Bitcoin-Kurs und Gold so eng wie nie: Was die Korrelation wirklich bedeutet - Chance für Anleger?
Noch nie liefen Bitcoin und Gold so im Gleichschritt, doch ausgerechnet das nährt einen Trugschluss über die Kryptowährung als sicheren Hafen.
Werte in diesem Artikel
- Korrelation zwischen Bitcoin und Gold nähert sich einem Allzeithoch
- Gold ist ein physischer Hafen, Bitcoin bleibt rein digitales Gut
- Laut WisdomTree notiert Bitcoin trotzdem mit Abschlag gegenüber Gold
Wie "The Motley Fool" berichtet, nähert sich die Korrelation zwischen Bitcoin und Gold derzeit einem Allzeithoch, und für viele Anleger klingt das nach einer einfachen Rechnung: Bewegt sich die Kryptowährung wie das klassische Krisenmetall, kann sie auch dessen Rolle im Depot übernehmen. Diese Rechnung geht jedoch nicht ohne Weiteres auf.
Bitpanda ist der BaFin-lizenzierte Krypto-Broker aus Österreich und offizieller Krypto-Partner des FC Bayern München. Erstellen Sie Ihr Konto mit nur wenigen Klicks und profitieren Sie von 0% Ein- und Auszahlungsgebühren.
Hintergrund des Gleichlaufs sind Warnungen prominenter Bankmanager vor wachsenden Risiken im Finanzsystem, die Anleger seit Monaten in Gold treiben und zuletzt auch Bitcoin mit nach oben gezogen haben. Wer daraus ableitet, die Kryptowährung tauge damit als gleichwertiger sicherer Hafen, überspringt einen entscheidenden Unterschied zwischen den beiden Anlageklassen.
Dimons Warnung schickt Anleger ins Gold
Auslöser der Nervosität ist unter anderem eine Warnung von Jamie Dimon, dem Chef von JPMorgan. Im Zusammenhang mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 warnte er, mehrere Risiken verschöben sich unter der Oberfläche wie tektonische Platten, darunter geopolitische Spannungen, hartnäckige Inflation und hohe Staatsdefizite. Diese Kräfte könnten handhabbar bleiben, so Dimon, aber auch spürbare Verwerfungen auslösen, wenn sie aufeinandertreffen. Die Warnung kam ausgerechnet nach einem Rekordquartal der Bank, was ihr zusätzliches Gewicht verlieh.
Seither bauen Anleger verstärkt Positionen in Gold auf, um sich gegen ein mögliches Beben an den Märkten abzusichern. Bitcoin profitierte von derselben Fluchtbewegung, wenn auch aus anderen Gründen: Die Kryptowährung gilt für einen Teil der Anleger inzwischen als digitales Pendant zum Edelmetall.
Warum Korrelation nicht gleich Diversifikation ist
Der Vergleich hat einen blinden Fleck. Gold ist ein physischer Rohstoff mit jahrtausendelanger Geschichte als Wertspeicher, zusätzlich industriell nutzbar in Schmuck und Elektronik. Fällt das globale Finanzsystem in einer Extremkrise aus, lässt sich Gold notfalls direkt als Tauschmittel einsetzen. Bitcoin ist dagegen ein rein digitaler Vermögenswert, dessen Wert allein davon abhängt, was Käufer dafür zu zahlen bereit sind. Als Zahlungsmittel im Alltag hat sich die Kryptowährung bislang kaum durchgesetzt, und ohne Stromversorgung oder Internetzugang bleibt sie schlicht unzugänglich. Hinzu kommt die kurze Historie: Bitcoin existiert erst seit dem Ende der Finanzkrise 2008 und hat damit noch keine tiefe, von der Realwirtschaft ausgehende Rezession durchlaufen. Wie sich der Kurs in einem solchen Szenario verhalten würde, bleibt reine Spekulation.
Was die Bitcoin-Gold-Bewertung laut Analysten zeigt
Eine Analyse des Vermögensverwalters WisdomTree aus dem Mai dieses Jahres untermauert diesen Punkt aus anderer Richtung. Laut Research-Direktorin Dovile Silenskyte notierte Bitcoin zu diesem Zeitpunkt mit einem Abschlag von rund 26 Prozent gegenüber Gold, gemessen an einem Modell aus makroökonomischen Kennzahlen und Kapitalflüssen. Der Grund liegt in unterschiedlichen Treibern: Gold reagiert der Analyse zufolge vergleichsweise schnell auf Inflation und Unsicherheit, während Bitcoin eher von lockerer Geldpolitik und steigender Risikobereitschaft profitiert und auf neue Informationen mit Verzögerung reagiert. Beide Vermögenswerte laufen demnach zeitweise parallel, folgen aber nicht demselben Mechanismus. Das deckt sich mit der Beobachtung von "The Motley Fool", dass eine hohe statistische Korrelation allein noch keine strukturelle Verwandtschaft der beiden Anlageklassen belegt.
Ist Bitcoin jetzt ein Kauf?
Allein aus der Korrelation zu Gold lässt sich eine hinreichende Beantwortung der Frage kaum ableiten. Wer in Bitcoin einen zweiten "sicheren Hafen" sieht, verwechselt möglicherweise einen zeitweiligen Gleichlauf mit einer strukturellen Eigenschaft, die der Kryptowährung nach bisherigen Analysen fehlt. Das muss Bitcoin als Investment aber nicht grundsätzlich disqualifizieren: Wer auf wachsende institutionelle Adoption, begrenztes Angebot oder eine Rolle als Risikoanlage in Phasen lockerer Geldpolitik setzt, könnte darin nach wie vor Gründe für eine Position sehen. Als Krisenabsicherung nach dem Vorbild von Gold dürfte Bitcoin nach aktuellem Stand der Analysen jedoch kaum taugen.
Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net
Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.
Ausgewählte Hebelprodukte auf Goldpreis
Mit Knock-outs können spekulative Anleger überproportional an Kursbewegungen partizipieren. Wählen Sie einfach den gewünschten Hebel und wir zeigen Ihnen passende Open-End Produkte auf Goldpreis
Der Hebel muss zwischen 2 und 20 liegen
Bildquellen: Queen Art/Shutterstock.com, 3Dsculptor / Shutterstock.com