Dieser unbekannte Deutsche ist der größte Privataktionär der Schweizerischen Notenbank
Ein unbekannter deutscher Ex-Manager und ehemaliger Honorarprofessor ist gegenwärtig der größte Privatinvestor der SNB. Doch welches Interesse verfolgt der Unternehmer und inwieweit lohnen sich die Anteilsscheine der Schweizer Gelddruckmaschine?
Werte in diesem Artikel
• Theo Siegert hält 5,25 Prozent an der SNB
• Geringer Börsenwert trotz Milliardengewinn
• SNB-Erträge werden an den Staat abgeführt
Neben der Schweizerischen Nationalbank weist wohl kaum eine öffentlich gehandelte Aktiengesellschaft solch eine hohe Abweichung zwischen der Marktkapitalisierung und dem Gewinn auf. Denn in den ersten drei Quartalen des Jahres 2019 erzielte das Schweizer Geldinstitut einen Gewinn in Höhe von insgesamt 51,5 Milliarden Franken, die Marktkapitalisierung der Bank liegt jedoch gerade einmal bei 554 Millionen Franken. Da es sich bei der SNB aber um eine Nationalbank handelt, welche laut der Schweizer Verfassung vom Gesamtinteresse des Landes geleitet werden soll, profitieren die Aktionäre der Bank nur bedingt von den fulminanten Erträgen.
Eine Aktie mit einigen Besonderheiten
Die Schweizerische Notenbank, welche als unabhängige Zentralbank die Währungs- und Geldpolitik der Eidgenossenschaft verantwortet, ist in Form einer spezialrechtlichen Aktiengesellschaft geführt. Diese bedeutet, dass beispielsweise die Stimmrechte der Aktionäre, egal wie hoch die gehaltenen Positionen ausfallen, auf maximal 100 Stimmen beschränkt sind. Des Weiteren werden die Milliardengewinne der Bank nicht an die Aktionäre ausgeschüttet, sondern an den Schweizer Staat abgeführt. Die Aktionäre erhalten lediglich Jahr für Jahr eine Dividende von 15 Franken je Anteilsschein. Bei einem gegenwärtigen Aktienkurs von 5.540 CHF entspricht dies einer sehr dürftigen Dividendenrendite in Höhe von 0,27 Prozent. Da es nur 100.000 der SNB-Aktien gibt, liegt somit auch die gesamte Gewinnausschüttung nur bei 1,5 Millionen Franken pro Jahr.
Ehemaliger LMU-Professor hält 5.240 SNB-Papiere
All diese sehr ungewöhnlichen Einschränkungen haben den deutschen Ex-Manager und Familienunternehmer Prof. Dr. Theo Siegert jedoch nicht davon abgehalten, größter Privataktionär der SNB zu werden. Denn der aus einem alten Düsseldorfer Handelshaus stammende Theo Sieger, welcher mehrere Jahre als Honorarprozessor an der LMU München gelernt hat, besitzt laut dem jüngsten Geschäftsbericht der Schweizerischen Nationalbank 5.240 SNB-Aktien und somit 5,24 Prozent der 100.000 Anteilsscheine. Weitere Großaktionäre der Bank sind die öffentlich-rechtlichen Schweizer Kantone Bern, Zürich, Waadt und St. Gallen, welche auf eine Beteiligungsquote von 6,63, 5,20, 3,40 und 3,00 Prozent kommen.
Vom Handelskonzern zum Family Office
Theo Siegert, der unter anderem Aufsichtsrats-Mandate bei E.ON, Henkel und Merck innehat, war viele Jahre beim Family-Equity-Unternehmen Haniel tätig und übernahm - nach dem Tod des Vaters Friedrich Siegert im Jahr 1993 - auch die Position des geschäftsführenden Gesellschafters im eigenen Familienbetrieb de Haen-Carstanjen & Söhne in Düsseldorf. Theo Siegert formte aus dem elterlichen Handelsunternehmen, welches unter anderem in der Lebensmittelindustrie und der chemischen Industrie tätig war und sogar 50 Jahre im Besitz des Henkel-Konzerns lag, ein klassisches Family Office, welches sich seit dem Jahr 2004 um das Familienvermögens kümmert.
Auch wenn es sich bei der Schweizerischen Nationalbank um eine spezialrechtliche Aktiengesellschaft handelt, dürfte Theo Siegert in den vergangenen Jahren erhebliche Buchgewinne erzielt haben. Allein in den zurückliegenden 36 Monaten kletterten die Papiere um über 250 Prozent. Für Siegert dürfte sich so, allein in diesem Zeitraum, ein Buchgewinn von weit über 20 Millionen Franken ergeben haben, zuzüglich einer jährlichen Dividende in Höhe von mindestens 83.100 CHF.
Spekulation auf Abfindungsangebot der Eidgenossenschaft
Diesen ansehnlichen Buchgewinn könnte Siegert jedoch nur mit einem erheblichen Abschlag realisieren, da er mit dem Verkauf seines Aktienpaketes den Kurs der sehr illiquiden SNB-Aktie komplett in den Keller reißen würde. Dementsprechend gehen einige Experten davon aus, dass Theo Siegert gezielt darauf spekuliert, dass er im Falle eines Delisting der Schweizerischen Nationalbank, ein ordentliches Abfindungsangebot der Eidgenossenschaft kassieren kann.
Ein solches Szenario ist dabei nicht so unwahrscheinlich, wie es im ersten Moment klingt. Denn im Jahr 2000 ereignete sich in der Schweiz schon ein ähnlicher Fall. Damals wurden die letzten verbliebenen Privataktionäre der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mit einem Abfindungsangebot belohnt, welches rund 95 Prozent über dem damaligen Börsenpreis lag.
Liquiditätsproblem wird zum Risiko für Kleinanleger
Dass sich auch die Schweizer Notenbank in absehbarer Zeit vom Börsenparkett verabschieden wird, ist derzeit allerdings noch nicht absehbar. Aufgrund der geringen Stückzahl bzw. Liquidität eigen sich die SNB-Papiere, trotz der Abfindungsphantasie, dennoch nur für risikoaffine Investoren. Denn sollte sich Theo Siegert eines Tages von einigen seiner Anteilsscheine trennen, dürfte der Aktienkurs sicherlich unter Druck kommen.
Pierre Bonnet / finanzen.net
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