Im Portrait

GameStop-Aktie im Porträt: Vom kleinen Softwarehändler zum globalen Meme-Phänomen

23.02.26 22:17 Uhr

Vom Software-Shop zum Börsen-Meme: Die spektakuläre Geschichte von NYSE-Aktie GameStop | finanzen.net

Spätestens seit Anfang 2021 kennt wohl jeder das Unternehmen GameStop - doch wie wurde der Konzern zur wohl berühmtesten Meme-Aktie?

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• 1984 beginnt die Geschichte GameStops mit der Gründung von Babbage's
• GameStop geht als GME im Jahr 2002 an die New Yorker Börse
• 2021 ist GameStop in ein großes Börsendrama verwickelt

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Die GameStop Corporation ist eine US-amerikanische Einzelhandelskette für Computerspiele und Unterhaltungssoftware. Der Konzern hat seinen Sitz in Grapevine im Bundesstaat Texas. Spätestens durch das Börsendrama Anfang 2021 wurde deutlich, dass GameStop kein Unternehmen wie jedes andere ist: Es hat die Sympathie seiner Kunden auf seiner Seite. Im Fokus der Berichterstattung stand der Konzern aufgrund rasanter Kursentwicklungen. Der Kurs der GameStop-Aktie war 2021 durch einen sogenannten "Short Squeeze" innerhalb kurzer Zeit in die Höhe getrieben worden.

GameStop "revolutioniert" im Jahr 2000 die Videospielindustrie

Die Geschichte des ehemaligen Fortune 500-Unternehmens begann in den 1980er-Jahren in Dallas, Texas, so die Dokumentation von Company-Histories.com. Dort wurde im Jahr 1984 der kleine Softwarehändler Babbage's eröffnet. Die Firma lief gut, übernahm die Software Etc. und wurde in Babbage's Etc. LLC. umbenannt. 15 Jahre später wurde Babbage's Etc. LLC. an Barnes & Noble verkauft, ein Unternehmen, welches Richard Fontaine, Dan DeMatteo und Len Riggio gehörte. Diese drei Männer gelten heute als GameStop-Gründer. Das von Barnes & Noble aufgekaufte Babbage's und die Funco Inc. fusionierten noch im Jahr der Babbage's-Übernahme (1999) und änderten Angaben der GameStop-Firmenwebsite zufolge ein Jahr später, weiterhin unter der Führung der drei Barnes & Noble-Gründer, den Namen dieses Zusammenschlusses in GameStop. Auf der Website des Unternehmens wird weiter beschrieben, dass GameStop noch im Jahr 2000 mit seinem einzigartigen Handelssystem die Videospielindustrie "revolutionierte". Mit Erfolg: Schon zwei Jahre später vollzog GameStop als "GME" sein IPO an der New Yorker Börse.

Die 2000er-Jahre bei GameStop: Eine Übernahme nach der anderen

In den Folgejahren gab es viele Veränderungen, die das frisch börsennotierte Unternehmen auf seiner Webseite dokumentierte: 2004 trennte sich Barnes & Noble mit einem Verkauf von Firmenanteilen wieder von GameStop, die Firmengründer blieben jedoch. 2005 übernahm GameStop die Firma Electronic Boutique Games (EB Games) und wurde damit zu einem internationalen Konzern und gleichzeitig zum größten Videospielhändler der Welt. 2008 folgte die Übernahme von Micromania, Frankreichs größtem Händler für Videospiele.

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Mit der Einführung eines Kundenbindungsprogramms sicherte sich GameStop 2010 bereits im ersten Jahr zehn Millionen Mitglieder und damit treue Kunden. Zudem wurde das digitale Angebot erweitert - unter anderem mit der Digitalisierung der Zeitschrift Game Informer. Ein Jahr später wurden erste digitale Spiele ins Angebot aufgenommen und bereits 2013 war Game Informer mit drei Millionen Abonnenten das größte digitale Magazin der Welt und mit acht Millionen Abonnenten das achtgrößte Magazin überhaupt. Im selben Jahr eröffnete GameStop außerdem ein neues Segment, indem die Firma die beiden größten zertifizierten Apple-Händler Simply Mac und Spring Mobile aufkaufte.

