Siemens-Aktie unentschlossen: Konzern bleibt leicht hinter Markterwartungen zurück

Der Technologiekonzern Siemens hat im zweiten Quartal von hoher Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Rechenzentren vor allem in den USA sowie einem starken Softwaregeschäft profitiert.
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Der starke Euro belastete dagegen Umsatz und Ergebnis. Zudem wirkten sich US-Zölle negativ auf den Gewinn aus. "Wir haben ein erfolgreiches zweites Quartal abgeliefert, trotz des weiterhin sehr anspruchsvollen geopolitischen Umfelds", kommentierte Konzernchef Roland Busch am Mittwoch bei der Zahlenvorlage. Die Prognose für den Konzern bestätigte das Unternehmen.
So reagieren Anleger und Analysten
Anleger konnten sich nicht recht entscheiden, wie sie auf die Zahlenvorlage von Siemens reagieren sollten. Das Papier wechselte mehrfach das Vorzeichen. Schlussendlich notierte die Aktie 0,83 Prozent höher bei 266,80 Euro.
Die Resultate seien in den Kerngeschäftsbereichen, auf die sich die Anleger konzentrierten, stark ausgefallen, bemerkte Analyst Phil Buller von JPMorgan. Dies gelte vor allem für das Segment Digital Industries, wo Auftragseingang, Umsatz und Gewinn trotz stärker als erwarteter Wechselkursbelastungen um bis zu 9 Prozent über den Konsensschätzungen lägen.
Dagegen sieht Bernstein-Experte Alasdair Leslie die gute Auftragslage durch die leicht verfehlte Margenerwartung überschattet. Nach den Ergebnissen einiger Wettbewerber seien die Erwartungen am Markt gestiegen. Er sieht im Fehlen einer angehobenen Konzernprognose vielleicht eine leichte Enttäuschung.
Die Aufträge des Technologiekonzerns im Bereich Industrieautomatisierung (DI) fielen laut dem Analysehaus Jefferies im Vergleich zu den zuletzt gestiegenen Investorenerwartungen etwas schwächer aus.
Die Aufträge im Bereich Rechenzentren (DC) hätten dagegen mit einem Wachstum von über 150 Prozent über den Erwartungen gelegen, was zu einem Übertreffen der Aufträge im Bereich Smart Infrastructure (SI) um 35 Prozent geführt habe.
Alexander Hauenstein von der DZ Bank sprach von gemischten Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal. So liege der Umsatz um zwei Prozent unter der Konsensschätzung.
Der Auftragseingang auf Konzernebene habe dagegen die Markterwartung um acht Prozent überboten. Die bereinigten Margen zeigten ein "durchwachsenes" Bild.
Auftragseingänge steigen
In den Monaten Januar bis März stieg der Auftragseingang um 11 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Dabei verzeichnete das Geschäft mit intelligenter Infrastruktur (Smart Infrastructure) einen Auftragsrekord. Das Geschäft für Rechenzentren stach besonders heraus, es erzielte ein Neugeschäft von 1,9 Milliarden Euro. "Hier hatten wir ein Auftragswachstum in dreistelliger prozentualer Höhe. Das ist beispiellos", so Busch. Der Manager geht davon aus, dass der Boom zunächst in den kommenden zwei bis drei Jahren anhalten wird, angetrieben vom Ausbau der Cloud- und KI-Infrastruktur.
Um die Nachfrage bedienen zu können, baut Siemens die Produktion für Nieder- und Mittelspannung in den USA an mehreren Standorten in North Carolina und South Carolina aus. "Zugleich bauen wir unser Partner-Ökosystem für Rechenzentren weiter aus", so Busch. "Das Ziel: mehr Flexibilität für Rechenleistung, für Energieversorgung und die nötige Infrastruktur."
Dagegen stagnierten die Umsätze bei rund 19,8 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis - sprich währungs- und portfoliobereinigt - stiegen die Erlöse um sechs Prozent. Das Ergebnis des industriellen Geschäfts sank sogar um acht Prozent auf knapp drei Milliarden Euro. Dabei konnte die Sparte Digital Industries, die das Automatisierungs- und das Softwaregeschäft enthält, deutlich zulegen. Dabei habe das Softwaregeschäft einen starken Beitrag zur Profitabilität geleistet, erklärte die neue Finanzchefin Veronika Bienert, die kürzlich das Amt von ihrem langjährigen Vorgänger Patrick Thomas übernommen hatte.
