Friedenshoffnungen

Nahost-Konflikt: US-Regierung legt wohl 15-Punkte-Plan vor - Iran dementiert

25.03.26 14:19 Uhr

Iran-Konflikt vor der Wende: Spekulationen um Deal treiben die Diplomatie an - Iran weist Verhandlungen zurück | finanzen.net

Diplomatischer Kraftakt im Nahen Osten: Trotz Berichten über Verhandlungen unter Vermittlung Pakistans weist Irans Militärführung jegliche Deals mit der Trump-Regierung scharf zurück.

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Die USA und der Iran stehen Sicherheitskreisen zufolge über ein mögliches Kriegsende in Kontakt. In dieser Woche seien zwischen beiden Konfliktparteien bereits zweimal Vorschläge übermittelt worden, hieß es aus pakistanischen Sicherheitskreisen. Auch Ägypten sei in Bemühungen involviert, den Krieg zu beenden.

In dem 15 Punkte umfassenden Plan zur Beendigung des Iran-Kriegs werde unter anderem diskutiert, wie künftig der Schiffsverkehr in der für den weltweiten Ölhandel wichtigen Straße von Hormus geregelt wird. Ein Vorschlag ist demnach eine gemeinsame maritime Einsatzgruppe durch die USA, den Iran, Pakistan und einige Golfstaaten.

Die meisten Punkte adressieren laut einer gut informierten Quelle jedoch das umstrittene iranische Atomprogramm. Bereits vor dem Krieg hatten der Iran und die USA darüber ohne konkrete Ergebnisse verhandelt. Auch die Aufhebung der internationalen Sanktionen und der Wiederaufbau des Irans seien Themen.

US-Medien hatten zuvor über den Plan berichtet, der Irans Führung für ein Ende des Kriegs große Zugeständnisse abverlangen soll. Pakistan gilt als möglicher Gastgeber, sollte es zu neuen Gesprächen zwischen Vertretern aus Teheran und Washington kommen. Offiziell dementiert Irans politische und militärische Führung jegliche Art von Verhandlungen mit den USA.

Iran: Es wird keinen Deal mit den USA geben

Irans Militärführung wies diese Darstellung am Morgen zurück - und kritisierte die USA scharf. "Eure (eigenen) Konflikte haben die Stufe erreicht, dass ihr mit euch selbst verhandelt", sagte der Sprecher des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija. "Weder werdet ihr in der Region investieren können, noch werdet ihr die früheren Preise für Energie und Öl wiedersehen", sagte er. Man werde sich nicht mit der US-Regierung arrangieren. "Weder jetzt noch irgendwann sonst."

Die widersprüchlichen Aussagen - Zuversicht aus den USA und heftige Dementis aus dem Iran - ließen sich zunächst nicht auflösen. Klar ist aber: Eine schnelle Einigung auf eine Waffenruhe scheint eher unrealistisch. Der Iran ist keineswegs besiegt, sondern weiter imstande, Israel wie auch die Staaten im Persischen Golf anzugreifen und die Straße von Hormus zu blockieren. Teheran dürfte daher die Forderungen des 15-Punkte-Plans kaum erfüllen wollen.

Iran kontert mit eigenen Maximalforderungen

Das "Wall Street Journal" berichtete zudem über eine Antwort der Iranischen Revolutionsgarden auf den US-Vorstoß, die wiederum zahlreiche Forderungen umfassen soll, denen Washington kaum nachkommen dürfte - darunter etwa die Räumung aller US-Militärstützpunkte rund um den Persischen Golf sowie ein neues System, das es dem Iran erlauben würde, von Schiffen für die Fahrt durch die Straße von Hormus eine Mautgebühr zu kassieren.

Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist von großer strategischer Bedeutung, nicht nur für den Transport von Öl und Flüssiggas. Aktuell ist der Schiffsverkehr wegen iranischer Angriffe und Drohungen praktisch zum Erliegen gekommen, weswegen Öl- und Gaspreise seit Kriegsbeginn vor gut dreieinhalb Wochen stark gestiegen sind.

Was genau fordern die USA?