Auf- und Abschwung

Im Laufe der Jahre kaufte das Unternehmen weitere Handelsunternehmen für Computerspiele auf, darunter Geenet Inc., der Mutterkonzern des ersten Händlers für Gaming-Merchandise - aus der Übernahme entstand ThinkGeek. Ein wirtschaftlicher Aufschwung gelang dem Unternehmen auch durch den Wiederverkauf und Tausch von gebrauchten Spielen und Hardware zu einem vergünstigten Preis und dem neuen Ladenkonzept: Es werden nicht mehr nur Spiele in den Geschäften verkauft, sondern die Hälfte der Ladenfläche wird für die Merchandise-Produkte bereitgestellt, berichtete das Unternehmen auf seiner Webseite.

Seit 2016 fiel der Börsenwert des Unternehmens sukzessiv. Grund dafür war überwiegend der wachsende Online-Handel. Ab 2017 wurden hunderte Filialen geschlossen. 2018 verzeichnete GameStop mit 673 Millionen US-Dollar den bis dato größten Verlust in der Firmengeschichte. Im Folgejahr gab GameStop bekannt, über 200 Filialen aufgrund gefallener Verkaufszahlen zu schließen, wie das Computerspiele-Magazin Gamestar berichtete.

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Schließlich machte GameStop 2019 einen weiteren bedeutenden Schritt und stieg in das Geschäft mit eSports ein, indem sich die Firma mit Complexity Gaming verpartnerte. Dieser Geschäftsschritt sei Teil einer umfassenderen Unternehmensstrategie, sich im E-Sport-Bereich zu engagieren, um die Videospielkultur und das Verbrauchererlebnis zum Leben zu erwecken, erklärte GameStop auf seiner Webseite. Im Geschäftsjahr 2019 konnte GameStop schließlich Einnahmen im Wert von 6,5 Milliarden US-Dollar verzeichnen - und auch im Corona-Jahr 2020 gingen die Einnahmen durch die Decke.

Börsendrama 2021: Manipulierten GameStop-Anleger den Aktienkurs?

Durch die Medien ging der Name GameStop Anfang 2021, als sich Kleinanleger über die Social Media-Plattform Reddit absprachen, den Wert des Unternehmens mit vermehrten Aktienkäufen zu steigern und so seinen Aktienkurs positiv zu beeinflussen. Hintergrund war die schiere Anzahl der von Hedgefonds gehaltenen Leerpositionen der GameStop-Aktie, die sogar die Anzahl der handelbaren Aktien übertraf, so das Nachrichtenportal GamesWirtschaft. Der Plan ging auf, jedoch in einem solchen Ausmaß, dass nach kurzer Zeit mehrere Neo-Broker-Plattformen den Handel mit GameStop-Aktien zeitweise einstellten - sehr zum Missfallen der GameStop-Kleinaktionäre. So war es für Kleinanleger über Tage nicht möglich, über die Broker-Apps Robinhood und Trade Republic weitere Anteilsscheine zu kaufen, lediglich der Verkauf wurde noch ermöglicht, was den Kurs der GME-Aktie wiederum rasant einbrechen ließ. Großinvestoren waren von den Handelsbeschränkungen jedoch nicht betroffen.

Das Börsendrama schaukelte sich weiter hoch, sodass Netflix entschied, eine Verfilmung darüber in Auftrag zu geben, deren Premiere im September 2023 erfolgte. Der Film "Dumb Money" erzählt von dem Hype um die Aktie, der das amerikanische Finanzsystem 2021 vor Herausforderungen stellte und widmet sich dabei einer normalerweise relativ wenig beachteten Schicht der Finanzwelt: den Kleinanlegern.

Führungswechsel

Im Jahr 2023 erlebte die Führungsetage von GameStop zudem turbulente Veränderungen. Im Juni 2023 gab das Unternehmen überraschend die Entlassung des damaligen CEO Matt Furlong bekannt, was zeitgleich mit der Veröffentlichung enttäuschender Quartalszahlen zu einem drastischen Einbruch der Aktie führte. Nur wenige Monate später, im September 2023, folgte der entscheidende Schritt im Umbau des Konzerns: Der Verwaltungsratsvorsitzende und Großaktionär Ryan Cohen wurde mit sofortiger Wirkung zum neuen CEO ernannt. Cohen, der bereits zuvor maßgeblich die Strategie bestimmte, übernahm damit auch offiziell die volle operative Verantwortung für den Videospielhändler.

