Ölmarkt vor dem nächsten Schock? Diese Ölpreise halten Experten inzwischen für möglich

Morgan Stanley hält bei einer anhaltenden Blockade noch deutlich höhere Brent-Preise für möglich. Das steckt hinter der Schockprognose.
Werte in diesem Artikel
• Morgan Stanley sieht Brent im Extremfall bei 150 Dollar
• China-Reserven und US-Exporte stabilisieren den Markt bislang
• Straße von Hormus bleibt zentraler Risikofaktor für den Ölmarkt
Die Lage im Nahen Osten beeinflusst den Ölmarkt zunehmend. Vor allem die Einschränkungen beim Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stehen im Fokus der Investoren. Wie aus einem Bericht von MarketWatch hervorgeht, warnt die US-Investmentbank Morgan Stanley davor, dass Brent-Rohöl bei einer anhaltenden Blockade der wichtigen Schifffahrtsroute bis zum Sommer auf bis zu 150 US-Dollar je Barrel steigen könnte.
Strategische Reserven stützen den Ölmarkt bislang
Trotz der geopolitischen Spannungen blieben die Ölpreise bislang vergleichsweise stabil. Brent-Rohöl notierte zuletzt bei rund 103 US-Dollar je Barrel, während WTI bei knapp 98 US-Dollar gehandelt wurde. Die Analysten von Morgan Stanley führen dies unter anderem auf hohe strategische Reserven in China sowie zusätzliche US-Exporte zurück. Diese Faktoren hätten bislang verhindert, dass die Auswirkungen der eingeschränkten Hormus-Passage vollständig auf den Weltmarkt übergehen.
Nach Einschätzung der Investmentbank könnte sich diese Stabilisierung jedoch als begrenzt erweisen. Sollten die Lagerbestände schneller sinken als sich die geopolitische Lage entspannt, könnte Brent laut den Analysten in eine Spanne von 130 bis 150 US-Dollar steigen.
Straße von Hormus bleibt entscheidend für den Ölmarkt
Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Energierouten weltweit. Ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Flüssiggasexports wird über die Meerenge transportiert. Entsprechend reagieren die Märkte sensibel auf Meldungen über Angriffe auf Schiffe, militärische Spannungen oder mögliche Blockaden.
Dem Bericht zufolge verlaufen die diplomatischen Gespräche zwischen den USA und Iran bislang schleppend. Gleichzeitig erhöhen Aussagen aus Israel über mögliche militärische Schritte gegen iranische Nuklearanlagen die Unsicherheit. Morgan Stanley verweist darauf, dass die aktuelle Marktstabilität wesentlich davon abhänge, wie lange China seine Reserven weiter nutzen könne und wie stark die USA ihre Exportkapazitäten ausweiten.
Energiepreise rücken wieder stärker in den Fokus
Mit den steigenden Risiken am Ölmarkt rücken Energiepreise auch an den Aktienmärkten wieder stärker in den Fokus. Höhere Ölpreise gelten als möglicher Belastungsfaktor für die Inflation und könnten Erwartungen an Zinssenkungen bremsen. Gleichzeitig profitieren Energieunternehmen häufig von steigenden Rohstoffpreisen.
Im Basisszenario erwartet Morgan Stanley weiterhin eine spätere Entspannung am Ölmarkt. Die Analysten prognostizieren Brent-Preise von rund 100 US-Dollar im dritten Quartal, 90 US-Dollar im vierten Quartal sowie etwa 80 US-Dollar im Jahr 2027 - vorausgesetzt, die Lage rund um die Straße von Hormus stabilisiert sich wieder rechtzeitig.
Was die Entwicklung für Anleger bedeutet
Für Anleger dürfte entscheidend bleiben, ob die Lage rund um die Straße von Hormus kurzfristig entschärft werden kann oder sich die Einschränkungen im Schiffsverkehr weiter verschärfen. Anhaltend hohe Ölpreise könnten nicht nur Energieaktien stützen, sondern zugleich Inflations- und Zinssorgen wieder verstärken. Besonders im Fokus stehen daher neben Ölkonzernen auch Unternehmen aus den Bereichen Transport, Chemie und Industrie, die empfindlich auf steigende Energiekosten reagieren. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Entwicklung, wie stark geopolitische Risiken den Rohstoffmarkt und damit auch die Stimmung an den Aktienbörsen beeinflussen können.
Claudia Stephan, Redaktion finanzen.net
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