EZB hat entschieden: Leitzins bleibt unverändert - was das für Anleger und ihr Geld bedeutet

Die EZB hat über den aktuellen Leitzins entschieden und damit erneut ein Signal für die künftige Ausrichtung der Geldpolitik im Euroraum gesetzt.
• EZB tastet Leitzins nicht an
• Einlagenzins bleibt damit bei 2,0 Prozent
• Folgen für Anleger im Blick
Die Europäische Zentralbank hat am heutigen Donnerstag den Leitzins unverändert gelassen. Der Einlagenzins bleibt damit bei 2,0 Prozent. Der Schritt war von den Märkten weitgehend erwartet worden, da sich die EZB weiterhin in einer abwartenden Haltung befindet.
Geopolitische Spannungen treiben Inflation: Iran-Konflikt im Fokus
Hintergrund ist eine weiterhin gemischte wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum, bei der sich Inflationsrisiken und konjunkturelle Unsicherheiten die Waage halten. Zusätzliche geopolitische Spannungen rund um den Iran-Konflikt und die Eskalation im Nahen Osten haben die Energiepreise nach oben getrieben und damit die Inflationsaussichten kurzfristig belastet. Gleichzeitig erhöhen sich die Risiken für das Wirtschaftswachstum, da Handelsflüsse, Lieferketten und Investitionsstimmung durch die Unsicherheit getrübt werden.
Auch auf Länderebene zeigt sich dieser Effekt bereits deutlich: Der Preisschock infolge des Iran-Kriegs hat die Inflationsrate in Deutschland im April weiter nach oben getrieben. Die Verbraucherpreise lagen um 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats - nach 2,7 Prozent im März, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte.
Die Inflationsrate liegt damit zwar weiterhin in der Nähe der Zielmarke der EZB von 2 Prozent, bleibt jedoch volatil. Insbesondere Energie- und Dienstleistungspreise sorgen dafür, dass die Notenbank keinen klaren Handlungsdruck in Richtung Zinssenkung oder Zinserhöhung sieht. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Dynamik in einigen Mitgliedsstaaten weiterhin verhalten, was ebenfalls gegen eine restriktivere Geldpolitik spricht.
Notenbank setzt auf Pause: Was das für Anleger und ihr Geld bedeutet
Für Anleger bedeutet der unveränderte Leitzins vor allem Kontinuität. Die Verzinsung von Tages- und Festgeld bleibt auf dem aktuellen Niveau stabil, ohne größere Aufwärts- oder Abwärtsbewegungen. Real bleibt die Rendite konservativer Anlagen jedoch leicht unter Druck, da die Inflation weiterhin einen Teil der Zinserträge aufzehrt. Am Aktienmarkt sorgt die Zinspause dagegen für stabile Finanzierungsbedingungen, was insbesondere wachstumsorientierte Unternehmen unterstützt.
Auch für Kreditnehmer ändert sich kurzfristig wenig. Bauzinsen bewegen sich seitwärts und zeigen derzeit keine klare Tendenz nach unten. Die Finanzierungskosten für Immobilien bleiben damit auf erhöhtem, aber stabilem Niveau.
Insgesamt signalisiert die EZB mit der erneuten Zinspause vor allem eines: Abwarten bleibt die dominierende Strategie. Die Geldpolitik reagiert weiterhin datenabhängig und vermeidet voreilige Schritte in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld.
Volkswirte erwarten jedoch, dass die Zentralbank im Jahresverlauf die Zinsen anheben wird, wenn ihr mehr Daten vorliegen, um die Kriegsfolgen zu beurteilen. "Je länger der Krieg anhält und je länger die Energiepreise auf hohem Niveau bleiben, desto stärker wird sich dies voraussichtlich auf die allgemeine Inflation und die Wirtschaft auswirken", erklärten die Euro-Währungshüter.
