Kurs-Ausschläge drohen

Sinkende Liquidität am Krypto-Markt: Diese schlimmen Folgen könnte die Handelsausdünnung für Bitcoin & Co. haben

13.03.23 21:23 Uhr

Sinkende Liquidität am Krypto-Markt: Diese schlimmen Folgen könnte die Handelsausdünnung für Bitcoin & Co. haben | finanzen.net

Seit der FTX-Pleite im November 2022 ist es ruhiger an den Krypto-Märkten geworden. Trotz temporärer Rallys ist das öffentliche Interesse an Bitcoin, Ethereum & Co. abgeflaut. Während manche den Krypto-Winter begrüßen und auf die nächste rasante Aufwärtsentwicklung spekulieren, betrachten andere Experten das abnehmende Handelsvolumen als potenziellen Gefahrenherd. Wie kommen sie zu dieser Ansicht?

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• Krypto-Märkte erleben seit Wochen eine Phase abnehmender Liquidität
• Geringere Liquidität verursacht höhere Schwankungsanfälligkeit
• Krypto-Experten warnen eindringlich vor starken Kurs-Ausschlägen

Die Krypto-Märkte bewegen sich seit einigen Monaten nur noch wenig. Der Bitcoin pendelt bereits seit Juni 2022 in einem vergleichsweise engen Korridor zwischen 16.000 und 25.000 US-Dollar, und auch die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum bewegt sich schon seit mehreren Monaten rund um die Marke von 1.500 US-Dollar. Viele Marktteilnehmer begrüßen die Seitwärtsbewegung und das dünnere Handelsvolumen. Ihnen zufolge habe es bereits einige Krypto-Winter gegeben, die stets in einer gewaltige Rally mündeten. Zudem sei es doch zu begrüßen, dass Bitcoin, Ethereum & Co. ihren letztjährigen Crash anscheinend hinter sich haben. Andere Fachleute sehen aber eine große Gefahr in dem Trend der abflauenden Liquidität.

Abnehmende Handelsvolumina am Krypto-Markt

Die Liquidität bezieht sich auf die Fähigkeit des Marktes, große Kauf- und Verkaufsaufträge zu stabilen Preisen zu absorbieren. Die übliche Messgröße für die Bewertung der Liquiditätsbedingungen ist die Markttiefe von zwei Prozent - eine Sammlung von Kauf- und Verkaufsangeboten innerhalb von zwei Prozent des mittleren Preises oder des Durchschnitts der Geld- und Briefkurse. Je höher diese Markttiefe ausfällt, desto liquider ist ein Vermögenswert.

Dieser Indikator zeigt bei den digitalen Token seit Monaten scharf abwärts. Daten des in Paris ansässigen Kryptodatenanbieters Kaiko zeigen, dass die zweiprozentige Markttiefe von Bitcoin für USDT-Paare, die von 15 zentralisierten Börsen aggregiert werden, bis Ende Februar auf 6.800 BTC gesunken ist. Dies ist der niedrigste Stand seit Mai 2022, als das Terra-Netzwerk zusammenbrach, und liegt unter dem Niveau, das nach der Bankrotterklärung der Kryptobörse FTX erreicht wurde. Er liegt demnach ebenfalls deutlich unter dem Höchststand vom Oktober, der bei über 15.000 BTC lag. Die zweiprozentige Markttiefe von Ethereum hat sich seit Oktober mehr als halbiert und lag an der Krypto-Börse Binance Ende Februar bei 57.000 ETH.

Krypto-Experte Dibb warnt vor größerer Volatilität

Das größte Risiko der Handelsausdünnung liegt nach gängiger Meinung darin, dass selbst vermeintlich kleine Investments große Bewegungen bei den entsprechenden Assets auslösen können. "Geringe Liquidität bedeutet drastischere Bewegungen, insbesondere bei alternativen Kryptowährungen", erklärt Matthew Dibb, Chief Investment Officer bei Astronaut Capital, gegenüber CoinDesk. "Fonds, die versuchen, Größe zu handeln, sind gezwungen, über längere Zeiträume zu Durchschnittspreisen zu kaufen", fügt Dibb hinzu. Deshalb dürften kurzzeitige Ausschläge bei einzelnen Kryptowährung im Umfeld niedriger Liquidität nicht automatisch als hohe Nachfrage vonseiten vieler Marktteilnehmer interpretiert werden.

