ETFs im Blick

Öl, Gas und Energiewende: Warum Volatilität auch Chancen schafft

13.05.26 21:39 Uhr

Öl, Gas und Energiewende: Warum Volatilität auch Chancen schafft | finanzen.net

Die Hoffnung auf eine baldige Einigung zwischen den USA und dem Iran hatte die Ölpreise zuletzt merklich gedrückt. Brent fiel vorübergehend unter die 100-Dollar-Marke.

Doch die Erholung bleibt brüchig: Neue Eskalationen Ende letzter Woche rund um die Straße von Hormuz, darunter direkte Gefechte zwischen US- und iranischen Streitkräften am Eingang der Meerenge, trieben die Preise erneut nach oben.

Die zugrundeliegende Struktur bleibt angespannt. Solange die Straße von Hormuz nicht verlässlich geöffnet ist, bleibt ein geopolitischer Risikoaufschlag fester Bestandteil der Preisbildung. Die Erwartungen, wann der Schiffsverkehr wieder planmäßig aufgenommen werden kann, verschieben sich inzwischen bis weit in den Sommer. Selbst ein Waffenstillstand würde die strukturellen Verwerfungen nicht sofort beheben.

Kein Wunder, dass vor allem Europa Druck spürt. Ergebnis: Die EU sucht aktiv nach mehr Energieunabhängigkeit. Hohe Importkosten beschleunigen Investitionen in die heimische Energieinfrastruktur und schaffen neuen Rückenwind für europäische Energiekonzerne. Gleichzeitig rückt die Energiewende nicht in den Hintergrund, sondern erhält durch die Krise politischen Schub. Wer dafür die nötigen Rohstoffe liefern kann, ist strukturell gut positioniert. Für Anleger ergeben sich damit drei unterschiedliche Zugänge zum Thema Energie, abgestuft nach Risikobereitschaft und Zeithorizont.

Wer direkt am Brent-Ölpreis partizipieren möchte, greift zum WisdomTree Brent Crude Oil (ISIN JE00B78CGV99 / WKN A1N49M). Der börsengehandelte Rohstoff (ETC) orientiert sich an der europäischen Referenzsorte. Erträge werden thesauriert. Das Fondsvermögen beläuft sich auf 781 Mio. Euro, die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 0,49 Prozent p.a. Zu beachten: Eine Währungsabsicherung besteht nicht, der ETC trägt ein zusätzliches Wechselkursrisiko gegenüber dem US-Dollar.

Als aktienbasierte Alternative zum Rohstoffengagement empfiehlt sich der Invesco European Oil & Gas Sector UCITS ETF (ISIN IE00B5MTWH09 / WKN A0RPSB). Der ETF bildet den STOXX Europe 600 Optimised Oil & Gas Index synthetisch nach und konzentriert sich auf hochliquide Titel aus dem europäischen Öl- und Gassektor. Dabei gehört er im thematischen Wettbewerb zu den günstigsten ETFs. Die TER beträgt lediglich 0,20 Prozent p.a. Erträge werden thesauriert, was ihn für wachstumsorientierte Anleger interessant macht. Das Fondsvolumen liegt bei 29 Mio. Euro; die vergleichsweise geringe Größe ist beim Handel zu berücksichtigen.

Den breitesten Horizont eröffnet der iShares Global Clean Energy Transition UCITS ETF USD (Dist) (ISIN IE00B1XNHC34 / WKN A0MW0M). Er bildet den S&P Global Clean Energy Transition Index physisch durch vollständige Replikation nach und hält 100 Positionen aus dem globalen Universum erneuerbarer Energien. Größte Einzelpositionen sind Nextpower (10,2 Prozent), Bloom Energy (9,4 Prozent), First Solar (6,1 Prozent) und der spanische Versorger Iberdrola (5,8 Prozent). Geografisch dominieren die USA mit knapp 30 Prozent, gefolgt von China (16,7 Prozent) und Brasilien (8,5 Prozent). Mit einem Fondsvolumen von 3.111 Mio. Euro gehört dieser ETF zu den größten seiner Kategorie und bietet eine entsprechend hohe Liquidität. Dividenden werden halbjährlich ausgeschüttet, die aktuelle Ausschüttungsrendite liegt bei 1,05 Prozent. Die TER liegt bei 0,65 Prozent pro Jahr.

Fazit: Die Energiemärkte bleiben noch auf längere Zeit geopolitisch getrieben. Die drei vorgestellten Produkte bilden das Themenfeld von der direkten Ölwette über europäische Energietitel bis zum global aufgestellten Portfolio der Energietransformation ab, mit klar abgestuften Risikoprofilen. Anleger sollten berücksichtigen: Bei einer echten Einigung zwischen Washington und Teheran können Preiskorrekturen spürbar ausfallen.

Bildquellen: rvlsoft / Shutterstock.com, Shutterstock