EZB/Constancio: Negativzinsen haben viele ihrer Ziele erreicht

10.06.16 15:16 Uhr

   Von Hans Bentzien

   ELTVILLE (Dow Jones)--Die Europäische Zentralbank (EZB) hat viele Ziele ihrer Negativzinspolitik nach Aussage von EZB-Vizepräsident Vitor Constancio erreicht. Bei der Frühjahrskonferenz der Deutschen Bundesbank in Eltville bei Wiesbaden sagte Constancio, diese Ziele seien eine Senkung der kurzfristigen Marktzinsen, eine Senkung der mittelfristigen Anleiherenditen, ein rascherer Umschlag der Überschussresreven, eine Änderung der Bankbilanzportfolien und eine Senkung des Euro-Wechelkurses gewesen. "Viele dieser Ziele wurden erreicht", sagte Constancio.

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   Die EZB hat ihren Satz für Bankeinlagen im Dezember 2015 erstmals in den negativen Bereich bewegt. Seit März liegt dieser Satz bei minus 0,40 Prozent. Constancio räumte ein, dass eine Politik negativer Zinsen mit Kosten und Risiken einhergeht. "Das wahre Limit für diese Politik stellen die Bankgewinne dar", sagte der EZB-Vizepräsident. Nach seiner Aussage hat sich die EZB-Geldpolitik insgesamt aber positiv auf die Bankgewinne ausgewirkt. Eine weitere limitierende Größe für Negativzinsen sei eine starke Präferenz für Bargeld.

   Ein Problem für die Finanzstabilität stellen Negativzinsen laut Constancio bisher nicht dar. "Wir können in Europa nicht von einer generellen Überbewertung der Asset-Märkte sprechen", sagte er. Allenfalls in einigen Teilmärkten sei das der Fall. Im Übrigen könne die Bewahrung von Finanzstabilität für die Geldpolitik keine Priorität haben.

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   Constancio sagte, gegenwärtig sei der reale Gleichgewichtszins sowohl in der Eurozone als auch in den USA negativ. Die Geldpolitik reagiere lediglich auf diese Realität, sie sei keine Problem, sondern Teil der Lösung. Er sei zuversichtlich, dass die Geldpolitik der EZB zu höherer Inflation führen werde und dann könnten auch die Zinsen wieder steigen.

   Teil der EZB-Geldpolitik sind allerdings nicht nur negative Zinsen. Die Zentralbanken des Euroraums kaufen derzeit monatlich Wertpapiere für 80 Milliarden Euro, seit Mittwoch dieser Woche auch Unternehmensanleihen. Der größte Teil der Papiere sind jedoch Staatsanleihen, die die Zentralbanken der Euro-Länder auf eigenes Risiko erwerben.

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   June 10, 2016 09:02 ET (13:02 GMT)

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