15-Punkte-Plan

Iran-Gespräche noch diese Woche? - Düngerpreise steigen

28.03.26 08:44 Uhr

Irankrieg: Diplomatie oder Eskalation? - Düngerpreise steigen an | finanzen.net

Der Sondergesandte der US-Regierung, Steve Witkoff, rechnet noch in dieser Woche mit Gesprächen mit dem Iran für ein Ende des Kriegs.

Dabei erwarte man auch eine Antwort auf einen den Iranern vorliegenden 15-Punkte-Plan der USA, sagte er im US-Bundesstaat Florida. Derweil gingen die gegenseitigen Angriffe weiter: Israel griff nach Armeeangaben in der Nacht "Terrorziele" in ganz Teheran an. Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA meldete zudem einen erneuten Angriff nahe dem iranischen AKW Buschehr. Zugleich schoss der Iran Raketen und Drohnen auf die Golfstaaten und Israel.

Der 15-Punkte-Plan der USA für ein Ende des Kriegs sieht Berichten zufolge unter anderem vor, dass der Iran seine Bestände an angereichertem Uran abgeben muss. Teheran hatte nach Angaben der Nachrichtenagentur Tasnim seine Antwort auf den Vorschlag bereits vor wenigen Tagen übermittelt. Laut einer "informierten Quelle" fordert der Iran ein Ende aller Kampfhandlungen an allen Fronten - und damit auch im Libanon oder im Irak.

In welchem Rahmen die von Witkoff erwähnten Gespräche stattfinden sollen, blieb zunächst unklar. Er sagte lediglich: "Wir denken, dass es in dieser Woche Treffen geben wird."

Bericht: Zwölf US-Einsatzkräfte in Saudi-Arabien verletzt

Die gegenseitigen Angriffe gingen derweil weiter. Nach einem Bericht des "Wall Street Journals" wurden zwölf US-Einsatzkräfte bei einem iranischen Angriff auf einen Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien verletzt. Sie befanden sich in einem Gebäude auf der Prince Sultan Airbase, das bei der Bombardierung getroffen wurde, wie die US-Zeitung unter Berufung auf US- und arabische Vertreter berichtete.

Der Luftwaffenstützpunkt in Saudi-Arabien wird auch vom US-Militär genutzt. Bei dem Angriff wurden laut dem Zeitungsbericht auch amerikanische Tankflugzeuge beschädigt. Der Stützpunkt war seit Beginn des Iran-Kriegs immer wieder Ziel von Angriffen.

Das Innenministerium von Bahrain teilte auf der Plattform X mit, ein durch einen iranischen Angriff ausgelöstes Feuer in einer Fabrik sei gelöscht worden. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien berichteten, es seien Drohnen und Raketen abgefangen worden.

Nach einem iranischen Raketenangriff wurde in Zentralisrael laut israelischem Rettungsdienst ein älterer Mann bewusstlos und in kritischem Zustand an einer Einschlagstelle gefunden. Er sei wenig später aufgrund seiner schweren Verletzungen gestorben. Außerdem habe es mehrere Leichtverletzte gegeben.

Erneut Angriff nahe iranischem AKW

Zum dritten Mal innerhalb der vergangenen zehn Tage wurde ein Angriff nahe dem iranischen Atomkraftwerk Buschehr gemeldet. Es seien laut iranischen Angaben weder Schäden am im Betrieb befindlichen Reaktor noch eine Freisetzung von Strahlung gemeldet worden, teilte die Internationale Atomenergiebehörde in Wien am späten Abend auf der Plattform X mit. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi rief zu höchster Zurückhaltung in dem Konflikt auf, um einen nuklearen Unfall zu vermeiden.

Der Iran hatte bereits diese und vergangene Woche Geschoss-Einschläge auf dem Gelände des Atomkraftwerks Buschehr gemeldet. Schäden an der Anlage oder Verletzte gab es beide Male nicht. Die Atomanlage Buschehr, das einzige iranische Kernkraftwerk, liegt etwa 760 Kilometer südlich von Teheran am Persischen Golf.

Die USA und Israel nennen als ein Kriegsziel, zu verhindern, dass der Iran jemals in den Besitz von Atomwaffen gelangt. Teheran bestreitet, Atomwaffen zu entwickeln.