Die USA fordern in ihrem 15-Punkte-Plan dem Vernehmen nach unter anderem die Zerstörung wichtiger Anlagen des iranischen Atomprogramms, einen Stopp der Urananreicherung und der Herstellung ballistischer Raketen sowie eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus. Zudem solle der Iran seinen Bestand an bereits angereichertem Uran abgeben - und damit Befürchtungen entkräften, die Ajatollahs in Teheran könnten eines Tages Atomwaffen in ihre Hände bekommen. Im Gegenzug sollen die harten Sanktionen gegen den Iran gelockert werden, wie etwa das "Wall Street Journal" berichtete.

"Axios" berichtete, der US-Sondergesandte Steve Witkoff habe Trump gesagt, die Iraner hätten bei mehreren zentralen Punkten zugestimmt - unter anderem seien sie bereit, ihre Bestände an angereichertem Uran aufzugeben.

Die Medienberichte unter Berufung auf informierte US-Beamte ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Zudem blieb offen, wie Israel als wichtige Kriegspartei und Waffenpartner der USA zu einem möglichen Waffenruheabkommen mit dem Erzfeind steht.

Pentagon verlegt Luftlande-Kräfte in Nahen Osten

Das US-Verteidigungsministerium ordnete der "Washington Post" zufolge die Verlegung von rund 3.000 Soldaten der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten an. Die "New York Times" hingegen sprach von rund 2.000 Soldaten. Die US-Spezialkräfte können über feindlichem Gebiet mit Fallschirmen abspringen und wären als Speerspitze eines möglichen Bodeneinsatzes denkbar.

Zwar soll es noch keine Entscheidung darüber geben, ob im Iran tatsächlich Bodentruppen eingesetzt werden. Die Verlegung der Soldaten eröffne Trump aber in jedem Fall zusätzliche Handlungsmöglichkeiten, befand das "Wall Street Journal".

Schon länger gibt es auch im Zusammenhang mit der Verlegung von US-Marineinfanteristen Spekulationen, dass Trump die Truppen einsetzen könnte, um den wichtigsten Ölexport-Hafen des Irans auf der Insel Charg im Persischen Golf einzunehmen. Diesen Hebel könnten die USA als Druckmittel gegen den Iran einsetzen, so die Logik. In dem Fall könnte Teheran aber selbst praktisch kein Öl mehr exportieren - und dürfte entsprechend wenig Interesse an einer Öffnung der Straße von Hormus haben. Wirtschaftlich wäre ein Verlust der Exporte über die Insel Charg für den Iran allerdings verheerend.

Treibstofflager am Flughafen Kuwait in Brand

Der Iran setzte unterdessen mit Raketen und Drohnen seine Angriffe auf Ziele in den Staaten des Persischen Golfs fort. Teheran betrachtet diese arabischen Staaten als US-Verbündete und sieht sie daher als legitime Ziele.

Am internationalen Flughafen von Kuwait wurde bei einem Drohnenangriff in der Nacht ein Treibstofflager getroffen und geriet in Brand. Ersten Erkenntnissen zufolge habe sich der Schaden aber in Grenzen gehalten und es gebe keine Verletzten, teilte die Regierung mit. Dem Militär zufolge wehrte die Luftabwehr in der Nacht feindliche Drohnen und Raketen ab.

Die Luftabwehr in Saudi-Arabien fing in der Nacht ebenfalls zahlreiche Drohnen ab, zudem auch eine ballistische Rakete, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. In Bahrain wurden laut Innenministerium Warnsirenen aktiviert. Die Bürger des Inselstaats wurden aufgerufen, Ruhe zu bewahren und sich in Sicherheit zu begeben.

Zugleich wurde der Iran selbst angegriffen. Bei einem Luftangriff im Nordwesten des Landes kamen einem Bericht zufolge sieben Zivilisten ums Leben. Wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, wurden in den frühen Morgenstunden in der Millionenmetropole Tabris Dienstwohnungen von Bahnmitarbeitern Ziel der israelisch-amerikanischen Angriffe.

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WASHINGTON (dpa-AFX)

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