es ab April ein Plus von 2,5 Prozent. Diese koordinierten Steigerungen sollen vor allem die Kaufkraft der Beschäftigten gegenüber der Inflation absichern.
Jennifer Vogel, Redaktion finanzen.net
Weitere News
Bildquellen: ER_09 / Shutterstock.com