Große Krypto-Unternehmen greifen zur TWAP-Strategie

Das längere Kaufen zu Durchschnittspreisen wird auch als TWAP-Strategie bezeichnet. TWAP (Time-Weighted Average Price) ist eine algorithmische Strategie, die darauf abzielt, einen durchschnittlichen Handelsausführungspreis zu erzielen, der nahe am zeitgewichteten Durchschnittspreis des Vermögenswerts liegt. Es geht darum, einen großen Auftrag in kleinere Mengen aufzuteilen und diese in regelmäßigen Abständen auszuführen, um die Auswirkungen auf den laufenden Markt zu minimieren und die Slippage zu verringern. Slippage ist die Differenz zwischen dem erwarteten Preis, zu dem ein Handel platziert wird, und dem tatsächlichen Preis, zu dem das Kauf- beziehungsweise Verkaufsgeschäft ausgeführt wird. Slippage tritt in der Regel auf, wenn die Marktliquidität gering oder die Volatilität hoch ist.

Dibb sieht erhebliche Gefahren, die durch das TWAPen von Krypto-Walen - also milliardenschweren Krypto-Investoren - verursacht werden. "Realistisch betrachtet hat die schwindende Markttiefe jedoch auch dazu geführt, dass die meisten großen Fonds nicht mehr in gleichem Maße wie früher teilgenommen haben, weil sie zu viel verloren haben", stellt Dibb fest und fügt hinzu, dass jedes große Institut, das jetzt Münzen abstößt, den Markt stärker beeinflussen wird. Zudem könne die Handelsausdünnung in einen Teufelskreis münden: Weil es weniger Liquidität gibt, nehmen weniger Akteure am Handel teil, was wiederum dem Markt lebenswichtiges Handelsvolumen entzieht.

Damit müssen Krypto-Anleger rechnen

Bislang ist von der vermeintlich höheren Volatilität an den Krypto-Märkten aber keine Spur zu sehen. Im Gegenteil: Der Bitcoin-Volatilitätsindex (BVIN), der die implizite oder erwartete Volatilität über die nächsten 30 Tage misst, ist laut der Datenquelle CryptoCompare Ende Februar auf 56,39 gesunken, was den niedrigsten Stand seit Anfang 2021 darstellt. Allerdings unterstreicht Griffin Ardern, ein Händler des Krypto-Asset-Management-Unternehmens Blofin, dass genau diese Art von Situation oft zu einer plötzlichen Explosion der Volatilität führe. "Es wird ein Umfeld geschaffen, das eine hohe Volatilität begünstigt", zitiert CoinDesk den Krypto-Experten Ardern. "Und weil die Tiefe gering ist, braucht es nur einen kleinen Betrag, um den Preis zu beeinflussen, und die daraus resultierende Hedging-Aktivität der Market Maker, um die Marktvolatilität durch Hedging zu verstärken." Die Hedging-Aktivitäten der Market Maker beeinflussen den Bitcoin-Kassamarktpreis und könnten sich derzeit aufgrund der geringen Markttiefe besonders stark auswirken.

Es waren aber gerade auch die Market Maker, die durch die Pleiteserie von FTX, Alameda oder auch Genesis erheblich geschädigt wurden und sich derzeit überwiegend in einer schwachen finanziellen Lage befänden. Kürzlich wurde zudem bekannt, dass auch die kryptofreundliche Holdinggesellschaft Silvergate Capital den Betrieb einstellt.

"Es ist wahrscheinlich, dass alle großen Market Maker in unterschiedlichem Maße vom Zusammenbruch von FTX betroffen waren. Infolgedessen haben mehrere Liquiditätsanbieter ihre Market-Making-Aktivitäten wahrscheinlich zurückgefahren oder sogar eingestellt, um das Risiko zu verringern", erläutert Dick Lo, Gründer und CEO von TDX Strategies. "Es gab auch eine Verlagerung von Positionen zu dezentralen Börsen, um das Kontrahentenrisiko zu minimieren, daher das Wachstum der Volumina an beliebten dezentralen Handelsplätzen wie GMX", zitiert CoinDesk Lo weiter. Demnach dürften sich Anleger nicht allzu sehr wundern, wenn auf die abnehmende Liquidität bald eine erhöhte Volatilität folgen werde. Die derzeitige Flaute am Krypto-Markt sei demzufolge nur die Ruhe vor dem Sturm - ob es bei diesem Sturm aber nach oben oder unten gehen wird, kann niemand mit Gewissheit vorhersagen und hängt von vielen Faktoren ab.

Redaktion finanzen.net

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