Trump kritisiert Merz - Merz kritisiert Trump

Derweil kritisierte US-Präsident Donald Trump Bundeskanzler Friedrich Merz für die ausbleibende Hilfe bei der Sicherung der Straße von Hormus. Der Republikaner attackierte bei einem Kongress in Miami im US-Bundesstaat Florida erneut zunächst die Nato-Verbündeten Frankreich und Großbritannien - und kam dann auf Deutschland zu sprechen: Der deutsche Bundeskanzler habe gesagt: ""Das ist nicht unser Krieg"." Trump schob nach, dass dann der Ukraine-Krieg auch nicht der der USA sei.

Bereits am Vortag hatte Trump Deutschland kritisiert. Er habe es als "unangemessen" empfunden, dass von deutscher Seite geäußert worden sei: "Das ist nicht unser Krieg." Der Satz stammt ursprünglich von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). Merz hatte sich unlängst bei einem Besuch in Norwegen so geäußert: "Deutschland ist nicht Teil dieses Krieges, und wir wollen es auch nicht werden."

Der US-Präsident hatte Nato-Verbündete um Hilfe bei der militärischen Absicherung der durch den Iran-Krieg quasi blockierten Schifffahrt durch die Straße von Hormus gebeten. Die Meerenge ist wichtig für den weltweiten Ölhandel. Weil die Nato-Partner der Aufforderung nicht nachkamen, hat er sie wiederholt mit scharfen Worten kritisiert.

Am Freitag stellte er die Unterstützung anderer Nato-Partner durch die USA infrage. "Wir wären immer für sie da gewesen, aber jetzt, angesichts ihres Verhaltens, müssen wir das wohl nicht mehr, oder?", sagte Trump und kritisierte das Bündnis scharf dafür, dass es den USA im Krieg mit dem Iran nicht zur Seite stehe. "Ich glaube, es war ein gewaltiger Fehler, dass die Nato einfach nicht da war."

Merz dagegen attackierte Trump für dessen Agieren im Iran-Krieg. "Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang", sagte Merz auf dem "F.A.Z.-Kongress 2026". "Das sind Eskalationen, die schon bedrohlich sind. Nicht nur für die Betroffenen, sondern für uns alle."

Rubio: Ziele ohne Einsatz von Bodentruppen erreichbar

US-Außenminister Marco Rubio geht davon aus, dass die USA ihre Ziele im Iran-Krieg auch ohne den Einsatz von Bodentruppen erreichen werden. Das Militär liege vor dem Zeitplan zur Erreichung seiner Ziele - "und wir können sie ohne Bodentruppen erreichen", sagte er nach Ukraine-Gesprächen der Außenminister der Gruppe wirtschaftsstarker Demokratien (G7) bei Paris. Rubio zeigte sich davon überzeugt, dass der Einsatz im Iran "in wenigen Wochen, nicht in Monaten" abgeschlossen werden könnte.

Zugleich sagte Rubio, dass er einen Einsatz von Bodentruppen nicht kategorisch ausschließe. Die USA würden sich diese Flexibilität vorbehalten, um Präsident Trump "maximale Handlungsfreiheit und maximale Möglichkeiten zu geben, sich auf Eventualitäten einzustellen".

Iran-Krieg lässt Düngerpreise steigen

Der Iran-Krieg zieht eine Gefahr für Bauern und Lebensmittelpreise rund um den Globus nach sich: Mineraliendünger hat sich auf den Weltmärkten seit Jahresbeginn um rund 30 bis 40 Prozent verteuert. Das sagt Philipp Spinne, der Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV). Damit ist eine ähnliche Situation eingetreten wie im Februar 2022: "Die Weltmarktpreise für Stickstoffdünger nähern sich immer mehr dem Höchstniveau an, das wir zu Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine hatten", sagt Spinne.

Je länger der Krieg dauert, desto schlechter für die Landwirtschaft

In Europa sind die Auswirkungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher bisher nicht unmittelbar zu spüren. Denn viele Landwirte hatten ihren Dünger für dieses Frühjahr schon vor Kriegsbeginn gekauft, wie ein Sprecher des Bayerischen Bauernverbands sagt. Doch sollte der Krieg lang dauern, werden die Produktionskosten der deutschen Landwirte voraussichtlich steigen, und damit auch die Erzeugerpreise.

