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Reckitt Benckiser: Applaus für den Verzicht!

04.04.18 15:00 Uhr

Reckitt Benckiser: Applaus für den Verzicht! | finanzen.net

Der Konsumgüterriese hat sich aus dem Bietergefecht um eine Sparte von Pfizer zurückgezogen. Der Chef bleibt auf Shoppingtour - es könnte auch Einschneidenderes geschehen.

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von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

Reckitt Benckiser (RB), der britisch-­niederländische Konsumgüterkonzern, hierzulande mit Haushaltsmarken wie Cillit Bang, Calgon oder Kosmetikartikeln wie Clerasil bekannt, hat seine Offerte für rezeptfreie Arzneien des US-Pharmakonzerns Pfizer kürzlich zurückgezogen. Auf dem Parkett gab es Lob in Form eines Kursaufschlags.

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Analysten galt der Preis als zu hoch. Zudem hätte das Volumen des Geschäfts - 15 bis 20 Milliarden Dollar wurden geschätzt - die Finanzen von Reckitt arg strapaziert. Weiterhin soll RB-Chef Rakesh Kapoor nur an Pfizers US-Geschäft mit dem dort populären Mittel gegen Kopfschmerzen, Advil, interessiert gewesen sein. Weil das jedoch ohne den Rest der Sparte nicht verfügbar war, verzichtete Chef Kapoor und ersparte damit den Aktionären seines Unternehmens Kopfschmerzen, die eine hohe Prämie und voraussichtlich auch eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Deals verursacht hätten.

Dass der Pfizer-Deal nicht sonderlich attraktiv war, zeigte auch der anschließende Rückzug des Pharmakonzerns Glaxo- Smithkline, der als einziger Bieter im Rennen verblieben war. Reckitt-Chef Kapoor ist auf der Suche nach Perspektiven: Mit umgerechnet 14,5 Milliarden Euro Umsatz im laufenden Jahr hat der Konzern eine Größe erreicht, die es nicht leicht macht, stark zu wachsen. Das Problem haben auch andere große Unternehmen im Sektor - beispielsweise der Schweizer Nahrungsmittelriese Nestlé.
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Um dem Engpass zu entkommen, hat Kapoor das Unternehmen im vergangenen Oktober in zwei Sparten neu sortiert: in den Gesundheitsbereich, einschließlich des vom US-Konzern Mead Johnson für 16,6 Milliarden Dollar übernommenen Geschäfts mit Babynahrung, und in den Bereich Kosmetik und Haushaltshygiene.

Gesundheit mit Potenzial
Das größte Potenzial für künftige Zuwächse hat aus Sicht des Vorstands der Bereich Gesundheit. Für einen großen, langfristig wertsteigernden Deal ist Kapoor auch bereit, das attraktive Kreditrating des Unternehmens zu opfern. Mit einem Zukauf in der Größenordnung der Pfizer-Sparte, rund 17 Milliarden Dollar, würde sich die Kreditbonität wegen der deutlich höheren Nettoverschuldung signifikant verschlechtern. Sie würde sich auf fast das Doppelte des ­aktuellen Niveaus erhöhen. Um diesen negativen Effekt durch einen aussichtsreichen großen Deal zu verringern, wäre RB auch bereit, sein Haushaltsreiniger-Portfolio zu veräußern. Dank seines Geschäftsmodells mit den höchsten Margen in der Konsumgüterbranche und der Fokussierung auf profitable Nischen im Markt würde die Refinanzierung einer großen Übernahme den Konzern nur vorübergehend stärker belasten.
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Verlockend sind für Kapoor die jährlichen Wachstumsraten von fünf Prozent, die für den globalen Markt für rezeptfreie Medikamente bis 2025 prognostiziert werden. Sie entsprechen dem von RB avisierten Wachstumsziel von jährlich drei bis fünf Prozent. Mit 100 Milliarden Euro Umsatz ist der Markt ausreichend groß.

Blick Richtung Merck
RB könnte nach Einschätzung von Analysten jetzt für die zum Verkauf stehende Sparte des Darmstädter Pharmakonzerns Merck bieten, zu der auch Nasivin gehört. Der US-Börsendienst Bloomberg schätzt eine Offerte auf 5,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum abgesagten Pfizer-­Deal würde die Erhöhung der Verschuldung moderat sein und könnte durch einen Verkauf der Haushaltsreiniger gedrückt werden. Mit einer geschätzten operativen Marge von 20 Prozent soll die Sparte zudem profitabler sein als RBs Haushaltsreiniger mit 15 Prozent. Sollte aber die Wende zu mehr Wachstum nicht gelingen, wird der Einstieg von Finanzinvestoren bei RB erwartet, die auf eine Aufspaltung drängen würden.

Fazit: Unterstützungen sichern das Kursniveau ab. Die Dividende wird seit 15 Jahren ­regelmäßig erhöht. Kaufen.



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Bildquellen: Quka / Shutterstock.com

Nachrichten zu Reckitt Benckiser Plc

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Analysen zu Reckitt Benckiser Plc

DatumRatingAnalyst
02.04.2025Reckitt Benckiser BuyUBS AG
19.03.2025Reckitt Benckiser OutperformRBC Capital Markets
19.03.2025Reckitt Benckiser NeutralJP Morgan Chase & Co.
11.03.2025Reckitt Benckiser HoldDeutsche Bank AG
07.03.2025Reckitt Benckiser BuyUBS AG
DatumRatingAnalyst
02.04.2025Reckitt Benckiser BuyUBS AG
19.03.2025Reckitt Benckiser OutperformRBC Capital Markets
07.03.2025Reckitt Benckiser BuyUBS AG
07.03.2025Reckitt Benckiser BuyUBS AG
06.03.2025Reckitt Benckiser BuyUBS AG
DatumRatingAnalyst
19.03.2025Reckitt Benckiser NeutralJP Morgan Chase & Co.
11.03.2025Reckitt Benckiser HoldDeutsche Bank AG
07.03.2025Reckitt Benckiser HoldDeutsche Bank AG
07.03.2025Reckitt Benckiser HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
06.03.2025Reckitt Benckiser Market-PerformBernstein Research
DatumRatingAnalyst
27.03.2024Reckitt Benckiser UnderperformJefferies & Company Inc.
19.03.2024Reckitt Benckiser UnderperformJefferies & Company Inc.
18.03.2024Reckitt Benckiser UnderperformJefferies & Company Inc.
28.02.2024Reckitt Benckiser UnderperformJefferies & Company Inc.
22.02.2024Reckitt Benckiser UnderperformJefferies & Company Inc.

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