NACHHALTIG BILANZIEREN: GEOTHERMIE ALS SCHLÜSSEL DER ENERGIEWENDE
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Gemeinden, die ihre Häuser mit Löchern im Boden heizen? Geothermie kann die Grundlage für eine klimaneutrale Wärmeversorgung werden. Aktuell ist sie oft noch eine verpasste Chance, die vor allem am kostenintensiven Anfangsprozess und an bürokratischen Hürden scheitert.
Erdwärme gegen Erderwärmung
Die nationalen Klimaschutzziele sind ohne einen deutlichen Ausbau der Geothermie nicht zu erreichen - diese These vertrat das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik schon 2022. Erdwärme könnte einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten. Eine Studie der Technischen Universität München kommt zu dem Schluss, dass theoretisch bis zu 40 Prozent des bayerischen Wärmebedarfs aus der tiefen Geothermie gedeckt werden könnten. Allerdings deckt die sogenannte hydrothermale Tiefengeothermie bislang weniger als ein halbes Prozent des hiesigen Wärmebedarfs. Auch die Bundesregierung hält fest: "Geothermie ist eine klimaneutrale, nach menschlichen Maßstäben unerschöpfliche und zugleich zuverlässige und über das gesamte Jahr verfügbare Energiequelle".
Warum bleibt Tiefengeothermie oft ungenutzt?
Tiefengeothermie fristet bislang ein Nischendasein: Noch haben solche Projekte in Deutschland Seltenheitswert. Laut den jüngsten verfügbaren Zahlen wurden bis Februar 2022 bundesweit knapp 50 Projekte der Tiefengeothermie realisiert. Auch die oberflächennahe Geothermie, die Bohrungen bis zu einer Tiefe von 400 Metern umfasst, ist ausbaufähig: Im Jahr 2023 wurden insgesamt 356.000 Wärmepumpen installiert, die Wärme aus dem Erdreich nutzen.
Warum wird die Geothermie als Chance nicht öfter genutzt? Der Weg zur klimafreundlichen Wärme ist kein leichter: Möglicherweise wird nach der Bohrung festgestellt, dass die Schüttung und Temperatur nicht ausreichen oder dass keine Fündigkeit gegeben ist. Neben diesen Fündigkeitsrisiken sind Genehmigungsverfahren oft aufwendig, Umweltverträglichkeitsprüfung und Planfeststellungsverfahren für Fernwärmeleitungen äußerst langwierig. Viele Kommunen schrecken vor den anfänglich hohen Kosten zurück. Bis sich die Investition rechnet, dauert es länger als bei anderen Energieträgern. Damit ist Geothermie anfangs sehr kostenintensiv - sie ist eine Langstrecke. Das erschwert es, Investoren für die Geothermie zu begeistern.
Um der Tiefengeothermie zum Durchbruch zu verhelfen, könnte die öffentliche Hand beim Fündigkeitsrisiko ansetzen und eine Versicherungslösung für das Risiko unterstützen sowie für stabile langfristige Fördermöglichkeiten schaffen, um den Prozess der Wärmewende durch Geothermie anzustoßen. Vor allem müssen aber die Genehmigungsverfahren beschleunigt werden. Genau das strebte die Bundesregierung mit dem Geothermiebeschleunigungsgesetz an, das im September 2024 im Kabinett verabschiedet wurde. Demnach soll die Verfahrensdauer im Genehmigungsprozess halbiert werden. Allerdings hat der Bundestag das Gesetz bisher nicht beschlossen.
So kann kommunale Wärmeplanung aussehen
Noch sind Geothermie-Heiznetze als Wärmewunder selten. Dass kommunale Wärmeplanung funktionieren kann und sich langfristig rechnet, zeigt die Gemeinde Grünwald bei München. Mit der Geothermiequelle in Laufzorn wird bis zu 128 Grad heißes Wasser aus einer Tiefe von mehr als 4.000 m gefördert. Seit 2011 sind erste Haushalte, Unternehmen und kommunale Einrichtungen an das Fernwärmenetz angeschlossen, 2023 betrug das Netz bereits rund 110 km und versorgt damit mehr als 3.500 Abnehmer. Auf die Haushalte, welche die aus der Tiefe gewonnene Wärme beziehen, wirken sich die hohen Investitionskosten des Verfahrens nicht negativ aus: Für die Endkunden in Grünwald kann Erdwärme preislich mit Wärme aus Öl und Gas konkurrieren. In der Gemeinde erfüllt bereits jeder dritte private Haushalt, was andernorts in puncto Wärmewende und Klimaneutralität noch weit entfernt erscheint. Rund 22.000 Tonnen CO2 sparte die Gemeinde Grünwald im Jahr 2023 durch die Nutzung der Fernwärme aus der Tiefengeothermie. Fakten, die auch den Bund überzeugen: So bewilligte das Bundeswirtschaftsministerium im Juni 62,3 Millionen Euro Fördergeld für die das geplante Laufzorn II Projekt mit vier Bohrungen der Erdwärme Grünwald GmbH mit Unterstützung von Drees & Sommer.
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Harits Alkatiri ist seit Mai 2024 Projektmanager im Bereich Smart Infrastructure und Geothermie bei Drees & Sommer SE, einem Beratungsunternehmen, das auf Bau und Immobilien spezialisiert ist und seinen Hauptsitz in Stuttgart hat. Nach seinem Studium des Petroleum Engineering an der Universitas Pembangunan Nasional "Yogyakarta" in Indonesien, setzte er seine akademische Laufbahn an der Technischen Universität Clausthal fort, wo er seinen Master mit Schwerpunkt Bohrtechnik erwarb. Aktuell promovierter an der TU Clausthal über die Optimierungsmöglichkeiten geothermischer Bohrungen.
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Nachhaltige, innovative und wirtschaftliche Lösungen für Immobilien, Industrie, Energie und Infrastruktur zu beraten, umzusetzen – oder den Kunden sogar beides aus einer Hand zu bieten – das zeichnet das partnergeführte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE aus. Im Jahr 1970 gegründet und seitdem als Nachhaltigkeitspionier und Digitalisierungstreiber der Real Estate Branche bekannt, beschäftigt das Unternehmen mehr als 5.100 Mitarbeitende an 59 Standorten. Interdisziplinär zusammengesetzte Teams arbeiten in mehr als 5.000 Projekten weltweit daran, eine lebenswerte Zukunft zu schaffen und scheinbare Gegensätze zu vereinen: Tradition und Zukunft, Analog und Digital, Effizienz und Wohlbefinden. Als Unternehmer im Unternehmen steht dafür eine persönlich verantwortliche Partnerschaft ein.
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Bildquellen: Drees & Sommer