Siemens optimistischer für Digital Industries und Smart Infrastructure
Digital Industries profitiert insgesamt zunehmend von der nahezu abgeschlossenen SaaS-Transformation - ein Cloud-basiertes Modell, bei dem Softwareanwendungen über das Internet abonniert statt lokal installiert werden. Dazu kommen Synergien im Zusammenhang mit der Übernahme des US-Anbieters Altair. Auch das vor einiger Zeit schwächelnde Automatisierungsgeschäft zeigt sich wieder stärker.
Smart Infrastructure konnte sich in den meisten Geschäften verbessern, hatte jedoch 2025 beim Ergebnis von einem Verkauf eines Teilbereichs profitiert. Der Gewinn bei Mobility sank wegen Belastungen durch US-Zölle. Die Medizintechniktochter Siemens Healthineers hatte bereits in der vergangenen Woche einen Gewinnrückgang gemeldet.
Unter dem Strich sank der Gewinn um acht Prozent auf 2,2 Milliarden Euro, nachdem im Vorjahr noch die Verkaufserlöse bei Smart Infrastructure das Ergebnis gestärkt hatten. Analysten hatten sich bei Umsatz und operativem Ergebnis etwas mehr erhofft, wobei das vergleichbare Wachstum im Rahmen der Erwartungen lag.
Die Jahresprognose bekräftigte Siemens, wobei der Konzern weiter das obere Ende des erwarteten vergleichbaren Umsatzwachstums von sechs bis acht Prozent anpeilt. Für Digital Industries wurde der Konzern etwas optimistischer und hob die unteren Enden der Spannen für Umsatzwachstum und Ergebnismarge an. Auch Smart Infrastructure dürfte ein etwas stärkeres vergleichbares Wachstum erreichen als gedacht. Bei Mobility senkte Siemens hingegen die Umsatzerwartung.
Der Iran-Krieg hat bislang nur begrenzte Auswirkungen. Busch sieht derzeit keinen wesentlichen Einfluss auf das Kaufverhalten der Kunden. Bezogen auf das Geschäft macht die Region einen Umsatzanteil von drei bis vier Prozent aus.
Zudem kündigte der Konzern dank der positiven Mittelzuflüsse ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu sechs Milliarden Euro über die nächsten fünf Jahre an.
Siemens rechnet längerfristig mit Wachstum im Rechenzentrums-Geschäft
Siemens rechnet sich im boomenden Geschäft mit Rechenzentren längerfristig Wachstum aus. "Das wird noch einige Jahre weiterlaufen", sagte Vorstandschef Roland Busch in der Telefonpressekonferenz zu den Halbjahreszahlen. Der Bedarf an mehr Rechenkapazität im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz sei nach wie vor "extrem stark". Von den Unternehmen, die große Modelle bauten, höre er, dass sie derzeit priorisieren müssten - zwischen dem Training neuer KI-Modelle einerseits und dem Inferencing andererseits, also der praktischen Nutzung der eigenen Modelle durch Kunden. Deshalb werde der Boom wohl noch weitergehen für einige Jahre.
Siemens profitiert von dem Rechenzentren-Boom über seinen Geschäftsbereich Smart Infrastructure, der sich auf Gebäude- und Netztechnik spezialisiert hat. Im zweiten Quartal habe sich das Auftragswachstum in diesem Bereich mehr als verdoppelt, sagte Busch. "Das ist beispiellos - und noch größer als im herausragenden ersten Quartal." Im ersten Halbjahr habe Smart Infrastructure im Rechenzentrumsgeschäft 1,8 Milliarden Euro Umsatz gemacht, ein Plus von mehr als 45 Prozent.
Der Halbjahresumsatz von Smart Infrastructure insgesamt belief sich auf knapp 11,5 Milliarden Euro.
dpa-AFX / Dow Jones Newswires
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