BMW-Aktie: Vom Flugmotorenbauer zur globalen Premiummarke

Was 1916 als Betrieb für Flugmotoren begann, ist heute ein global führender Automobilkonzern mit Milliardenumsätzen und starker Innovationskraft. BMW hat sich durch Krisen, strategische Neuausrichtungen und technologischen Fortschritt zu einer der bekanntesten Marken der Welt entwickelt.
Werte in diesem Artikel
• BMW produziert Flugmotoren im Zuge der Aufrüstung (1933-1945)
• Erstes BMW Mittelklasse-Modell "Neue Klasse" 1961 vorgestellt
• BMW investiert in Wasserstoffautos und Elektromobilität
Ein historischer Ursprung
Seine Ursprünge hat BMW in dem Flugzeugmotoren-Hersteller Rapp-Motorenwerke GmbH. Der Hauptsitz der Rapp-Motorenwerke befand sich in München - ebenso wie die Fertigungsstätten der Gustav Otto Flugmaschinenfabrik, bei der die hergestellten Flugmotoren in Flugzeuge verbaut wurden. Nachdem die Otto Flugmaschinenfabrik im Jahr 1916 insolvent ging, entstand daraus die Bayerische Flugzeugwerke AG (BFW). Auch die Rapp-Motorenwerke firmierten ein Jahr später um - ab jetzt trug der Rapp-Motoren-Konzern den Namen Bayerische Motoren Werke GmbH (BMW).
Im Sommer 1918 wurden die Bayerischen Motoren Werke in eine Aktiengesellschaft (AG) umgewandelt. Doch der Versailler Friedensvertrag setzte dem Bau von Flugmotoren ein jähes Ende - aufgrund des Produktionsverbots von Flugmotoren verlegte BMW seinen Hauptschwerpunkt auf Eisenbahnbremsen und Einbaumotoren. Da dies ziemlich erfolgreich war, übernahm die Berliner Firma Knorr-Bremse AG im Jahr 1920 die Mehrheit von BMW - als eigenständiges Unternehmen traten die Bayerischen Motoren Werke zunächst nicht mehr auf.
Neuanfang, Krieg und Wiederaufbau
Mit dem Kauf der Fahrzeugfabrik Eisenach 1928 stieg BMW in die Automobilproduktion ein. 1929 lief dort das erste Serienauto vom Band, gefolgt von technisch eigenständigeren Modellen wie dem AM 1 und dem 303 mit Sechszylindermotor, der als erstes unverkennbares BMW-Automobil gilt. In der Zeit des Nationalsozialismus verlagerte sich der Schwerpunkt erneut auf Flugmotoren, die bis zu 90 Prozent des Umsatzes ausmachten. Neben Arbeitern wurden auch Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in der Produktion eingesetzt. Parallel entstanden erfolgreiche Automobile wie die Modelle 326, 327 und der Sport-Roadster 328, dessen Rennerfolge das Image der Marke nachhaltig prägten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag das Werk in München in Trümmern, während das Werk Eisenach unter sowjetischer Kontrolle stand und zunächst Vorkriegsmodelle weiterproduzierte. Nach einem Rechtsstreit durfte dort der Name BMW nicht mehr verwendet werden, das Werk firmierte fortan als EMW. In München begann BMW mit Reparaturarbeiten und Alltagsprodukten, ehe 1948 mit der R 24 die Motorradproduktion wieder aufgenommen wurde. 1951 folgte mit dem aufwendig produzierten BMW 501 der erste Nachkriegs-PKW, der jedoch hohe Verluste verursachte. Eine geplante Übernahme durch Daimler-Benz (heute Mercedes-Benz Group) scheiterte schließlich am Widerstand von Belegschaft und Kleinaktionären, die sich gegen den Verkauf stellten und damit die Eigenständigkeit des Unternehmens bewahrten - trotz des 50-prozentigen Anteils der Deutschen Bank.
Strategischer Ausbau und Markenvielfalt
Mit dem Einstieg Herbert Quandts 1960 erhielt BMW die finanziellen Mittel zur Entwicklung des Mittelklassewagens "Neue Klasse", deren Erfolg ab 1961 den wirtschaftlichen Durchbruch brachte und die Basis für internationales Wachstum legte. Unter Vorstandschef Eberhard von Kuenheim expandierte der Konzern ab 1970 stark, steigerte Umsatz und Beschäftigtenzahl deutlich und erschloss neue Auslandsmärkte, unter anderem Österreich, Südafrika und die USA.
Die Übernahme der Rover Group 1994 erwies sich als verlustreich und endete 2000 mit der Trennung von nahezu allen Marken außer Mini, während BMW mit Rolls-Royce ab 2003 gezielt das Luxussegment stärkte. Seit 2008 trieb der Konzern zudem Elektromobilität und alternative Antriebe voran und entwickelte sich bis in die 2020er-Jahre hinein zu einer der weltweit wertvollsten Automobilmarken.
Innovation und Elektromobilität
Ein weiterer Meilenstein ist das Elektrofahrzeug BMW i3. Anders als sein namensgleicher Vorgänger, der vor Jahren als kompakter Elektro-Pionier debütierte, handelt es sich beim neuen i3 um eine elektrische Version der 3er-Mittelklasse-Reihe. Das Modell wird sowohl als Limousine als auch als Touring-Kombi angeboten und setzt auf klassische Fahrzeugkonzepte, kombiniert mit modernster 800-Volt-Technik, hoher Ladeleistung und variablen Antriebsoptionen. Er wird eng mit der Architektur des iX3 verwandt sein und Reichweiten ermöglichen, die über frühere Elektroautos hinausgehen. Bereits im Vorserienbetrieb laufen Fahrzeuge des neuen i3 im BMW Werk München vom Band.
Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft
BMW verfolgt strategische Initiativen zur Steigerung der Nachhaltigkeit in Produktion und Produktlebenszyklus. In Zusammenarbeit mit Partnern wie PreZero treibt das Unternehmen die Kreislaufwirtschaft voran, was unter anderem die Wiederverwertung von Materialien und die Minimierung von Abfällen umfasst. Solche Maßnahmen sind Teil einer langfristigen Verantwortungsausrichtung des Konzerns.
Ausblick
Heute zählt BMW zu den weltweit umsatzstärksten Herstellern im Premium-Automobilmarkt und ist mit einer starken Marke in über 140 Ländern vertreten. Die Kombination aus historischer Tradition, Innovationskraft, strategischer Markenführung und der klaren Ausrichtung auf zukünftige Mobilitätstechnologien macht den Konzern für Finanzmarktteilnehmer, Kunden und Industriebeobachter gleichermaßen relevant.
Redaktion finanzen.net