Zulassungsverfahren

Numerus Clausus als Zugangsvoraussetzung: Wo es die besten Chancen auf ein Studium gibt

06.09.23 19:54 Uhr

NC-Horror? So entkommt man dem Numerus Clausus und studiert doch noch! | finanzen.net

Studienplatz finden: So hat man die besten Chancen auf ein Studium - Numerus Clausus wird unwichtiger

Ein Studium anfangen - aber wo? Neben Kriterien wie den Inhalten des Studiengangs spielt auch die Zulassung an einer Universität eine Rolle. Eine aktuelle Studie informiert darüber, dass die Zahl der zulassungsbeschränkten Studiengänge sinkt und wo es die meisten zulassungsfreien Studienangebote gibt.

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Die Wahl des Studiengangs hängt nicht selten von den Zugangsvoraussetzungen der Universitäten ab: So kann es vorkommen, dass Personen, die sich als geborene Mediziner erweisen könnten, von der Hochschule nicht angenommen werden und dafür Personen den Arztberuf erlernen dürfen, die kein Blut sehen können. Eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), welches zur Bertelsmann Stiftung gehört, hat die Zugangsbeschränkungen an den deutschen Hochschulen für das Wintersemester 2023/2024 ins Visier genommen und gibt Aufschluss darüber, an welchen Universitäten die meisten zulassungsfreien Studiengänge angeboten werden.

Numerus Clausus qualifiziert Bewerber meist abhängig von Abiturnote und Wartesemestern

Cort-Denis Hachmeister, Autor der Studie, erklärt im Vorwort: "Bei zulassungsfreien Studiengängen (also ohne NC) ist seitens der Hochschule keine Höchstzahl von Studienanfänger*innen festgelegt, die aufgenommen werden kann. Daher kann man sich direkt bei der Hochschule einschreiben, sofern man die Zugangsvoraussetzungen (Abitur bzw. Bachelorabschluss, ggf. weitere Voraussetzungen wie z. B. Vorpraktika) erfüllt". Ob ein Studiengang zulassungsbeschränkt ist, hängt also von den Kapazitäten der Universität ab. Der sogenannte Numerus Clausus (NC; lateinisch: "geschlossene Anzahl") ist eine Zulassungsbeschränkung, die Bewerber größtenteils abhängig von ihrer Abiturnote und Wartesemestern qualifiziert. Der NC orientiert sich an Angebot und Nachfrage von Studienplätzen und liegt immer näher an der Note 1,0, je mehr Menschen sich bewerben. Liegt er in einem Jahr für ein bestimmtes Fach bei 2,0, kann dies auch für das Folgejahr oder -semester als Anhaltspunkt betrachtet werden. Bewerber für dasselbe Fach mit einer Abiturnote von 3,0 wissen also schon im Voraus, dass sie vermutlich eher schlechte Chancen auf eine Zulassung haben.

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Zahl der Studiengänge mit NC gesunken

Hachmeister fand nun heraus, dass die Zahl der Studiengänge mit NC in Deutschland im fünften Jahr in Folge gesunken ist: So werden im Wintersemester 2023/2024 noch 37,9 Prozent aller Studienangebote zulassungsbeschränkt sein - im Vorjahr waren es 39,7 Prozent und 2018/2019 ganze 41,1 Prozent.

In Hamburg sind der Studie zufolge 62,8 Prozent der Studienangebote zulassungsbeschränkt, in Berlin sind es 61,2 Prozent und deutschlandweit auf Platz drei steht Baden-Württemberg mit 55,4 Prozent. Außerdem über dem nationalen Durchschnitt liegen die Bundesländer Bremen, Saarland und Niedersachsen, den letzten Platz belegt Thüringen, wo nur 19,6 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt sind. Am meisten gestiegen (1 Prozent) ist der Wert im Vorjahresvergleich in Sachsen: Betrug er 2022/2023 noch 37,4 Prozent, haben im Wintersemester 2023/2024 38,4 Prozent der Studiengänge eine Zulassungsbeschränkung.

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NC-Beschränkung abhängig von der Fachrichtung

Selbstverständlich darf man in Anbetracht der sinkenden Zahlen jedoch nicht vergessen, dass es in verschiedenen Bereichen mehr Studiengänge mit NC gibt als andere. So haben Fächer wie Medizin oder Rechtswissenschaften meist so viele Bewerber, dass der NC insbesondere an renommierten Universitäten oft nah an der 1,0 liegt. Der Studie zufolge haben im Bereich Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften 45,9 Prozent der Studiengänge einen NC, die Naturwissenschaften und Mathematik liegen bei 33,6 Prozent, im Bereich Ingenieurswissenschaften 33 Prozent und die Sprachwissenschaften verzeichnen mit 23,4 Prozent den geringsten Wert.

NC zu hoch? An der Nachbaruni oder -hochschule gibt es oft bessere Chancen

Außerdem führt Hachmeister in seiner Studie auf, dass die Zahl der zulassungsbeschränkten Studiengänge zwischen Universitäten und Hochschulen sowie den verschiedenen Abschlüssen stark variiert. Haben 34,5 Prozent der Studiengänge an Universitäten einen NC, sind es an Fachhochschulen ganze 38,6 Prozent. Bei Bachelorstudiengängen liegt der Wert bei 37,7 Prozent, im Master bei 38,1 Prozent. Allerdings gibt es auch regional große Unterschiede: So sind in Berlin an 61,2 Prozent der Studiengänge zulassungsbeschränkt, in Hamburg sind es sogar 62,8 Prozent. In Schleswig-Holstein (24,5 Prozent), Rheinland-Pfalz (22,4 Prozent), Brandenburg (21,3 Prozent) und Thüringen (19,6 Prozent) hingegen sind weniger als ein Viertel der Studiengänge nicht zulassungsfrei.

Bewerber sollten angesichts der teilweise sehr hohen Quoten nicht verzagen: "Oft gibt es gleichwertige Studienangebote ohne Numerus Clausus sogar an benachbarten Hochschulen", so Hachmeister gegenüber der Tagesschau. In seiner Studie nennt er etwa Leipzig (52 Prozent zulassungsbeschränkt) und das benachbarte Halle an der Saale (32 Prozent zulassungsbeschränkt).

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: Westend61/Getty Images