US-Zölle & Co: Warnsignal für die Börsen? Misery Index zeigt steigende Tendenz

Sowohl der drohende globale Handelskrieg als auch aktuelle Inflationsdaten und Daten zur Stimmung der US-Verbraucher belasten derzeit die Märkte. Vor diesem Hintergrund steigt auch der Misery Index an.
• Zölle verschlechtern die Stimmung
• Fed hebt Inflationsprognose an und senkt Wirtschaftswachstumsprognose
• Misery Index steigt schleichend an
Auswirkungen von Trumps Zöllen
Laut ING hieß es mit Blick auf die US-Konsumausgaben im Februar und das Konsumklima im März, dass durch US-Präsident Donald Trumps Zölle und Kürzungen von Staatsausgaben Trends wie der Inflationsanstieg und zugleich sinkende Konsumausgaben wahrscheinlich noch weiter verstärkt würden, berichtet dpa-AFX.
Derweil deutete Fed-Chef Jerome Powell laut MarketWatch an, dass die durch die Zölle verursachte Inflation nur "vorübergehend" sein könnte und abzuwarten bleibe, wie sich die erhöhte Unsicherheit über die Wirtschaftsaussichten auf Ausgaben und Investitionen auswirken werde.
Wirtschaftsdaten im Blick
Kürzlich habe eine Auswertung "weicher" Wirtschaftsdaten gezeigt, dass das Verbrauchervertrauen auf ein Vierjahrestief gesunken sei. "Die Umfragedaten zeigen, dass die Menschen unzufrieden sind", zitiert MarketWatch Emily Roland, Co-Chefanlagestratege bei John Hancock Investment Management. Die Daten in den USA seien laut Roland im Allgemeinen allerdings weder "großartig" noch "schlecht."
Arbeitslosenzahlen deuteten laut MarketWatch jüngst auf einen weniger robusten Arbeitsmarkt hin, aber nicht auf eine stagnierende Wirtschaft. Derweil liege die Inflation zwar über dem Zielwert der Fed von 2 Prozent, habe sich seit ihrem Höchststand von fast 9 Prozent aber abgeschwächt.
Angst vor Stagflation nimmt zu
Die US-Notenbank beließ den Leitzins zuletzt unverändert und hob die Inflationsprognose an, während sie die Wirtschaftswachstumsprognose nach unten korrigierte. An der Wall Street sorgte dies für erneute Gerüchte über eine Stagflation. "Die Angst vor einer Stagflation nimmt zu und wird die Fähigkeit der US-Notenbank Fed, die Zinsen weiter zu senken, einschränken", so Experten der ING.
"Stagflation versetzt die meisten Anleger in Angst und Schrecken", gibt MarketWatch Adam Hetts, Portfoliomanager und globaler Leiter für Multi-Asset-Investitionen bei Janus Henderson, wieder. "Es ist ein so heißes Thema geworden, weil Zölle schlecht für das Wachstum und schlecht für die Inflation sind", so Hetts.
Misery Index steigt
Vor diesem Hintergrund stieg auch der Misery Index, der die Summe von Inflationsrate und Arbeitslosenquote bildet, nach den Tiefstständen der letzten fünf Jahre schleichend an, wie MarketWatch berichtet. Der Index biete laut Steve Hanke, Professor für angewandte Wirtschaftswissenschaften an der Johns Hopkins University, auch in neueren Versionen eine Möglichkeit, "den Finger in den Wind zu halten, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es den Menschen geht". Mit einem Wert von 6,9 liege der Misery Index zwar deutlich unter seinem Höchststand von etwa 15 zu Beginn der Corona-Krise, aber dennoch über dem Wert von vor zehn Jahren. Trumps Vorgehen bei den Zöllen habe die Stimmung bei Verbrauchern und Unternehmen verschlechtert und die Sorge verstärkt, dass die Pläne zur "Entgiftung" der US-Wirtschaft die USA in eine Rezession stürzen könnten, berichtet MarketWatch.
Steve Hanke von der Johns Hopkins University rät Anlegern daher, den Index im Auge zu behalten, während Portfoliomanager Adam Hetts davor warnt, dass jede mögliche Kombination aus höherer Inflation und erhöhter Arbeitslosigkeit zu einer toxischen Situation führen könnte, in der "nichts mehr in einer einfachen Vermögensaufteilung funktionieren würde".
Redaktion finanzen.net
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