LPKF: Zwischen Hoffnung und Umbau
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Der Laserspezialist LPKF hat 2025 die eigene Prognose am unteren Rand erfüllt, für 2026 allerdings eine eher ernüchternde Guidance vorgelegt. Doch hinter den Zahlen steckt eine Transformationsstory, die Investoren genau im Blick behalten sollten.
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Nüchtern betrachtet war 2025 für LPKF kein gutes Jahr. Der Umsatz sank gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Prozent auf 115,3 Mio. Euro. Das bereinigte EBIT verbesserte sich zwar auf 0,8 Mio. Euro (Vorjahr: 0,1 Mio. Euro), doch auch hier erreichte man nur den unteren Rand der eigenen Zielstellung. Noch problematischer ist der Einbruch beim Auftragseingang: Mit 91,6 Mio. Euro lag dieser deutlich unter dem Vorjahreswert von 114,3 Mio. Euro. Der Auftragsbestand schrumpfte von 50,9 Mio. Euro auf nur noch 27,1 Mio. Euro, ein Warnsignal, das die schwache Ausgangslage für das laufende Jahr unterstreicht.
Die Ursachen sind bekannt: Investitionszurückhaltung in Europa und Asien, die Unsicherheiten rund um die US-Zollpolitik sowie ein schwächelndes Solarsegment, das durch den noch nicht abgeschlossenen Technologiewechsel hin zu Perowskit-Beschichtungen unter Druck steht. Dass LPKF dennoch leicht profitabler als im Vorjahr abschnitt, zeigt zumindest, dass das Management die Kostenschraube anzieht.
Bringt „North Star“ die nötige Profitabilität?
Im September 2025 hatte LPKF das Transformationsprogramm „North Star“ gestartet, mit dem ambitionierten Ziel, bis 2028 eine zweistellige EBIT-Marge zu erreichen. Das klingt gut, kostet aber zunächst Geld: Für 2026 rechnet das Unternehmen mit außergewöhnlich hohen Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von rund 3 bis 4 Prozent des Umsatzes. In Kombination mit dem erwarteten Umsatzrückgang im Solarsegment ergibt das eine Prognose für 2026, die schwer zu ignorieren ist: Konzernumsatz nur zwischen 105 und 120 Mio. Euro, bereinigte EBIT-Marge zwischen minus 3,0 und plus 4,5 Prozent. Im schlechtesten Fall also wieder rote Zahlen.
Dass der Konsortialvertrag mit den finanzierenden Banken bis 2028 verlängert wurde, schafft zumindest finanzielle Planungssicherheit für den Umbau. Doch Sicherheit ist nicht dasselbe wie Wachstum.
Der Joker: LIDE und Advanced Packaging
Was das Bild aufhellt und bei LPKF strategisch entscheidend sein dürfte, ist der Halbleiterbereich. Mit der patentierten LIDE-Technologie zur hochpräzisen Glasbearbeitung hat sich das Unternehmen als Schlüsselpartner für Advanced Packaging positioniert: Glassubstrate gelten in der Chipindustrie als vielversprechende Alternative zu herkömmlichen organischen Trägermaterialien, weil sie überlegene elektrische und optische Eigenschaften besitzen.
Dass sich LPKF nun auch an der Integration von Co-Packaged Optics versucht – also der direkten Verbindung optischer Komponenten im Chipgehäuse –, zeigt, wie konsequent das Unternehmen die Wertschöpfungskette auszubauen versucht.
Das Management selbst sagt es klar: Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann Glas im Advanced Packaging zum Industriestandard wird. Das Problem: Dieser Hochlauf hängt nicht allein von LPKFs LIDE-Prozess ab, sondern von der Qualifikation nachgelagerter Fertigungsschritte, und genau deshalb sind potenzielle Volumenaufträge in der diesjährigen Prognose noch nicht enthalten.
Abgesang auf ARRALYZE
Abseits der großen Zukunftsstory hat LPKF auch aufgeräumt: Die eigenständigen Aktivitäten im Bereich ARRALYZE, ein Zellsortierungssystem, das nie den Weg in den Massenmarkt fand, wurden geordnet eingestellt. Ein Verkauf an einen geeigneten Partner wird geprüft. Im Segment Welding bündelt LPKF die Produktion am Standort Suhl und zieht sich aus Fürth zurück. Das sind strukturelle Einschnitte, die kurzfristig schmerzen, aber mittelfristig die Effizienz steigern sollen.
Fazit: Vorschuss auf Umbau-Erfolg?
LPKF ist ein Unternehmen, das zwischen solidem Kerngeschäft, einem echten Technologie-Juwel im Halbleiterbereich und einem schmerzhaften Restrukturierungsprozess balanciert. Das Jahr 2026 wird wahrscheinlich kein Schönheitsjahr. Doch wer bereit ist, über die kurzfristigen Belastungen hinwegzusehen und auf den LIDE-Durchbruch im Advanced Packaging zu setzen, bekommt hier eine Geschichte, die zumindest das Potenzial hat, in zwei bis drei Jahren deutlich anders auszusehen.
An einem technologischen Durchbruch arbeitet auch Pyrum. Derzeit wird noch an einem letzten Detail gefeilt. Sobald das Unternehmen hier Vollzug melden kann, könnte die Aktie deutlich an Schwung gewinnen: zum Artikel
Auch bei Materflex scheint die Börse derzeit zu warten. Und zwar auf den Ausblick für 2026, der am 31. März kommen soll. Sollte dieser die Analysten, die ein deutliches Wachstum erwarten, bestätigen, könnte die Aktie, die bereits 2025 kräftig zugelegt und zuletzt mit einer hohen Stabilität überzeugt hat, zum nächsten Aufwärtsschub ansetzen: zum Artikel
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Erstellung am 27.03.26 um 14:40 Uhr.
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