Solarbranche

China-Solar-Sektor: Ruhe vor dem Sturm?

31.10.10 20:19 Uhr

Kurz vor Beginn der anlaufenden Berichtsaison hielten sich die Anleger bei den chinesischen Solar-Unternehmen auffallend bedeckt.

Das Solactive China Solar Index Zertifikat (DB2CSL) korrigierte im Wochenvergleich um 0,6 Prozent auf 6,50 Euro. Der Index enthält die Aktien von 9 großen chinesischen Solarunternehmen.

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Beherrschendes Thema waren gegen Ende der Woche die neuen Quartalszahlen des Dünnschicht-Weltmarktführers First Solar. Obwohl das US-amerikanische Unternehmen die Jahresprognose erhöhte, nachdem der Umsatz im dritten Quartal um 66 Prozent zugelegt hat, gab es bei den Anlegern lange Gesichter. Die Anteilsscheine von First Solar kamen nach Bekanntgabe der Zahlen deutlich unter Druck, da die Gewinnmarge - im Vorquartal noch bei 48,3 Prozent - jetzt auf 40,3 Prozent fiel. Das Unternehmen dürfte in Zukunft nur mit niedrigen Preisen auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sein, doch aufgrund der gesunkenen Gewinnspanne stellt sich nun die Frage, wie viel Einsparungspotenzial es bei dem US-Konzern überhaupt noch gibt.

Die Kursverluste bei First Solar unmittelbar nach den Quartalszahlen legen nahe, dass die Aktionäre offenbar einen neuen Preiskrieg im Solar-Sektor befürchten. Gleichzeitig ist es kein Geheimnis, dass die Konkurrenten aus Fernost bei eventuellen Preissenkungen eine ungleich bessere Ausgangsposition haben, als der US-Konzern. Insbesondere die vertikal integrierten Solarunternehmen aus China besitzen ein hohes Maß an Kostenkontrolle und damit auch ein großes Einsparungspotenzial durch Rationalisierungsmaßnahmen. Nicht umsonst verstärken derzeit Firmen wie Yingli Green Energy oder LDK Solar ihre Anstrengungen, den gesamten Prozess von der Siliziumherstellung bis hin zum fertigen Solarmodul unter ihrem Dach zu vereinen. Zwar ist es zu früh, die Marktführerschaft von First Solar in Frage zu stellen – der Umsatz von 797,9 Millionen US-Dollar im dritten Quartal ist nach wie vor grundsolide – doch die Konkurrenz schließt allmählich auf. Sollten die chinesischen Unternehmen auf die Idee kommen, im nächsten Quartal ihre Preise zu senken, wäre dies keine gute Nachricht für First Solar.

Für ReneSola jedenfalls sieht die Zukunft rosig aus, zumindest wenn man den Analysten Glauben schenken will. Laut einer neuen Schätzung soll das Unternehmen, das im letzten Geschäftsjahr noch ein Minus von 0,43 US-Dollar je Aktie ausweisen musste, in diesem Jahr insgesamt auf einen Gewinn von 1,59 US-Dollar je Aktie kommen.

Dass die hohe Nachfrage nach Solartechnik - trotz Kürzung der Fördermittel in Europa - weiterhin ungebrochen ist, bekommt auch JA Solar zu spüren: Der Solarzellenhersteller hat am Dienstag die Absatzprognose für das dritte Quartal um 9 Prozent erhöht – ein gutes Omen für die demnächst anstehenden Quartalszahlen. Statt der erwarteten 375 Megawatt sollen Solarprodukte mit einer Gesamtkapazität von 410 Megawatt über den Ladentisch gegangen sein. Dies entspräche einem Zuwachs von 131,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und von 31,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Analysten gehen davon aus, dass JA Solar für das dritte Quartal voraussichtlich einen Umsatz im Bereich von etwa 450 Millionen US-Dollar ausweisen wird.

Und wie nahezu jede Woche gibt es auch eine neue Jubelmeldung von LDK Solar: Das Solarunternehmen im Expansionsrausch hat jetzt mit BYD ein zweijähriges Lieferabkommen für Polysilizium abgeschlossen. Der chinesische Batteriehersteller und Elektroauto-Pionier folgt damit dem Beispiel anderer Industriekonzerne wie Samsung, Siemens, Toshiba, LG, Hyundai und LG, die zuletzt ihr Portfolio auch auf den Bereich erneuerbarer Energie ausgeweitet haben. Um von dem erhofften Solarboom zu profitieren, will BYD in den nächsten fünf Jahren mehr als drei Milliarden US-Dollar investieren – unter anderem in den Bau eines der größten Werke für Solarbatterien in China. Und auch sonst gibt sich BYD nicht gerade bescheiden: Von Januar 2011 bis Dezember 2012 wird LDK Solar dem Unternehmen Polysilizium im Wert von etwa 300 Millionen US-Dollar liefern.

Zwar ist dieser Abschluss für LDK Solar ein großer Erfolg, doch für den Abnehmer des Siliziums stand diese Ankündigung unter keinem guten Stern: Wenig später wurde bekannt, dass BYD geradezu desaströse Gewinneinbußen im dritten Quartal hinnehmen musste, was unter anderem dadurch erklärt wurde, dass die Batteriesparte zunehmend Konkurrenz bekommt und sich der Zuwachs beim Autoabsatz verlangsamt hat. Für das Unternehmen, an dem Warren Buffets Unternehmen Berkshire Hathaway einen Anteil von 9,89 Prozent hält, ist die Investition in die Solartechnik möglicherweise eine Flucht nach vorne, um Verluste aus anderen Bereichen zu kompensieren – ob BYD allerdings noch rechtzeitig auf den fahrenden Zug aufgesprungen ist, wird die Zukunft zeigen. Dasselbe gilt für die anderen Großkonzerne, die erst vor Kurzem die Solarsparte für sich entdeckt haben.

Doch das Beispiel BYD zeigt auch, dass sich selbst die Schwergewichte weiterhin von Solar-Spezialisten wie LDK beliefern lassen – in diesem Fall mit dem Grundstoff Silizium. Solange dieser Trend anhält, dürfte nur eine geringe Gefahr bestehen, dass die traditionellen Solarunternehmen von den Industriegiganten verdrängt werden.

Die im Solactive China Solar Index enthaltenen Einzelwerte sind:   Yingli Green Energy Holding
JA Solar Holdings
Canadian Solar
Trina Solar
Solarfun Power Holdings
ReneSola
China Sunergy
Suntech Power Holdings
LDK Solar

(www.emfis.com)