Daimler: Wie tief der Premium-Primus im Diesel-Desaster drinsteckt
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Der Autokonzern rutscht tiefer in den Dieselsumpf, in mehreren Mercedes-Modellen soll es Abschaltvorrichtungen geben. Wieso die Stuttgarter trotzdem glimpflicher davonkommen dürften als VW.
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von Floriana Hofmann, €uro am Sonntag
Dieter Zetsche lächelte tapfer, dabei hat der Daimler-Chef dieser Tage kaum einen Grund zur Freude. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) zitierte ihn nach Berlin und verlangte Informationen zu neuen Vorwürfen im Abgasskandal. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), das dem Ministerium unterstellt ist, hatte den Rückruf von weltweit rund 4900 Modellen des Mercedes-Vans Vito mit 1,6-Liter-Dieselmotor der Schadstoffklasse 6 angeordnet. Der Vorwurf: Es sei eine unzulässige Abschalteinrichtung der Abgasreinigung eingebaut, die im Fahrbetrieb zu erhöhten Stickoxidemissionen führen könne. Der Stuttgarter Autobauer weist das zurück.
Nachgerüstet müssen die Autos wohl trotzdem werden - wahrscheinlich per Softwareupdate. Das dürfte Daimler einen niedrigen Millionenbetrag kosten, sagt Jürgen Pieper, Automobilanalyst beim Bankhaus Metzler - bei einem operativen Jahresergebnis von 14 Milliarden Euro eine eher kleine Summe.
Da kommt noch was
Mit dem aktuellen Rückruf dürfte das Thema jedoch noch nicht durch sein. Medienberichten zufolge könnten auch Hunderttausende Fahrzeuge der C- und G-Klasse betroffen sein. Die Ermittlungen seien Presseberichten zufolge womöglich auf weitere Motoren ausgeweitet worden. In diese Modelle sei ein vergleichbarer Motor wie im Vito verbaut, schrieb "Der Spiegel". Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, werde das 50 Millionen, eventuell sogar bis zu 100 Millionen Euro kosten, so Pieper. Aber: "Auch das wäre keine wirklich große Belastung für Daimler", so der Analyst.
Der Autobauer wird das wohl aus seinen Rückstellungen für rechtliche Risiken bezahlen. In diesen Topf befanden sich 2017 knapp 14 Milliarden Euro, 2,1 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Pieper erwartet, dass Daimler die Rückstellungen nicht aufstocken muss.
Den Autobauer Volkswagen, bei dem der Abgasskandal im September 2015 seinen Anfang nahm, kosteten die Dieselmanipulationen bisher über 25 Milliarden Euro, der Großteil entfiel auf Strafen in den USA. Auch gegen Daimler ermitteln US-Behörden. Sollte es zur Klage kommen, könnte das die Stuttgarter zwei bis drei Milliarden Euro kosten, schätzt Pieper.
Das Dieseldesaster dürfte Daimler nach jetzigem Stand also kaum die Bilanz ruinieren. Das Image aber ist dennoch angekratzt. Auch deshalb haben die Schwaben bereits angekündigt, Widerspruch gegen den Vito-Rückruf des KBA einzulegen. Es könnte zu einem langen Rechtsstreit kommen.
Der Dieseldunst belastet inzwischen den Aktienkurs deutlich. Besonders sauer stößt Aktionären auf, dass bei der Aufklärung kein Ende in Sicht ist. "Das ist nicht mehr akzeptabel", sagt Pieper. Selbst bei den heute gebauten Autos sei nicht sicher, ob sie wirklich sauber sind - und das fast drei Jahre nach Beginn des Dieselskandals. Damals hatte Daimler-Chef Zetsche persönlich betont, dass es bei Mercedes keine illegale Abschalteinrichtung gebe und man weder manipuliert noch betrogen habe.
Zetsches Wort von damals steht, sein Vertrag läuft bis Ende 2019. Personelle Konsequenzen auf Vorstandsebene - wie im September 2015 bei VW, als Ex-Chef Martin Winterkorn kurz nach Bekanntwerden des Abgasskandals zurücktrat - sind bei Daimler bislang nicht absehbar. "Da muss man zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten", sagt Nord/LB-Analyst Frank Schwope.
Bis Vertragsende bleibt für Zetsche noch einiges zu tun. Er will seinen Fokus weniger auf die Vergangenheit, den Diesel, als auf die Entwicklung neuer Technologien legen. Das scheint dringend notwendig: In Hamburg traten vergangenen Donnerstag erstmals Fahrverbote für Dieselfahrzeuge auf zwei Straßenabschnitten in Kraft.
Dank Zetsches Erfolgen und der hohen Gewinne der vergangenen Jahre ist der Konzern gut gerüstet für anstehenden Investitionen, etwa in die E-Mobilität. Unter der Marke EQ will Daimler 2019 sein erstes komplett elektrisches Auto auf die Straße bringen. Bis Ende 2019 dürften die Ausgaben noch belasten. Von 2020 oder 2021 an sollen sich die neuen Technologien aber im Ergebnis positiv niederschlagen - wohl sehr zur Freude von Zetsches Nachfolger.
Fazit: Auf Kundenseite ist trotz des Dieselskandals bislang wenig Verunsicherung zu spüren. Der Absatz läuft, die Gewinne sprudeln in Stuttgart. Schub kommt auch vom derzeit wieder schwächeren Euro und vom Geschäft in China. Die Aktie ist überdies niedrig bewertet und lockt mit hoher Dividende. Für dunkle Wolken am Horizont sorgen jedoch die von US-Präsident Donald Trump angedrohten höheren Zölle auf Importautos. Die Dieselkrise schafft zusätzliche Unsicherheit. Abwarten.
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