Anleger gewinnen an Börse Frankfurt nach EZB-Zinsentscheid an Mut: DAX beendet Tag über 15.800er-Marke
Der DAX zeigte sich nach der Leitzinsentscheidung in der Eurozone deutlich fester.
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Der DAX eröffnete am Donnerstag mit einem marginalen Verlust. Nach einem wiederholten Wechsel der Vorzeichen stieg das Börsenbarometer nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank sichtlich und die Gewinnzone und beendete den Handel 0,97 Prozent stärker bei 15.805,29 Zählern.
Die Nervosität vor dem wohl wichtigsten Ereignis der Woche war hoch: Am Vortag war das Börsenbarometer zeitweise auf den tiefsten Stand seit Mitte August gefallen, hatte sich dann aber wieder etwas gefangen. Daten zur US-Inflation hatten die Anleger dagegen recht kaltgelassen.
Leitzinsentscheid der EZB im Blick
Die schwächelnde Konjunktur unterbricht die Serie von Zinserhöhungen im Euroraum vorerst nicht: Die Europäische Zentralbank (EZB) hebt den Leitzins um weitere 0,25 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent an. Der EZB-Rat beschloss damit am Donnerstag in Frankfurt die zehnte Zinserhöhung in Folge seit Juli 2022.
Mit den höheren Zinsen versucht die Notenbank, die hartnäckig hohe Inflation in den Griff zu bekommen. Höhere Zinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Weil teurere Kredite zugleich eine Last für die Wirtschaft sind, waren zuletzt Forderungen nach einer Zinspause lauter geworden.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte nach der vorherigen Sitzung des EZB-Rates Ende Juli für die September-Sitzung sowohl eine weitere Zinserhöhung als auch eine Unterbrechung der beispiellosen Serie von Anhebungen nicht ausgeschlossen. Lediglich einer Zinssenkung erteilte die Französin bereits damals eine Absage.
Mittelfristig strebt die EZB für den Euroraum eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Bei diesem Niveau sehen die Währungshüter Preisstabilität gewahrt. Doch von dieser Zielmarke ist die Teuerung nach wie vor weit entfernt. Im August schwächte sich der Anstieg der Verbraucherpreise im Währungsraum der 20 Länder nicht weiter ab. Die jährliche Inflationsrate verharrte einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat zufolge bei 5,3 Prozent. Im vergangenen Jahr war die Inflation infolge des Ukraine-Kriegs, in dessen Folge die Preise für Energie und Nahrungsmittel in die Höhe schnellten, zeitweise zweistellig gewesen.
Höhere Inflationsraten zehren an der Kaufkraft von Verbraucherinnen und Verbrauchern, die Menschen können sich für ihr Geld weniger leisten. Das bremst den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze der Konjunktur ist.
Die jüngsten Daten zeigten, "wie hartnäckig das Biest Inflation" sei, sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel kürzlich dem "Handelsblatt". "Wir sind zwar ein gutes Stück bei der Inflationsbekämpfung vorangekommen. Unseren Zielwert für die Inflation haben wir aber längst noch nicht erreicht."
Immerhin gab es in den jüngsten Inflationsdaten einen Hoffnungsschimmer: Die Kernteuerung im Euroraum - das ist die Rate ohne schwankungsanfällige Preise für Güter wie Energie und Lebensmittel - ging von 5,5 Prozent im Juli auf 5,3 Prozent im August zurück.
Ölpreis weiter im Fokus
Daten zur Erzeugerpreisentwicklung und den Einzelhandelsumsätzen angesehen.Daneben stehen auch die Ölpreise im Blick, die sich weiter in der Nähe ihrer am Vortag markierten Zehn-Monats-Hochs halten. Nach dem Ölkartell OPEC und der US-Behörde EIA hatte am Mittwoch auch die Internationale Energieagentur vor einem zu geringen Ölangebot gewarnt. In der zweiten Jahreshälfte bestehe ein Angebotsdefizit von durchschnittlich 1,2 Millionen Barrel je Tag, erklärte die Institution. Die OPEC rechnet für das vierte Quartal mit einem Defizit von täglich mehr als drei Millionen Barrel. Es wäre das größte Defizit seit mindestens einem Jahrzehnt.
Redaktion finanzen.net / dpa (AFX) / Dow Jones Newswires
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