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thyssenkrupp-Aktie leichter: Stahlsparte bleibt vorerst im Konzern - das sind die Gründe

04.05.26 16:08 Uhr

thyssenkrupp-Aktie im Minus: Stahlsparte soll vorest nicht verkauft werden | finanzen.net

Der Industriekonzern thyssenkrupp will seine Stahlsparte doch nicht mehr an den indischen Konkurrenten Jindal verkaufen.

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Die beiden Unternehmen haben einer Mitteilung vom Wochenende zufolge entschieden, die seit September vergangenen Jahres laufenden Gespräche auf Eis zu legen. Die Neuaufstellung des Segments solle aus eigener Kraft konsequent vorangetrieben werden, um den Stahlbereich erfolgreich und profitabel aufzustellen, hieß es in Essen. Mittelfristig will sich thyssenkrupp aber weiter vom Stahlgeschäft trennen.

Gründe für die Entscheidung, nicht mehr mit dem indischen Unternehmen über die Stahlsparte zu verhandeln, sind zum einen die besseren Rahmenbedingungen für Stahlhersteller in Europa und zum anderen die Fortschritte bei der Sanierung der Sparte.

Die im MDAX notierte Aktie kann am Montag nicht profitieren. Sie verliert zeitweise um 1,81 Prozent auf 9,90 Euro. Im vorbörslichen Handel hatte noch alles auf ein größeres Minus hingedeutet. Das Papier setzt damit seinen zuletzt eingeschlagenen Erholungskurs nicht fort. Die Aktie hatte kurz vor dem Nahost-Krieg ein Hoch seit 2018 erreicht. Anschließend verloren sie bis Ende März wieder über 40 Prozent an Wert. Im laufenden Jahr steht jedoch immer noch ein Kursplus von rund 11 Prozent zu Buche. In den vergangenen 12 Monaten legte der Kurs um rund ein Drittel zu.

Der Kasus Knaxus sei wohl die Bewertung der Sparte angesichts einer verbesserten Ausgangslage in Europa und den Restrukturierungserfolgen gewesen, kommentierte ein Börsianer. Protektionismus seitens der EU soll der Branche in Europa helfen.

"Die Nachricht ist formal neu, kommt unseres Erachtens aber nicht völlig überraschend", schrieb Dirk Schlamp von der DZ Bank zum Abbruch der Verkaufsgespräche. Denn "bereits im Vorfeld hatten Medienberichte auf Probleme im Due-Diligence- beziehungsweise Verhandlungsprozess hingewiesen, insbesondere bei Pensionslasten, künftigem Investitionsbedarf und Energiekosten". Die Aussetzung der Verkaufspläne sei "daher eher die Bestätigung eines bekannten Risikos als ein völlig neuer negativer Impuls". Überraschend sei weniger die Pause selbst als die positive Begründung durch Thyssenkrupp mit besseren Marktbedingungen und dem eigenen Wertsteigerungspotenzial.

Die Analysten von JPMorgan hatten nach Bekanntwerden der Pläne im Vorjahr von einer "Renaissance der Branche" gesprochen.

In diese Richtung ging auch die Argumentation von thyssenkrupp. "Die Europäische Union hat die große Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten erkannt und den Willen bekundet, die europäische Stahlindustrie besser vor globalen Überkapazitäten und Dumping zu schützen", hieß es in der Mitteilung vom Samstag.

Zudem wolle die EU die Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion weiter stärken. "Wir haben immer gesagt: Stahl ist Zukunft. Und ein zukunftsfähiges Geschäft ist ein werthaltiges Geschäft", sagte thyssenkrupp-Chef Miguel López laut Mitteilung. "Nachdem wir uns im eigenen Unternehmen, mit den Tarifpartnern und mit der Politik in Deutschland und Europa im Grundsatz geeinigt haben, sind die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung von thyssenkrupp Steel so gut wie lange nicht mehr."

Vor diesem Hintergrund bleibe mittelfristig eine Verselbstständigung von thyssenkrupp Steel Europe mit einer eventuellen Minderheitsbeteiligung der thyssenkrupp AG das erklärte Ziel. Jindal sei während der gesamten Gespräche ein konstruktiver und engagierter Partner gewesen. "Wir haben jedoch gemeinsam beschlossen, die Verhandlungen vorerst auszusetzen."

thyssenkrupp und Jindal Steel hatten Mitte September bekannt gemacht, dass der familiengeführte indische Konzern die Stahlsparte kaufen will und bereits ein unverbindliches Angebot abgegeben hat. Das für Firmenübernahmen und -verkäufe zuständige Vorstandsmitglied Volkmar Dinstuhl hatte bei der Vorlage der Jahreszahlen am 9. Dezember gesagt, dass das Angebot auf eine mehrheitliche Übernahme abziele.

thyssenkrupp hat in der Vergangenheit schon mehrfach erfolglos versucht, seine Stahlsparte loszuwerden, da das Geschäft volatil und sehr kapitalintensiv ist.

/zb/DP/zb/nas/mis

ESSEN (dpa-AFX)

Bildquellen: thyssenkrupp AG, Quinta / Shutterstock.com

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