Wackelige Waffenruhe im Iran: Straße von Hormus wieder dicht - Israel kündigt Gesprächen mit Libanon an - Euro steigt

Der Euro hat am Donnerstag seinen Vorsprung aus dem europäischen Handel im US-Geschäft leicht ausgebaut.
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Zuletzt wurde die europäische Gemeinschaftswährung Euro bei 1,1700 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1685 (Mittwoch: 1,1706) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8557 (0,8542) Euro gekostet. Israel plant offiziellen Angaben zufolge, direkte Verhandlungen über friedliche Beziehungen mit dem verfeindeten Libanon aufzunehmen. Die Verhandlungen sollen israelischen Medien zufolge bereits nächste Woche beginnen.
Am Mittwoch war die Gemeinschaftswährung nach der Verkündigung der Waffenruhe zeitweise um einen Cent und über die Marke von 1,17 Dollar geklettert.
Kurz nach der Verkündigung der Waffenruhe im Iran-Krieg werden deren Grundlagen zunehmend infrage gestellt. Belastet wird die Vereinbarung dadurch, dass Israel weiterhin militärisch gegen den Libanon und die vom Iran unterstützte Hisbollah vorgeht. Teheran wiederum besteht darauf, die Urananreicherung fortzusetzen, was den Interessen Israels und der USA zuwiderläuft. Kontroversen gibt es zudem um die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr.
Expertin Antje Praefcke von der Commerzbank geht nicht davon aus, dass der Irankonflikt bald beendet wird. Einige Bedingungen im Waffenstillstand schienen auf erste Sicht wenig vertrauenerweckend - etwa der "Wegezoll" von zwei Millionen Dollar für eine Fahrt durch die Straße von Hormus. "Außerdem kennen wir mittlerweile den US-Präsidenten und die Unwägbarkeiten seiner Handlungen". Sie erwartet daher nicht, dass die Ölpreise schnell in Richtung des Vorkriegsniveaus fallen werden. Die gestiegenen Preise hatten den Dollar zuletzt gestützt. Schließlich verfügen die USA über große Ölvorkommen. Zudem wurde der Dollar als Weltleitwährung gesucht. Der Euro profitierte daher am Mittwoch von der Hoffnung auf eine nachhaltige Befriedung.
Die am Nachmittag veröffentlichten Konjunkturdaten aus den USA bewegten den Devisenmarkt nicht nachhaltig. Die Daten fielen überwiegend enttäuschend aus. So sind die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stärker gestiegen als erwartet. Die Einkommen und Ausgaben der privaten Haushalte blieben im Februar hinter den Erwartungen zurück. Zudem ist die US-Wirtschaft im dritten Quartal weniger gewachsen als erwartet.
Iran droht Israel mit harter Reaktion
Irans Parlamentspräsident hat nach den verheerenden israelischen Angriffen im Libanon mit einer entschiedenen Reaktion gedroht. "Verstöße gegen die Waffenruhe haben konkrete Konsequenzen und ziehen STARKE Reaktionen nach sich. Löschen Sie das Feuer sofort", schrieb Mohammed-Bagher Ghalibaf auf X.
Ghalibaf verwies dabei auch auf Worte von Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif, der die Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran in der Nacht zu Mittwoch ebenfalls verkündet hatte. In seiner Mitteilung war auch explizit die Rede vom Libanon. Pakistan hatte zwischen den Kriegsparteien vermittelt. Am Freitag oder Samstag sollen in Islamabad Friedensverhandlungen beginnen.
Ähnlich äußerte sich auch Irans Präsident Massud Peseschkian. Israels Angriffe seien "ein klarer Verstoß", schrieb der Präsident auf X. "Dies ist ein gefährliches Zeichen von Täuschung und mangelnder Einhaltung möglicher Vereinbarungen", fügte er hinzu. "Unsere Hände bleiben am Abzug. Der Iran wird seine libanesischen Schwestern und Brüder niemals allein lassen."
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte verkündet, die Angriffe im Libanon fortführen zu wollen. Bei den Bombardierungen in dem Mittelmeerland wurden seit Mittwoch mehr als 200 Menschen getötet. Die Schiitenorganisation Hisbollah im Libanon ist der wichtigste nichtstaatliche Verbündete der iranischen Führung.
Trump: Iran muss Abkommen einhalten, US-Militär bleibt schussbereit
US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit einer neuen militärischen Eskalation gedroht, falls Teheran sich nicht komplett an das Waffenruheabkommen halten sollte. Die Schiffe, Flugzeuge und Soldaten des US-Militärs würden, gegebenenfalls auch mit zusätzlicher Ausrüstung, rund um den Iran stationiert bleiben, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Dies gelte, bis das "erzielte WIRKLICHE ABKOMMEN vollständig eingehalten wird". Es werde alles bereitgehalten, was für die "Vernichtung" eines bereits geschwächten Gegners notwendig sei, schrieb er weiter.
Sollte dies nicht geschehen, werde es zu deutlich stärkeren militärischen Maßnahmen kommen. Dann beginne das "Schießen" - "größer, besser und stärker" als je zuvor, warnte Trump. Er bezeichnete dieses Szenario gleichzeitig als "höchst unwahrscheinlich".
Die befristete zweiwöchige Waffenruhe soll den Konfliktparteien Zeit geben, ein umfassendes Abkommen für eine Beilegung des Konflikts auszuhandeln. Trump wiederholte in seinem Post zentrale Forderungen der USA: Der Iran dürfe keine Atomwaffen haben, zudem müsse die Straße von Hormus "offen und sicher" sein. Trump erklärte zudem, das US-Militär rüste weiter auf und freue sich bereits auf eine "auf seine nächste Eroberung".
Medienberichten zufolge haben lediglich zwei Tanker die Meerenge durchquert, bevor die Durchfahrt wieder geschlossen wurde.
Europäer fordern freie Schifffahrt durch Straße von Hormus
Die vom Iran zugesagte Öffnung der Straße von Hormus wird von europäischen Regierungen immer lauter eingefordert. Von Teheran ins Spiel gebrachte Gebühren für die Passage werden entschieden abgelehnt. "Das ist nicht akzeptabel", sagte Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni forderte im Parlament eine Rückkehr zu den Bedingungen vor dem Iran-Krieg. Auch die Bundesregierung hatte zuvor darauf bestanden, dass die Durchfahrt gebührenfrei sein müsse.
Die Marine der iranischen Revolutionsgarden warnte vor Seeminen in der Straße von Hormus. Sie publizierte am späten Mittwochabend (Ortszeit) eine Karte, auf der eine Gefahrenzone in den gewöhnlichen Schifffahrtswegen der Meerenge verzeichnet ist. Es werde allen Schiffen dazu geraten, eine Route weiter nördlich zu nutzen.
Massive Kritik an Israel wegen der Angriffe im Libanon
Israel steht wegen des großen Luftschlags gegen den Libanon massiv in der Kritik. Die EU-Kommission verurteilte den Angriff "aufs Schärfste", wie ein Sprecher sagte. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, nannte das Ausmaß der Tötungen und Zerstörungen im Libanon "schlichtweg entsetzlich". Die britische Außenministerin Yvette Cooper zeigte sich "zutiefst besorgt". China forderte die Beteiligten zu Zurückhaltung auf.
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betonte jedoch, die Waffenruhe sei "nicht das Ende des Kampfes". Israel habe noch nicht alle Ziele erreicht. Entweder gebe es eine Einigung oder eine Wiederaufnahme der Kämpfe. Man habe weiter den "Finger am Abzug".
Melanie Schürmann, Evelyn Schmal, Martina Köhler, Bettina Schneider, Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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