Schon im März und April hat der Ölpreisschock durch den Krieg im Nahen Osten die Teuerung im Währungsraum kräftig nach oben getrieben. Ökonomen fürchten, dass die gestiegenen Energiepreise auf die gesamte Wirtschaft überspringen und viele Waren und Dienstleistungen teurer werden.
An den Finanzmärkten werden bis Jahresende drei Leitzinserhöhungen um je 0,25 Prozentpunkte erwartet. Mit höheren Leitzinsen kann die EZB gegensteuern: Dies würde Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen kann. Sparerinnen und Sparer würden zugleich von steigenden Zinsen profitieren.
Sparzinsen ziehen an
Mit neuen Inflationsängsten und der Erwartung steigender Leitzinsen sind auch die Sparzinsen gestiegen. Seit Ausbruch des Iran-Kriegs sind die Festgeldzinsen so stark geklettert wie seit 2023 nicht mehr, wie eine Analyse des Vergleichsportals Verivox ergab.
Anlagen mit zwei Jahren Laufzeit liegen demnach im Schnitt bei 2,25 Prozent. Das seien 0,18 Prozentpunkte mehr als zu Kriegsbeginn und der höchste Stand seit Anfang 2025. Bei fünfjährigem Festgeld gebe es im Mittel 2,37 Prozent. Die Kehrseite: Die Inflation in Deutschland lag zuletzt noch höher bei 2,9 Prozent, Sparer verlieren also unterm Strich Geld.
"Beim Festgeld ist die Zinswende schon angekommen", sagt Timo Halbe vom Geldratgeber Finanztip. "Das deutet darauf hin, dass Banken sich auf ein länger höheres Zinsniveau einstellen."
EZB in der Zwickmühle
Wie es mit der Geldpolitik der EZB weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wie lange der Iran-Konflikt dauert und ob es bei einem zeitlich befristeten Energiepreisschock bleibt oder die jüngste Teuerungswelle die komplette Wirtschaft erfasst. Noch besteht Hoffnung, dass sich die USA und der Iran am Verhandlungstisch einigen.
Schon jetzt trübt der Krieg die Konjunkturaussichten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr nur um 1,1 Prozent wachsen wird. Für Europas größte Volkswirtschaft Deutschland sieht es mit 0,8 Prozent noch schlechter aus. Im ersten Quartal gab es für die Wirtschaft im Euroraum laut Eurostat ein Mini-Wachstum von gerade einmal 0,1 Prozent.
Höhere Zinsen würden Investitionen für Unternehmen verteuern. Die EZB steckt also in einer Zwickmühle: Erhöht sie die Zinsen, um die Inflation einzudämmen, läuft die Notenbank Gefahr, die Wirtschaft abzuwürgen. Im schlimmsten Fall droht Stagflation: Wirtschaftsflaute bei zugleich deutlich steigenden Preisen.
Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg
Die EZB will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die Notenbank in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent hoch. Mit der Energiekrise stiegen auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland. Die damaligen Preiserhöhungen wirken bis heute nach.
Lagarde: EZB-Rat hat ausführlich Zinserhöhung diskutiert
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nach den Worten von Präsidentin Christine Lagarde über eine sofortige Zinserhöhung diskutiert. "Wir haben auch ausführlich die Möglichkeit einer Zinserhöhung diskutiert", sagte Lagarde in der Pressekonferenz nach der jüngsten EZB-Ratssitzung. Anschließend habe der Rat aber einstimmig beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen.
Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat nach den Worten von Präsidentin Christine Lagarde über eine sofortige Zinserhöhung diskutiert. "Wir haben auch ausführlich die Möglichkeit einer Zinserhöhung diskutiert", sagte Lagarde in der Pressekonferenz nach der jüngsten EZB-Ratssitzung. Anschließend habe der Rat aber einstimmig beschlossen, den Leitzins unverändert zu lassen.
Bettina Schneider, Martina Köhler, Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net mit Material von Dow Jones Newswires und dpa-AFX
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