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27.03.26 13:12 Uhr

Von Alu bis Öl: Nahost-Konflikt löst globalen Rohstoffschock aus

Mainz (ots) - Vier Wochen nach Beginn der amerikanisch-israelischen Offensive

gegen den Iran sorgen anhaltende Störungen der Rohstoffversorgung über die

Straße von Hormus weiterhin für massive Preisschwankungen. Besonders stark unter

Druck stehen derzeit die Märkte für Öl und Gas, Düngemittel, petrochemische

Derivate sowie Aluminium.

Die Angriffe auf den Industriekomplex Ras Laffan in Katar haben die

Energiemärkte erneut in Aufruhr versetzt. Brent-Öl erreichte vergangene Woche

einen Höchststand von 119 US-Dollar und verteuerte sich damit innerhalb eines

Monats um 50 Prozent. Die Preisentwicklung verläuft jedoch sehr unterschiedlich:

Rohöl aus dem Oman überschritt die Marke von 160 US-Dollar pro Barrel, während

die US-Sorte WTI bei rund 100 US-Dollar pro Barrel verharrte.

"Mit zunehmender Dauer des Konflikts weiten sich die Preissteigerungen entlang

der gesamten Wertschöpfungskette aus", sagt Simon Lacoume. So erreichten die

Preise für reguläres Benzin in den USA ein historisches Hoch von 3,96 US-Dollar

pro Gallone, ein Anstieg um 35 Prozent innerhalb eines Monats. In Asien haben

sich die Dieselpreise in Singapur seit Beginn des Konflikts nahezu verdreifacht

und liegen bei 256 US-Dollar pro Barrel, während sich die globalen Kerosinpreise

laut International Air Transport Association (IATA) verdoppelt haben.

Globale Gaskrise verschärft sich

Auch die Erdgaspreise steigen: In Europa kletterten die Preise für Gas-Futures

am niederländischen TTF-Gasmarkt binnen eines Monats um 85 Prozent auf 55 Euro

pro Megawattstunde. Der asiatische LNG-Preisindex Japan/Korea Marker (JKM) hat

sich im gleichen Zeitraum ebenfalls verdoppelt und verdeutlicht die anhaltende

Verwundbarkeit importabhängiger Märkte. Im Vergleich dazu erscheint der US-Markt

zwar weniger anfällig für Versorgungsunterbrechungen - doch auch dort stehen die

Preise unter erheblichem Druck. Der Henry Hub Index, maßgeblicher Referenzpreis

für US-Erdgas, legte um 36 Prozent im Monatsvergleich zu.

Naphtha +60%: Petrochemie mit kritischen Engpässen

Die Petrochemie ist ein zentraler Baustein der Weltwirtschaft, von Kunststoffen

über Textilien bis hin zu Hightech-Materialien. Die Golfstaaten sind Asiens

wichtigster Lieferant für petrochemische Produkte. Eine Tonne Naphtha kostet in

Singapur inzwischen 1.000 US-Dollar, was einem Anstieg von mehr als 60 Prozent

seit Beginn des Konflikts entspricht. Die Kombination aus der angespannten Lage

in der Straße von Hormus und historisch niedrigen asiatischen Lagerbeständen von

nur zwei bis drei Wochen hat die Preise für Polymere wie Polypropylen,

Polyethylen, Polystyrol und PVC deutlich nach oben getrieben.

Auch der Markt für Schwefel, zentraler Rohstoff für die Aufbereitung von Kupfer-

und Nickelerzen, ist betroffen. Ein Preisanstieg von 25 Prozent innerhalb eines

Monats setzt große, stark abhängige Produzenten wie Chile, die Demokratische

Republik Kongo und Indonesien unter erheblichen Druck.

Trotz "günstigem" Agrarkalender: Auch Dünger wird teurer

Dank niedriger Energiepreise spielen die Golfstaaten eine Schlüsselrolle im

globalen Düngemittelmarkt. Sie stehen für rund 19 Prozent der weltweiten Exporte

von Stickstoffdüngern und für 36 Prozent des globalen Harnstoffvolumens.

Saudi-Arabien zählt außerdem zu den größten Phosphatexporteuren. Da Erdgas bis

zu 80 Prozent der Produktionskosten von Stickstoffdüngern ausmacht, führt der

sprunghafte Gaspreisanstieg automatisch zu höheren Düngemittelpreisen. Der Preis

für eine Tonne granulierten Harnstoff, produziert im Nahen Osten, stieg seit

Beginn des Konflikts um 37 Prozent auf 665 US-Dollar.

"Die Auswirkungen bleiben bislang vor allem wegen des günstigen Zeitpunkts im

Agrarkalender begrenzt. Momentan scheinen lediglich US-Getreideproduzenten

betroffen zu sein. Sollten die Störungen jedoch anhalten, wären zu einem

späteren Zeitpunkt auch Brasilien, Indien und sogar Europa deutlich stärker

gefährdet", erklärt Simon Lacoume.

Aluminiumpreise steigen weltweit

Durch die Hormus-Blockade können die Golfstaaten, die acht Prozent der

weltweiten Aluminiumproduktion ausmachen, weder ihr Aluminium exportieren noch

die für ihre Schmelzen benötigten Rohstoffe wie Bauxit und Tonerde importieren.

Am 16. März kündigte Aluminium Bahrain, das ein Viertel der regionalen

Aluminiumproduktion verantwortet, die Stilllegung von 19 Prozent seiner

Produktionskapazität an. Dies entspricht fünf Prozent der gesamten

Aluminiumproduktion der Region.

Der Schock greift inzwischen weit über die Region hinaus: In Mosambik stellte

der Mozal-Konzern seine Aktivitäten ein und verwies dabei auf untragbar hohe

Energiekosten. Vor diesem Hintergrund steigen die Aluminiumpreise weiter an. Im

Monatsvergleich erhöhten sie sich um 11,5 Prozent und erreichten am 12. März

einen Spitzenwert von 3.500 US-Dollar pro Tonne - ein Anstieg von fast 25

Prozent im Jahresverlauf.

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