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Mehr Elektrifizierung in Europa durch Energiekrise?

21.05.26 15:35 Uhr

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Mehr Elektrifizierung in Europa durch Energiekrise? | finanzen.net

Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 könnte eine zweite Energiekrise innerhalb von fünf Jahren, ausgelöst durch den Krieg mit Iran, laut Goldman Sachs Research den Wandel Europas hin zur Elektrifizierung und die Abkehr von fossilen Brennstoffen beschleunigen.

Die zunehmende Elektrifizierung sowie der steigende Energiebedarf im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) werden den Strombedarf in den Jahren 2026 und 2027 voraussichtlich um 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr ansteigen lassen, bevor sich das Wachstum bis zum Ende des Jahrzehnts auf 2 bis 4 Prozent pro Jahr beschleunigt, schreibt Alberto Gandolfi, Leiter des European Utilities Research Teams, in einem Bericht. In einem möglichen "Hyperelektrifizierungsszenario" könnte ab 2030 das Wachstum des Strombedarfs 5 Prozent pro Jahr erreichen. Es wird erwartet, dass die Versorgungsunternehmen im Mittelpunkt dieses Wandels stehen werden.

Strom (aus erneuerbaren Energien sowie Kernkraft) macht etwa 20 Prozent des europäischen Energieverbrauchs aus, während fossile Brennstoffe (Öl, Gas, Kohle) die restlichen 80 Prozent liefern. Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge könnte sich der Anteil von Strom am Energiemix bis 2050 mehr als verdoppeln. "Die Notwendigkeit, die Energiesicherheit zu stärken, könnte die Elektrifizierungsziele beschleunigen und dem Stromverbrauch zusätzlichen Rückenwind verleihen", schreibt Gandolfi.

Wie verändert Europa seine Strominfrastruktur?

Höhere Investitionen in Stromerzeugungskapazitäten und in die Elektrifizierungsinfrastruktur würden laut Schätzungen von Goldman Sachs Research die Energiesicherheit des Kontinents stärken und dazu beitragen, die Strompreise in Schach zu halten. Sie würden sich zukünftig zudem in einem stärkeren organischen Gewinnwachstum für Versorgungsunternehmen niederschlagen. "Ein starker Strombedarf und steigende Investitionen in die Elektrifizierung dürften einen Gewinn-Superzyklus für Energieversorger begünstigen", schreibt Gandolfi.

Wie wirkt sich der Krieg im Iran auf die Energiepreise in Europa aus?

Die Art der Versorgungsunterbrechung, die vom Nahen Osten ausgeht, unterscheidet sich von der, mit der Europa zu Beginn des Ukrainekriegs im Jahr 2022 konfrontiert war. Vor diesem Konflikt deckte Russland 35 bis 40 Prozent des europäischen Erdgasbedarfs. Dieser Anteil sank 2023 auf nur noch 10 Prozent, was zu einem deutlichen Anstieg der Preise für Flüssigerdgas (LNG) in der Region führte. "Was die Gaspreise angeht, war dies eine besonders schwere Krise für Europa", schreibt Gandolfi.

"Obwohl die aktuelle Energiekrise globaler Natur ist, scheint Europa in Bezug auf Gas weniger betroffen zu sein", fügt er hinzu. Nur etwa 12 Prozent des europäischen Gasverbrauchs im Jahr 2024 stammten aus Qatar und wurden über die Straße von Hormus transportiert, verglichen mit 17 Prozent weltweit. Bei Öl ist die Energiekrise jedoch viel ausgeprägter. Das vom Krieg betroffene Gebiet liefert etwa 30 Prozent der täglichen weltweiten Ölversorgung.

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Bildquellen: Goldman Sachs