Neue Strategie im Blick

Unter der Führung von Ryan Cohen verfolgt GameStop eine radikale Neuausrichtung der Finanzstrategie. Ein zentraler Pfeiler dieser Entwicklung sei die Entscheidung des Verwaltungsrats, Cohen die Befugnis zu erteilen, das Firmenkapital nicht mehr nur in kurzfristige Rentenpapiere, sondern flexibel in Aktien anderer Unternehmen zu investieren. Dies löste am Markt Spekulationen aus, ob sich GameStop nach dem Vorbild von Warren Buffetts Berkshire Hathaway zu einer Beteiligungsgesellschaft wandeln könnte.

Zusätzlich stärkt das Unternehmen seine finanzielle Unabhängigkeit durch den Abbau von Verbindlichkeiten: So beendete GameStop vorzeitig eine revolvierende Kreditfazilität in Millionenhöhe, was als Signal für eine robuste Liquiditätsposition gewertet wurde. Außerdem sorgten Spekulationen über mögliche Investments in Kryptowährungen wie Bitcoin für Aufsehen, was die Hoffnung der Anleger auf eine moderne, renditestarke Kapitalallokation weiter befeuerte.

Meme-Aktien-Hype 2.0

Im Jahr 2024 geriet das Papier dann wieder in den Fokus der Anleger. Auslöser für einen erneuten Meme-Hype war das Comeback des einflussreichen Reddit-Nutzers Keith Gill, besser bekannt unter seinem Pseudonym "Roaring Kitty". Allein ein kryptischer Post auf der Plattform X reichte aus, um die GameStop-Aktie zeitweise um bis zu 74 Prozent in die Höhe schießen zu lassen. Diese Rückkehr schürte unter Privatanlegern sofort die Hoffnung auf einen erneuten "Squeeze", was den Handel zeitweise so volatil machte, dass die Aktie mehrfach vom Handel ausgesetzt werden musste.

Der Hype erreichte einen neuen Höhepunkt, als Gill einen Screenshot seines Portfolios veröffentlichte, der eine massive Position in GameStop-Aktien und Call-Optionen im Wert von vielen Millionen US-Dollar zeigte. Doch die Euphorie am Markt wurde immer wieder durch die Realität des Unternehmens gebremst: Überraschend vorgezogene Quartalsbilanzen, operative Verluste sowie die Ankündigung neuer Aktienverkäufe durch GameStop belasteten den Kurs erheblich. Selbst ein mit Spannung erwarteter YouTube-Livestream von Keith Gill konnte den Abwärtstrend in Momenten der Gewinnmitnahmen nicht nachhaltig stoppen.

Auch nach dem Abflachen des Meme-Hypes 2.0 steht die GameStop-Aktie vor weiteren Herausforderungen. Ob sich der Strategiewechsel auszahlt, bleibt jedoch abzuwarten.

Redaktion finanzen.net

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Bildquellen: Ken Wolter / Shutterstock.com, Casimiro PT / Shutterstock.com

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01.06.2018Gamestop A SellThe Benchmark Company
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03.04.2019Gamestop A Market PerformTelsey Advisory Group
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01.06.2018Gamestop A Market PerformTelsey Advisory Group
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24.11.2015Gamestop a PerformOppenheimer & Co. Inc.
13.11.2015Gamestop a Sector WeightPacific Crest Securities Inc.
11.04.2012Gamestop a holdNeedham & Company, LLC
21.04.2011Gamestop a neutralJ.J.B. Hilliard, W.L. Lyons, Inc.
07.10.2010Gamestop a performOppenheimer & Co. Inc.
DatumRatingAnalyst
05.06.2019Gamestop A SellThe Benchmark Company
01.06.2018Gamestop A SellThe Benchmark Company
29.03.2018Gamestop A SellThe Benchmark Company
22.11.2017Gamestop A SellThe Benchmark Company
24.03.2017Gamestop A SellThe Benchmark Company

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