Möglicher NATO-Austritt der USA belastet Rüstungsaktien: Rheinmetall, RENK und TKMS tiefer

Eine Erholungsrally im europäischen Rüstungssektor vom Vortag erweist sich am Donnerstag als kurzes Aufbäumen. Trumps Drohungen zum NATO-Austritt belasten die Branche.
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Die Titel von Aktien wie Rheinmetall, HENSOLDT, RENK und TKMSs gaben alle etwas nach. Das Marktumfeld ist insgesamt schwach. Es wird neben der Rede von US-Präsident Donald Trump auf das lange Osterwochenende verwiesen, vor dem Anleger ihre Risiken reduzieren.
Während der DAX nach zuletzt drei freundlichen Handelstagen wieder nachgab, verloren die Rheinmetall-Aktien nach einem etwa dreiprozentigen Spitzenverlust zum Handelsende nur noch 0,70 Prozent auf 1.570,50 Euro. HENSOLDT zog via XETRA letztlich 0,79 Prozent an auf 83,35 Euro, RENK-Papiere sackten um 1,62 Prozent ab auf 53,89 Euro. TKMS verlor schlussendlich 2,50 Prozent auf 87,85 Euro.
Möglicher NATO-Austritt der USA drückt aufs Sentiment
In der Branche ist ein möglicher Austritt der USA aus der NATO zum Thema geworden, mit dem am Mittwoch US-Präsident Trump angesichts der von ihm vermissten Unterstützung im Iran-Krieg drohte. Die Sorgen ließen aber über Nacht etwas nach. In Trumps Rede zur Lage der Nation, die mit neuen Drohungen gegen den Iran wieder für Verunsicherung sorgte, blieb die NATO unerwähnt. Außerdem bekommt er überparteilichen Gegenwind aus dem US-Senat.
In einer gemeinsamen Erklärung schreiben der Demokrat Chris Coons und der Republikaner Mitch McConnell, US-Amerikaner seien sicherer, wenn die NATO stark sei. "Der Senat wird das Bündnis weiterhin unterstützen, da es Amerika, Europa und der Welt Frieden und Schutz bietet", heißt es in der Mitteilung. Trump könnte über einen Austritt ohnehin nicht alleine entscheiden, er bräuchte dafür eine Zweidrittelmehrheit im US-Senat.
Analyst Christophe Menard von der Deutschen Bank stellte das Szenario auf, dass ein Austritt der USA das Bündnis erheblich schwächen und europäische Staaten dazu veranlassen würde, ihre Ausgaben zu erhöhen und die Abhängigkeit von US-Waffen zu verringern. Er betonte aber, dass Trump mit einem NATO-Austritt im US-Kongress wohl kaum eine Zustimmung bekommen dürfte. "Die politischen Hürden für einen formellen Austritt der USA aus der NATO sind hoch", schrieb auch sein Deutsche-Bank-Kollege, der Marktbeobachter Jim Reid.
Positive Analystenkommentare von möglichem NATO-Austritt überschattet
Die Rheinmetall-Aktien waren am Vortag auf ihrem jüngsten Erholungsversuch um fast zehn Prozent angezogen und jene des U-Boot-Bauers TKMS sogar um mehr als 14 Prozent. Neben den NATO-Sorgen hatten auch Analystenkommentare die Kurse angetrieben, von einer Trendwende kann aber noch nicht gesprochen werden. Der Rheinmetall-Kurs befindet sich noch immer im kurzfristigen Abwärtstrend, der im Januar begonnen hatte.
Es konnte den Rheinmetall-Kurs am Donnerstag auch nicht weiter stützen, dass das Analysehaus Kepler auf eine ermutigende Präsentation des Konzernchefs verwies. Armin Papperger habe darin die zahlreichen Wachstumschancen hervorgehoben und auch detailliert die Kompetenzen zu deren Umsetzung dargelegt, erwähnte der Analyst Michael Raab. Er sah darin eine Bestätigung der positiven Anlagestory.
Die Fantasie für steigende Rüstungsausgaben treibt Rheinmetall schon seit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 immer weiter in die Höhe, doch im Oktober bekam dies nach dem Erreichen der 2.000-Euro-Marke einen Bruch. 2026 sind die Titel in der ungewohnten Rolle, im Dax nur ein Durchschnittswert zu sein. Aktuell tun sie sich schwer, in der Jahresbilanz im Plus zu bleiben.
Goldman Sachs weiter bullish für Rheinmetall
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Rheinmetall-Aktie in die "European Conviction List" für besonders aussichtsreiche Werte aufgenommen. Das Anlageurteil "Buy" mit einem Kursziel von 2300 Euro wurde bestätigt. Laut Analyst Sam Burgess ist das Rüstungsunternehmen aus Düsseldorf die Nummer eins in der Branche. Rheinmetall profitiert laut der am Mittwoch vorliegenden Studie vom europäischen Aufrüstungszyklus, und dies sei nach drei Dekaden vernachlässigter Investitionen ein strukturelles Thema. Dabei verfüge das Unternehmen über das richtige Länder-Engagement und - mit Blick auf die größten Rüstungslücken in Europa - den richtigen Produktmix.
NEW YORK/FRANKFURT (dpa-AFX)
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