Börse Frankfurt-News: Rohstoffe: "Gold, Gold und noch mal Gold"

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Im Handel mit Rohstoff-ETCs lag der Fokus der Anlegerinnen und Anleger in den vergangenen Woche eindeutig auf Edelmetall-Produkten. Vor allem bei Gold als vermeintlich "sicherer Hafen" wurde verstärkt zugegriffen.
3. April 2025. Der Goldpreis ist Anfang April auf ein neues Rekordhoch bei rund 3.170 Dollar je Feinunze gestiegen. Seit dem Jahreswechsel hat sich das Edelmetall um gut 18 Prozent verteuert. "Gold profitiert von seiner Rolle als Absicherung gegen Inflation, der finanziellen Instabilität und den geopolitischen Risiken", erklärt Mobeen Tahir von WisdomTree. Mit den eskalierenden Handelskonflikten, dem fragilen Waffenstillstand im Nahen Osten, zunehmenden Differenzen zwischen den USA und Europa, dem schwächeren US-Dollar und den seit Januar sinkenden Renditen von US-Staatsanleihen gebe es zahlreiche Faktoren, die den Goldanstieg unterstützen. Zudem würden die neue Anlagepolitik Chinas für Gold und die laufenden Käufe der Zentralbank auf eine anhaltende Nachfrage hindeuten.
"Stärkster Quartalsanstieg seit 1986"
Thu Lan Nguyen von der Commerzbank weist darauf hin, dass die Rallye der ersten drei Monate des laufenden Jahres prozentual dem "stärksten Quartalsanstieg seit 1986" entsprach, bei einem damals allerdings deutlich niedrigeren Preisniveau. Der Rohstoff-Analyst macht dafür vor allem die angekündigten und mittlerweile auch offiziell beschlossenen reziproken Zölle der US-Regierung verantwortlich. "Der Markt scheint sich vor allem vor den Folgen für die US-Konjunktur zu fürchten und setzt daher verstärkt auf Zinssenkungen der US-Notenbank. Da die Zölle gleichzeitig inflationstreibend wirken, wird der (erwartete) US-Realzins gedrückt, was sich wiederum positiv auf den Goldpreis auswirkt".
Die Volkswirte der Commerzbank rechnen allerdings nicht mit einer schnellen Wiederaufnahme der Zinssenkungen durch die Fed, weshalb Nguyen "weiterhin die Gefahr eines Rückschlages bei Gold" sieht. Für Robert Rethfeld von "Wellenreiter Invest" sind "An-zeichen einer Konsolidierung" bereits erkennbar. Die zuletzt entstandene Kurslücke im laufenden Aufwärtstrend sieht er tendenziell kritisch. "Besser ist, wenn der Trend ruhig und stufig vonstattengeht". Positiv wertet er allerdings, dass sich die Spekulation auf steigende Preise am Terminmarkt zurzeit noch "nicht am Anschlag befindet".
Außergewöhnlich hohe Nettozuflüsse
Ein Treiber der Gold-Hausse sind nach Ansicht der LBBW auch die massiven ETC-Käufe. Deutlich werden die Dimensionen beim Blick auf die globalen Nettoströme bei Rohstoff-ETPs. Hier dominieren auf Monatssicht bei weit überdurchschnittlich großem Abstand die Edelmetall-Produkte mit einem Zuwachs von 12,7 Mrd. Dollar. "Die Kapitalflüsse in Edelmetalle waren im letzten Monat außergewöhnlich stark", berichtet Tahir. Xetra-Gold hat seinen Goldbestand im bisherigen Jahresverlauf um ca. fünf Prozent erhöht. Aktuell liegt der Bestand bei rund 175 Tonnen Gold (DE000A0S9GB0).
Beim Bankhaus Vontobel und der Société Générale steht Gold ebenfalls klar auf Rang eins der im März am häufigsten gehandelten Basiswerte. Bei den Schweizern haben die Anleger und Anlegerinnen allerdings nicht nur auf steigende Kurse gesetzt. "Sowohl auf der Long- als auch auf der Short-Seite gab es vermehrt Käufe", wie Zertifikate-Experte David Hartmann konstatiert. Auch sei das Call/Put-Ratio bei den Gold-Produkten "ziemlich ausgeglichen". Am stärksten nachgefragt waren mit dem Open-End Turbo-Optionsschein auf Gold (DE000VG4CVG7) und dem Mini-Future auf Gold (DE000VG7BAT9) trotzdem zwei recht hoch gehebelte Produkte, die von einem weiteren Preisanstieg profitieren. Dasselbe Bild zeigt sich bei der Société Générale, wo Patrick Kesselhut von einem großen Interesse an einem gut siebenfach sowie einem zehnfach gehebelten Best Unlimited Turbo-Call-Optionsschein auf Gold berichtet (DE000SJ4BBV2) bzw. (DE000SJ4S4S7).
Von Thomas Koch, 3. April 2025, © Deutsche Börse
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