Ist der Kryptowinter vorbei? Was Bitwise-Chef Horsley und Ethereum-Mitgründer Lubin erwarten
Zwei Schwergewichte der Kryptobranche erklären den Winter für beendet, uneinig sind sie sich nur darüber, wann er eigentlich zu Ende ging.
Werte in diesem Artikel
- Bitwise-Chef Hunter Horsley erklärt den Kryptowinter für beendet
- Consensys-Chef Joseph Lubin sieht das Tauwetter schon länger am Markt
- Zinswende der Fed und Regulierungslücke bleiben die größten Risiken
Zwei prominente Stimmen der Kryptobranche erklären die Durststrecke am Kryptomarkt für beendet und liefern Anlegern damit einen Anlass, die Lage bei Bitcoin, Ethereum & Co. neu zu bewerten. Am Rande der Konferenz TOKEN2049 in Singapur sagte Hunter Horsley, Chef des Kryptovermögensverwalters Bitwise, gegenüber CNBC, der Kryptowinter sei vorbei. Joseph Lubin, Mitgründer von Ethereum und Chef des MetaMask-Entwicklers Consensys, ging in einem separaten CNBC-Interview noch einen Schritt weiter: Je nach Blickwinkel sei der Winter schon seit geraumer Zeit vorüber.
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Bitwise-Chef sieht die Verkäufer weitgehend aus dem Markt
Horsley begründet seine Einschätzung mit dem Verlauf der Baisse, die Ende 2025 eingesetzt hatte: Sie habe viele Verkäufer bereits aus dem Markt gedrängt. Auf der konstruktiven Seite bauten Institutionen ihre Aktivitäten in der Branche aus, einige Kryptoplattformen wiesen stärkere Nutzungs- und Umsatzzahlen aus, und der Zugang über ETFs und ETPs sei so breit wie nie zuvor. Die Substanz der Branche sei im Verlauf des Jahres 2026 enorm gewachsen, viele Investoren blickten optimistisch nach vorn. Aus dieser Mischung aus weitgehend erschöpften Verkäufern, mehr Substanz und breitem Marktzugang leitet Horsley einen starken Ausblick ab.
„Ich glaube, der Krypto-Winter ist vorbei. Ich glaube, dass sich die Substanz in diesem Bereich im Laufe des Jahres 2026 enorm entwickelt hat. Und ja, ich glaube, viele Anleger blicken optimistisch in die Zukunft“, so Horsley gegenüber CNBC.
Horsley hält ein neues Bitcoin-Rekordhoch 2027 für möglich
Konkret wäre Horsley nicht überrascht, wenn Bitcoin im kommenden Jahr ein neues Rekordhoch erreicht, und das womöglich früher als erwartet. Er betonte allerdings, dass dies nicht die offizielle Hausmeinung von Bitwise sei, und verwies dafür auf Investmentchef Matt Hougan. Zugleich hofft Horsley, dass die Kurse nicht zu schnell steigen: Die aktuelle Phase sei ein günstiges Zeitfenster für Institutionen und Vermögensverwalter, um Positionen aufzubauen. Hougan selbst hatte bereits am 21. September gegenüber CNBC das Ende des Kryptowinters ausgerufen und die Chance auf die stärkste und längste Hausse der Kryptogeschichte skizziert.
Wie weit der Weg bis zum Rekord noch ist, zeigt der Blick auf den jüngsten Bitcoin-Kurs. Ihr bisheriges Rekordhoch markierte die älteste Kryptowährung im Oktober 2025 bei über 126.000 US-Dollar. Mit gut 81.000 US-Dollar liegt Bitcoin rund 35,6 Prozent darunter.
Lubin setzt auf Ethereum als Abwicklungsschicht
Lubin, der seine Sicht bei CNBC darlegte, stützt seinen Optimismus vor allem auf die institutionelle Seite. Ethereum werde dort zunehmend als glaubwürdig neutrale, zensurresistente Abwicklungsschicht anerkannt. Als Plattform für Smart Contracts der nächsten Wirtschaftsgeneration habe das Netzwerk seine Kategorie bereits gewonnen. Die Entwicklungen bei Stablecoins und tokenisierten Realwerten zeigten zudem, dass digitale Vermögenswerte allmählich in die dezentrale Finanzwelt (DeFi) vordringen würden.
Zinsen und Regulierung bleiben die Bremsklötze
Gegenwind kommt hingegen aus Washington. So scheiterte der CLARITY Act, das geplante Gesetz zur Marktstruktur für Kryptowerte, Mitte September im US-Senat an einer Verfahrensabstimmung mit 49 zu 50 Stimmen, nötig gewesen wären 60. Beide Manager geben sich gelassen: Horsley sieht keine Partner oder Kunden, die auf das Gesetz warten. Lubin erwartet, dass die Börsenaufsicht SEC und die Terminmarktaufsicht CFTC über eigene Regelsetzung und sogenannte No-Action-Letters für Klarheit sorgen. Behördliche Regeln bieten allerdings weniger Bestandsschutz als ein vom Kongress verabschiedetes Gesetz und können unter einer anderen Führung wieder geändert werden.
Das zweite Risiko ist die Geldpolitik. Die US-Notenbank Fed hat ihren Leitzins am 16. September um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, die erste Erhöhung seit Juli 2023. Steigende Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten für Anlagen ohne laufenden Ertrag wie Bitcoin und können damit genau den Positionsaufbau institutioneller Investoren bremsen, auf den Horsley setzt.
Martina Köhler, Redaktion Finanzen.net
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