Fed lässt Tür für weitere Zinssenkungen offen


(Wiederholung) FRANKFURT (Dow Jones)--Die US-Notenbank hat ihren Leitzins am Mittwoch abermals verringert und zudem die Tür für weitere Zinssenkungen offen gelassen. Wie der Offenmarktausschuss (FOMC) der Federal Reserve mitteilte, wird der Zielsatz für Tagesgeld um 50 Basispunkte auf 1,00% reduziert. Damit ist das Rekordtief der Fed Funds Rate vom Juni 2003 wieder erreicht. Bereits am 8. Oktober hatte die Notenbank ihren wichtigsten Zins angesichts der Zuspitzung der Finanzkrise bei einer international konzertierten Aktion um 50 Basispunkte gesenkt. Seit September 2007 hat sie nunmehr die Funds Rate um insgesamt 425 Basispunkte verringert.

   Bankvolkswirte hatten mit einer Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt gerechnet, nachdem sich zuletzt die Anzeichen für eine ausgeprägte Rezession in den USA verdichtet hatten und die Aktienkurse an Wall Street kräftig gesunken waren.

   Nach Angaben der US-Notenbank stimmten alle zehn Mitglieder des FOMC für die Zinssenkung. Zudem wurde auf Anfrage der regionalen Federal Reserve Banken von Boston, New York, Cleveland und San Francisco beschlossen, den weniger bedeutsamen Diskontsatz um ebenfalls 50 Basispunkte auf 1,25% herunterzunehmen.

   Die US-Aktienmärkte reagierten verhalten auf den Zinsbeschluss: Zwar sank der Dow-Jones-Index für 30 Industriewerte unmittelbar nach der Veröffentlichung, doch kurz danach erholte sich das Börsenbarometer wieder auf das alte Niveau. Auch der Dollar, US-Staatsanleihen und der Ölpreis zeigten nur wenig Reaktion. Gegen 20.05 Uhr notierte der Dow-Jones-Index um 0,5% höher auf 9.041 Punkten, der S&P-500-Index legte um ebenfalls 0,5% auf 941 Punkte zu. Der Euro notierte bei 1,2851 USD, Rohöl der Sorte Sweet Light Crude stieg um 7,6% auf 67,50 USD.

   In seiner Erklärung betonte der FOMC, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in den USA augenscheinlich deutlich verlangsamt habe, vor allem vor dem Hintergrund rückläufiger Verbraucherausgaben. Zudem wurde eine Abschwächung bei den Unternehmensinvestitionen und der Industrieproduktion konstatiert.

   Angesichts der allgemeinen weltwirtschaftlichen Schwäche warnte der FOMC ferner davor, dass sich die Exportaussichten verschlechtert hätten. Weiteren Abwärtsdruck auf das Ausgabenverhalten der Wirtschaftsakteure erwartet der Ausschuss auch aufgrund der Verschärfung der Finanzkrise, da diese Entwicklung den Zugang der Unternehmen und privaten Haushalte zu Krediten erschweren dürfte.

   Positiv fiel hingegen die Bewertung der Inflationsaussichten aus. Wegen der Verbilligung von Energie und anderen Rohstoffen und vor dem Hintergrund der konjunkturellen Schwäche sei für die kommenden Quartale eine in Richtung Preisstabilität sinkende Inflation zu erwarten, erklärte der FOMC.

   Er zeigte sich in seiner Erklärung zuversichtlich, dass die beschlossene Zinssenkung zusammen mit den anderen Maßnahmen die Finanzkrise entschärfen und die Kreditvergabe sowie das Wirtschaftswachstum fördern sollten. Grundsätzlich warnte der FOMC aber vor anhaltenden Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum. Vor diesem Hintergrund kündigte das Gremium um Fed-Chef Ben Bernanke an, weiterhin alle wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen aufmerksam zu beobachten und gegebenenfalls zu handeln, um nachhaltiges Wachstum und Preisstabilität zu fördern.

   Bankvolkswirte sagten nach dem Zinsbeschluss, dass ein erneutes Lockern der Zinsschraube in der kommenden Zeit nicht auszuschließen sei. Selbst eine Fed Funds Rate von 0% sei nicht mehr auszuschließen, meinte James Knightley von ING Bank mit Blick auf seine Prognose, dass die US-Wirtschaft vier Quartale in Folge schrumpfen wird. Vor diesem Hintergrund warnte er auch davor, dass die USA im kommenden Jahr in eine deflationäre Phase eintreten könnten.

   Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner verwies darauf, dass die Fed auf den Spuren der Bank of Japan wandele und auf dem Weg zu einer amerikanischen Version der Nullzinspolitik sei. Matthias Huth von der Landesbank Baden-Württemberg betonte in diesem Zusammenhang, dass die Inflationsrisiken derzeit in den Augen der US-Währungshüter fast völlig verschwunden seien. Auch er sah die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen.

-Von Peter Trautmann und Andreas Plecko, Dow Jones Newswires; +49 (0) 69 297 25 313 konjunktur.de@dowjones.com DJG/ptt/apo

(END) Dow Jones Newswires

   October 30, 2008 02:00 ET (06:00 GMT)

   Copyright (c) 2008 Dow Jones & Company, Inc.- - 02 00 AM EDT 10-30-08

Information


Die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit werden für Finanzinstrumente von der Finanzen.net Zero GmbH als vertraglich gebundener Vermittler der DonauCapital Wertpapier GmbH (§ 3 Abs. 2 WpIG) bereitgestellt; bei Kryptowerten werden die Handels- und Depotfunktionen in diesem Broker Cockpit ausschließlich von der DonauCapital Wertpapier GmbH bereitgestellt. Die Finanzen.net GmbH stellt ausschließlich den technischen Rahmen bereit und ist in die Wertpapier- und Kryptodienstleistung nicht einbezogen.