UPDATE: EZB ändert Tenderprozedur und engt Zinskorridor ein
(NEU: Hintergund, Stimmen von Bankvolkswirten)
Von Hans Bentzien Dow Jones NEWSWIRES FRANKFURT (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) ändert die Prozedur für ihre einwöchigen Hauptrefinanzierungsgeschäfte und hat zudem den Leitzinskorridor eingeengt. Wie die EZB am Mittwochabend mitteilte, wird sie ab dem Refinanzierungsgeschäft vom 15. Oktober 2008 (Valutierungstag) vom Zinstenderverfahren abgehen. Außerdem sinkt die Differenz zwischen oberem und unterem Ende des Leitzinskorridors von 200 auf 100 Basispunkte.
Statt des Zinstenderverfahrens, bei dem Institute Gebote zu unterschiedlichen Zinssätzen (mindestens aber dem Mindestbietungssatz) abgeben, will die EZB nun ein Festzinsverfahren einführen. Dabei geben die Institute an, welchen Betrag sie zum Mindestbietungssatz von 3,75% wünschen. Die EZB teilte mit, sie werde jeden gewünschten Betrag zuteilen.
Damit unterschiede sich dieses Verfahren von einem Mengentender, bei dem die EZB ebenfalls einen festen Bietungssatz vorgibt, aber anschließend eine Zuteilungsquote berechnet, indem sie das insgesamt beabsichtigte Zuteilungsvolumen auf die gesamte Angebotssumme bezieht und ins Verhältnis zu den Geboten der einzelnen Institute setzt.
Die EZB hatte das Mengentenderverfahren am Beginn ihrer geldpolitischen Operationen angewendet, dann aber am 21. Juni 2000 wegen der Neigung der Institute zu Überbietungen zu Gunsten des seither angewendeten Zinstenderverfahrens abgeschafft. Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert sagte, nach seinen Informationen gehe EZB derzeit von der Annahme aus, dass die Institute nur Gebote über die tatsächlich benötigte Liquuiditätsmenge abgeben werden.
"Ich befürchte aber, dass das Überbieten schon bei der ersten Auktion am 15. Oktober los geht", sagte er. Banken, die über viele Kollateral-Papiere verfügten, könnten versucht sein, sich über hohe Gebote viel Geld zu besorgen. Insgesamt aber begrüßte Schubert diese Maßnahme wie auch die Einengung des Leitzinskorridors.
Diese geschieht in der Weise, dass der marginale Einlagensatz ab sofort nur noch um 50 Basispunkte unter dem Leitzins, und der Spitzenrefinanzierungssatz nur noch um 50 Basispunkt über dem Leitzins liegt. Beide Maßnahmen trügen dazu bei, in diesen turbulenten Zeiten die Refinanzierungkosten der Banken zu senken, sagte Commerzbank-Volkswirt Schubert.
Er wies aber andererseits darauf hin, dass die Anhebung der Verzinsung der marginalen Einlagenfazilität einen falschen Anreiz setzen könnte. Diese Fazilität sei bereits bei der niedrigeren Verzinsung heftig genutzt worden. Wenn ihre Verzinsung nun noch steige, hätten die Banken noch weniger Grund den Interbankenmarkt wiederzubeleben, sagte er.
Wie die EZB mitteilte, bleiben die Änderungen hinsichtlich Tenderverfahren und Zinskorridor so lange wie erforderlich - mindestens aber bis zum Ende der ersten Mindestreserveperiode des nächsten Jahres (20. Januar 2009) - in Kraft. Am Mittwochnachmittag hatte die EZB ihren Leitzins im Rahmen einer weltweit konzertierten Aktion per 15. Oktober um 50 Basispunkte auf 3,75% gesenkt.
-Von Hans Bentzien, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 297 25 313, Hans.Bentzien@dowjones.com DJG/hab/sgs (END) Dow Jones Newswires
October 09, 2008 03:49 ET (07:49 GMT)
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