Iran öffnet Straße von Hormus: DAX springt hoch und erreicht drittes Wochenplus in Folge

Auch am Freitag hielt sich am deutschen Aktienmarkt die Hoffnung auf ein diplomatisches Ende des Iran-Krieges, die Lage bleibt jedoch fragil. Der DAX konnte dennoch zulegen.
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Der DAX begann den Freitagshandel nahe dem Vortagesschluss, konnte jedoch schon kurz darauf in die Gewinnzone steigen. Am Nachmittag zog der Leitindex mit Nachrichten aus dem Iran sprunghaft an und schloss 2,27 Prozent höher bei 24.702,24 Punkten.
Die Straße von Hormus "wird für die verbleibende Dauer des Waffenstillstands für alle Handelsschiffe vollständig geöffnet", teilte der iranische Außenminister Abbas Araghchi in einem Beitrag auf der Plattform X mit, was in Frankfurt direkt mit steigenen Kursen honoriert wurde. Die Ölpreise gingen indes auf rasante Talfahrt.
"Der Aktienmarkt zeigt sich weiterhin erstaunlich robust gegenüber den anhaltenden Spannungen im Nahen Osten", schrieb Marktanalyst Timo Emden von Emden Research. Der DAX bewege sich nach den zuletzt starken Ausschlägen in einem insgesamt freundlichen Umfeld.
Damit markierte der deutsche Leitindex ein deutliches Wochenplus und die dritte Gewinnwoche in Folge. Trotz der Erholung um mehr als 9 Prozent seit Ende März liegt der DAX aber noch rund vier Prozent unter dem Niveau von Ende Februar, also vor dem Beginn des Iran-Krieges.
Pakistan bereitet sich bereits auf weitere Verhandlungen vor
Anleger setzen Emden zufolge darauf, dass im Nahost-Krieg die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran zumindest vorerst Bestand hat oder sich im weiteren Verlauf sogar in eine verlängerte Phase politischer Entspannung entwickelt, die mittelfristig in ein tragfähiges Friedensabkommen münden könnte. Pakistan bereitet sich bereits auf weitere Verhandlungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten in der Hauptstadt Islamabad vor.
Anlegerstimmung bessert sich
Neue Störfeuer aus dem Iran-Konflikt blieben vor dem Wochenende aus, und so gab es nach wie vor kein Anzeichen, dass die Anleger willig sind, Gewinne mitzunehmen. "Der Markt will steigen", schrieb am Morgen der Experte Emmanuel Cau von der Barclays Bank. Der Waffenstillstand habe die Anlegerstimmung verbessert und die Angst, etwas zu verpassen, habe die Aktienkurse mancher US-Indizes auf neue Höchststände getrieben.
"Die Situation im Nahen Osten bleibt weiterhin fragil", schrieb indes Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst des Handelshauses CMC Markets. "Auch wenn es jetzt auf diplomatischem Wege zu einigen Vereinbarungen kommt, sind wir noch ganz weit von einem Frieden entfernt."
Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz in Kraft
Seit Mitternacht gilt im Libanon eine offizielle Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz. US-Präsident Donald Trump, der die Einigung über Truth Social verkündet hatte, bezeichnete den Tag als potenziell "historisch". Er appellierte an die Hisbollah, sich kooperativ zu zeigen. Die Miliz selbst fordert jedoch eine umfassende Feuerpause ohne israelische Truppenbewegungen und ließ ihre langfristige Haltung zunächst offen.
In Teheran wird die Entwicklung derweil als eigener Erfolg verbucht. Hochrangige Vertreter der Revolutionsgarden betonten, dass die Standhaftigkeit des libanesischen Widerstands diesen diplomatischen Schritt erst ermöglicht habe. Der Iran hatte das Thema der Waffenruhe im Libanon auch in den direkten Gesprächen mit den USA immer wieder zur Bedingung gemacht, da die dortigen Kämpfe die Verhandlungen über den Iran-Krieg belastet hatten.
Neue USA-Iran-Gespräche schon am Wochenende?
Nach Aussage von US-Präsident Donald Trump könnten die USA nun bereits an diesem Wochenende weitere Gespräche mit dem Iran führen. "Vielleicht am Wochenende", sagte er vor Reportern auf die Frage nach potenziellen Verhandlungen. "Wir sind sehr nah dran, einen Deal zu machen", fügte Trump hinzu.
Händler äußern allerdings Zweifel an den angeblichen Fortschritten bei den Friedensgesprächen zwischen den USA und Iran. "Es gibt nur Behauptungen dazu von Trump", sagt ein Händler. Auch UBS-Chef-Volkswirt Paul Donovan hebt das hervor: Trump behaupte, ein Friedens-Deal sähe "sehr gut" aus und der Iran stimme US-Bedingungen zu, ohne dafür irgendwelche Beweise zu liefern.
Druck auf Iran bleibt hoch
Parallel zur diplomatischen Annäherung halten die USA den militärischen und wirtschaftlichen Druck auf Teheran jedoch aufrecht. Verteidigungsminister Pete Hegseth warnte die iranische Führung davor, dass das US-Militär "auf Knopfdruck" bereit sei, Angriffe wiederaufzunehmen, sollte der Iran nicht "weise entscheiden". Besonders im Fokus steht dabei grundsätzlich die strategisch wichtige Straße von Hormus, deren Blockade durch den Iran die weltweiten Energiepreise in die Höhe getrieben hatte.
DAX-Rekord zuletzt im Januar
Am 13. Januar hatte der DAX bei 25.507,79 Punkten ein Allzeithoch markiert und damit erstmals in seiner Geschichte die Schwelle von 25.500 Punkten überschritten. Letztlich war er an diesem Tag bei 25.420,66 Zählern in den Feierabend gegangen, was zudem einen neuen Rekord auf Schlusskursbasis bedeutete.
Claudia Stephan, Carolin Ludwig, Melanie Schürmann, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX und Dow Jones Newswires
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