Gesetzliches Zahlungsmittel

El Salvadors Bitcoin-Experiment ist wohl ein Verlustgeschäft

27.01.22 22:33 Uhr

El Salvadors Bitcoin-Experiment ist wohl ein Verlustgeschäft | finanzen.net

Die Krypto-Community feiert El Salvadors Präsidenten Nayib Bukele, weil er dafür sorgte, dass der Bitcoin in dem mittelamerikanischen Staat zum gesetzlichen Zahlungsmittel wurde. Doch das umstrittene Experiment könnte dem Land einen Millionenverlust beschert haben.

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• Bitcoin ist gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador
• Kurseinbruch könnte zu Millionenverlust geführt haben
• IWF sieht Risiken bei Kryptowährungen

Das Aufsehen war groß, als im September 2021 in El Salvador ein Gesetz in Kraft trat, das die weltweit beliebteste Digitalwährung Bitcoin zum gesetzlichen Zahlungsmittel machte. Schließlich ist das hochverschuldete El Salvador das erste Land der Welt, das diesen Schritt ging. Seither muss nicht nur jeder Händler Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, wenn er technisch dazu in der Lage ist, auch Steuern können in der Kryptowährung beglichen werden.

Mit diesem Schritt wollte der 40-jährige Nayib Bukele die Abhängigkeit seines Landes von der US-Notenbank reduzieren. Denn da seit 2001 in El Salvador der US-Dollar anstelle einer einheimischen Währung als offizielles Zahlungsmittel genutzt wird, ist man dort auch von der Geldpolitik der US-Notenbank Fed abhängig. Mit dem Bitcoin sollte sich das ändern, schließlich wird die dezentrale Kryptowährung von keiner Zentralbank kontrolliert.

Hinzu kommt, dass viele Bewohner des armen Landes auf Geldsendungen ihrer Angehörigen aus dem Ausland angewiesen sind. Jedoch haben rund 70 Prozent der Einwohner keinen Zugang zu traditionellen Finanzdienstleistungen. In Bezug auf die finanzielle Inklusion bietet der Bitcoin daher Vorteile.

Millionenverlust

Doch die Vorzüge, die der Bitcoin El Salvador bietet, verblassen neben dem Umstand, dass die Digitalwährung heftigen Kursschwankungen unterworfen ist. Dies scheint sich nun auch in der Staatskasse bemerkbar zu machen.

Anlässlich des Inkrafttretens des entsprechenden Gesetzes hatte Nayib Bukele verkündet, das Land habe seine ersten 400 Bitcoin erworben. Es folgten weitere Käufe, sogar im November als der Bitcoin ein Rekordhoch von über 68.000 US-Dollar erreicht hatte. Bislang hat der Staat laut n-tv in insgesamt neun Tranchen 1.801 Bitcoin erworben. Laut eigenen Aussagen tätigte der Staatspräsident die Käufe höchstpersönlich mittels seines Handys.

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Inzwischen hat sich der Bitcoin aber wieder deutlich von seinem Rekordhoch entfernt. Wie n-tv am 24. Januar berichtete, summieren sich die Kursverluste inzwischen auf rund 25 Millionen Dollar. Jedoch soll der Schaden für das Land laut n-tv noch um ein Vielfaches höher sein. So hätten die Bitcoin-Spekulationen nämlich auch dazu geführt, dass El Salvadors Kreditwürdigkeit in den Augen seiner Gläubiger enorm gelitten hat, was wiederum zur Folge hatte, dass die Rendite für salvadorianische Staatsanleihen in die Höhe schnellten. Die dadurch entstehenden Mehrkosten hätten laut dem Sender sogar das Potential, El Salvador in den Bankrott zu treiben.

In einem Tweet räumte selbst Bukele zwischenzeitlich ein, dass er den "Dip" dieses Mal verpasst habe. Bei der Buy-the-Dip-Strategie wird bei tiefen Kursen investiert, weil man darauf setzt, dass die Kurse bald wieder steigen.

IWF fordert Kursänderung

Der International Währungsfonds (IWF) - mit dem das hochverschuldete El Salvador derzeit über ein 1,3-Milliarden-Dollar-Kreditpaket verhandelt - hatte im Herbst vergeblich vor der Einführung des Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel gewarnt. Nun hat die in Washington ansässige UN-Sonderorganisation im Januar anlässlich eines Gespräches zur wirtschaftlichen Lage, wie sie regelmäßig mit Mitgliedsstaaten geführt werden, El Salvador dazu aufgefordert, der Digitalwährung den Status als gesetzliches Zahlungsmittel wieder zu entziehen. Die Experten des IWF sehen hierbei nämlich beträchtliche Risiken - für die Finanzstabilität, die finanzielle Integrität und den Verbraucherschutz sowie die damit verbundenen steuerlichen Eventualverbindlichkeiten.

Medienberichten zufolge hat sich El Salvador in den vergangenen Wochen zwar wieder von einem Teil seiner Bitcoins getrennt. In welchem Umfang man Bitcoin in US-Dollar umgewandelt hat, gab die Regierung nicht bekannt. Doch von der Skepsis der IWF-Experten scheint sich Nayib Bukele nicht beeindrucken zu lassen, denn erst vor wenigen Tagen hat er die Talfahrt des Bitcoin genutzt, um schon wieder in großem Stil zuzukaufen. Wie er in einem Tweet verkündete, hat El Salvador 410 Bitcoin für 15 Millionen Dollar gekauft.

Redaktion finanzen.net

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