ROUNDUP: Währungsfonds bietet Island Milliarden-Kredit an - Düstere Prognosen
REYKJAVIK (dpa-AFX) - Der Internationale Währungsfonds (IWF) will Island einen Kredit über umgerechnet 1,6 Milliarden Euro gewähren, erwartet aber trotzdem schwere Zeiten für die Atlantikinsel. Wie Ministerpräsident Geir Haarde am Freitag in Reykjavik nach dem Abschluss von Verhandlungen zwischen beiden Seiten berichtete, stelle der IWF im Gegenzug für die angekündigten zwei Milliarden Dollar keine "unmöglichen Bedingungen". Über Einzelheiten machten beide Seiten keine Angaben.
Islands Staatshaushalt gilt wegen des faktischen Zusammenbruchs der drei größten Banken als umfassend akut gefährdet. Ein IWF- Sprecher erklärte, die derzeit zweistellige Inflationsrate könne nur mit äußerster Disziplin bei der Finanzpolitik innerhalb eines Jahres auf 4,5 Prozent gedrückt werden. Vordringlichste Aufgabe sei zunächst die Verteidigung des Kronen-Kurses. Das Land stehe in jedem Fall vor "sehr harten Zeiten" und müsse für dieses Jahr mit einem Minus beim Bruttoinlandsprodukt von zehn Prozent rechnen.
Die Währung der kleinen Inselrepublik mit 320.000 Einwohnern hat in den letzten zwölf Monaten knapp drei Viertel ihres Wertes gegenüber dem Euro verloren. Der Kreditbedarf der isländischen Nationalbank zur Stabilisierung der Krone gilt als wesentlich höher als der vom IWF angekündigte Betrag. Offen blieb, inwieweit die nordeuropäischen Partnerländer sowie Japan ihre generell signalisierte Bereitschaft zu weiteren Stützkrediten umsetzen.
Haarde meinte zur vorläufigen Einigung mit dem Währungsfonds: "Island ist jetzt in einer viel besseren Position, um wieder eine gesunde Basis für Wirtschaft und Finanzen in unserem Land zu schaffen." Außenministerin Ingibjörg Sólrún Gísladóttir sagte: "Ich bin davon überzeugt, dass internationale Kooperation und Solidarität entscheidend dafür sind, dass wir Islands guten Namen im Ausland wieder zurückgewinnen können."
Als wichtigster Grund für die Havarie des Finanzsystems der Inselrepublik gilt die durch Kredite finanzierte Expansion der führenden Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir im Ausland. Ungeklärt ist dabei, ob und in welchem Maß die Regierung in Reykjavik auch Einlagen ausländischer Kunden absichert. In Deutschland sind gut 30.000 Kaupthing-Kunden von diesem Problem betroffen./tb/DP/zb