Vor vier Jahren trat die von manchen Fachleuten befürchtete Gefahr für die weltweite Ernährungssicherheit nicht ein. Das lag unter anderem daran, dass Russland - weltweit einer der wichtigsten Düngerproduzenten - vom Angriff auf das Nachbarland profitierte und seine Düngerausfuhren noch steigerte. Mittlerweile hat die EU schrittweise Zollerhöhungen für russischen Stickstoffdünger beschlossen.

Düngerpreis hängt an Gaspreisen

Doch warum lassen Kriege die Düngerpreise weltweit steigen? Das liegt am hohen Energiebedarf der Herstellung: "Die Gaspreise bestimmen zwischen 80 und 90 Prozent der Kosten der Ammoniak- und Stickstoffproduktion", sagt ein Sprecher des Industrieverbands Agrar. Wird Gas teurer, steigen also automatisch auch die Düngerpreise. Und düngen die Bauern weniger, sind Ernteeinbußen die Folge.

Ohne Dünger wäre die Lebensmittelproduktion viel geringer

Und worin liegt die potenzielle Gefahr für die Lebensmittelproduktion? In einem 2008 publizierten Aufsatz berechneten der niederländische Umweltwissenschaftler Jan Willem Erisman und mehrere Kollegen, dass ein Hektar Ackerland mittlerweile doppelt so hohe Ernten produziert wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und 48 Prozent der Weltbevölkerung ihre Ernährung dem weltweiten Einsatz von Mineraliendünger verdanken.

Geschätzt ein Drittel des weltweit gehandelten Harnstoffs und etwa zwanzig Prozent des Ammoniaks passieren die Straße von Hormus. Die direkten Auswirkungen auf Europa sind gering: "Europa bezieht seit Jahren kaum Düngemittel aus der Konfliktregion", heißt es beim Industrieverband Agrar.

Europa produziert Dünger selbst - ist aber dennoch betroffen

Nach wie vor können laut IVA etwa 75 Prozent des Stickstoffdüngerbedarfs in Deutschland aus heimischer Produktion gedeckt werden, bei Kalidünger sogar etwas mehr. Sehr wohl spürbar aber sind die indirekten Effekte höherer Gas- und LNG-Preise, die sich auf die europäische Chemie- und Düngemittelindustrie auswirken.

Schon der starke Anstieg der Gaspreise im Westen Europas im Zuge des Ukraine-Kriegs schwächte die hiesige Chemieindustrie. Der Industrieverband fordert daher eine Stärkung der heimischen Produktion. Unter anderem plädiert der Verband für höhere Zölle auch auf russisches Kali.

Russland beschränkt Export

Das sieht der Raiffeisenverband ganz ähnlich: Zölle seien das richtige Instrument, um russische Importe in die EU zu erschweren und zu reduzieren. "Gleichzeitig muss dies ein Signal sein, die eigene Resilienz zu stärken", sagt DRV-Geschäftsführer Spinne. In dieser Woche hat Russland zum Schutz der eigenen Bauern fürs Erste selbst die Düngerausfuhr beschränkt.

Derzeit sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Mehrheit der deutschen Landwirte überschaubar: "Rund 80 Prozent der benötigten Menge für das gesamte Frühjahr ist bereits in den Lagern der Genossenschaften, und rund 50 Prozent auch schon direkt bei den Landwirten", sagt Spinne.

Für Bauern, die jetzt kaufen müssen, wird es teuer

"Die Herausforderung liegt derzeit weniger in der Verfügbarkeit als vielmehr in der Preisentwicklung", meint ein Sprecher des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in München. "Für Betriebe, die sich nicht frühzeitig eingedeckt haben, führt dies zu einer spürbaren Kostenbelastung."

Den Bauern zusätzlich zu schaffen machen dabei eher niedrige Erzeugerpreise, vor allem für Getreide. "Steigende Betriebsmittelkosten bei gleichzeitig schwachen Erlösen verschärfen die wirtschaftliche Lage und belasten die Liquidität der Betriebe", sagt der BBV-Sprecher.

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MIAMI (dpa-AFX)

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