Heizkosten sparen

Bei hohen Strompreisen: Für wen sich eine Wärmepumpe wirklich lohnt

06.03.26 22:43 Uhr

Energiekosten im Blick: Wann sich eine Wärmepumpe bei hohen Strompreisen wirklich lohnt | finanzen.net

Haushalte mit einer Erdgas-Heizung müssen derzeit aufgrund der hohen Gaspreise tief in die Tasche greifen. Der Umstieg auf ein effizientes Heizsystem mit Wärmepumpe kann einiges an Kosten einsparen. Ob sich eine Wärmepumpe aber wirklich lohnt, hängt von vielen Faktoren ab.

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Wärmepumpen-Besitzer können deutlich an Heizkosten sparen

Das Vergleichsportal Verivox analysiert regelmäßig die Heizkosten einer Erdgas-Heizung im Vergleich zu einer Wärmepumpe. Der durchschnittliche Gaspreis für Neukunden liegt aktuell bei rund 8 bis 10 Cent pro Kilowattstunde (Stand: März 2026). Für Eigentümer eines Einfamilienhauses mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden entspricht das jährlichen Gaskosten von rund 1.600 bis 2.000 Euro.

Eine effizient arbeitende Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von vier benötigt für die Bereitstellung von 20.000 Kilowattstunden Wärme insgesamt 5.000 Kilowattstunden Wärmepumpenstrom. Der Wärmepumpenstrom kostet 2026 im bundesweiten Durchschnitt zwischen 22 und 27 Cent pro Kilowattstunde. Laut einer Vergleichsrechnung von heizcenter.de ergibt sich damit für Wärmepumpen-Besitzer mit einer JAZ von vier und einem Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden ein jährlicher Strombedarf von etwa 5.000 kWh zu einem Gesamtpreis von rund 1.250 Euro - gegenüber rund 2.000 Euro für eine Gasheizung. Das entspricht einer Heizkosteneinsparung von bis zu 38 Prozent.

Ab 2026 profitieren Wärmepumpenbesitzer zusätzlich von einer weiteren Entlastung: Der Wärmepumpenstrompreis sinkt um rund 1,65 Cent pro Kilowattstunde, sofern die Anlage über einen separaten Zählpunkt betrieben wird. Bei einem typischen Jahresverbrauch von 6.000 kWh entspricht das einer Ersparnis von knapp 100 Euro pro Jahr.

Neue Warnstufe durch Iran-Konflikt

Anfang März haben Israel und die USA koordinierte Militärschläge gegen den Iran durchgeführt. Als Reaktion darauf schränkte der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein, über die rund ein Fünftel der weltweiten Ölproduktion und ein Fünftel des globalen LNG-Handels transportiert werden. Der Großhandelspreis für Erdgas sprang daraufhin an, Marktbeobachter schließen weitere drastische Preisanstiege nicht aus und halten Dimensionen wie beim Einmarsch Russlands in die Ukraine 2022 für möglich, falls der Konflikt weiter eskaliert. Damit verschiebt sich die Kostenrechnung zugunsten der Wärmepumpe nochmals deutlich.

Umrüstung kostet Geld, wird aber gefördert

Während die Wärmepumpe bei Neubauten schon zu den beliebtesten Heiztechniken gehört, kostet der Umstieg von einer Erdgas- oder Öl-Heizung viel Geld. Die Preisspannen der verschiedenen Heizsysteme und der notwendigen Umbauarbeiten sind groß und hängen von der individuellen Situation ab. Geht man von einem Preis von rund 20.000 bis 30.000 Euro aus, könnte sich der Umstieg auf eine effiziente Wärmepumpe - insbesondere bei steigenden Gaspreisen - innerhalb von 15 bis 20 Jahren amortisieren. Die staatliche Förderung im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) wurde zuletzt grundlegend reformiert und bleibt laut den Koalitionseckpunkten mindestens bis 2029 bestehen. Seit 2024 administriert die KfW (statt zuvor das BAFA) die Zuschüsse für den Heizungstausch. Die Förderstruktur setzt sich ab 2026 wie folgt zusammen: Als Grundförderung erhalten alle Antragsteller 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Wer seine alte Heizung zügig austauscht, profitiert zusätzlich vom Klima-Geschwindigkeitsbonus in Höhe von 20 Prozent, der bis Ende 2028 gewährt wird. Für besonders effiziente Anlagen, die mit natürlichen Kältemitteln arbeiten oder Erd- bzw. Wasserwärme nutzen, gibt es obendrauf einen Effizienzbonus von 5 Prozent. Haushalte mit einem Jahreseinkommen unter 40.000 Euro können darüber hinaus einen Einkommensbonus von 30 Prozent beantragen. In der Summe sind damit Fördersätze von bis zu 70 Prozent der förderfähigen Kosten möglich. Die maximale förderfähige Investitionssumme beträgt 30.000 Euro, was einem maximalen Zuschuss von 21.000 Euro entspricht. Ab 2026 gelten außerdem strengere Lärmschutzvorgaben: Gefördert werden nur noch Modelle, deren Außengeräte mindestens 10 Dezibel unter dem Grenzwert der EU-Ökodesign-Verordnung liegen.

Wie bisher können auch die Kosten für eine Energieeffizienz-Beratung mit bis zu 50 Prozent gefördert werden. Es empfiehlt sich daher, vor einer Anschaffung einen zertifizierten Energieberater hinzuzuziehen. Ein weiterer wichtiger Hinweis für 2026: Die bisherige Pflicht, bei neuen Heizungen 65 Prozent erneuerbare Energien zu nutzen (das sogenannte Heizungsgesetz), wurde durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz abgeschafft. Gasheizungen bleiben vorerst erlaubt; ab 2029 gilt jedoch eine schrittweise Beimischpflicht für CO2-neutrale Brennstoffe.

Für wen sich die Anschaffung lohnt

Ob sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe lohnt, hängt vor allem von drei Hauptfaktoren ab: den aktuellen Energiepreisen, der Effizienz des Heizsystems und den Kosten der Umbauarbeiten. Angesichts der erneut eskalierenden Gaspreise infolge des Iran-Konflikts wird der Kostenvorteil der Wärmepumpe gegenüber der Gasheizung noch ausgeprägter. Der Heizspiegel 2025 bestätigt: Wärmepumpen sind unter allen Heizsystemen langfristig die günstigste Option, da fossile Heizungen durch steigende CO2-Preise und Marktveränderungen zur Kostenfalle zu werden drohen.

Dies muss jedoch stets im Zusammenhang mit der Effizienz der Wärmepumpe gesehen werden. Ein Heizsystem mit einer niedrigen JAZ kann zu einem wahren Stromfresser werden und mehr Energie verschwenden als einsparen - außerdem hängt die Höhe der Förderung von der Effizienz der Anlage ab. Für einen sinnvollen Umstieg sollte also unbedingt ein effizienter Betrieb sichergestellt werden. Zu guter Letzt sind noch der Umfang und die Komplexität der Umbauarbeiten wichtig. Eine gute Planung und vorherige Beratung durch einen Experten oder eine Expertin sind deshalb unabdingbar. Nur wer eine effiziente Wärmepumpe zu adäquaten Kosten einbauen kann, kann finanziell von dem Umstieg auf die energiesparende und klimafreundliche Heizung profitieren.

Redaktion finanzen.net

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