Negativzinsen bleiben

Japanische Zentralbank behält Billiggeld-Kurs bei

15.03.16 09:42 Uhr

Japanische Zentralbank behält Billiggeld-Kurs bei | finanzen.net

Japans Zentralbank hält die Geldschleusen unverändert weit geöffnet.

Die Bank von Japan (BoJ) beschloss am Dienstag nach zweitägigen Beratungen, die Geldmenge wie gehabt um jährlich 80 Billionen Yen (rund 632 Mrd Euro) auszuweiten. Auch an dem im Januar überraschend eingeführten Negativzins von minus 0,1 Prozent zur Ankurbelung der Preise und des Wirtschaftswachstums halten die Notenbanker fest.

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Allerdings beschlossen die Währungshüter auf ihrer Sitzung eine Ausnahmeregelung bei den Negativzinsen. Demnach sind künftig Geldmarktfonds, mit denen auch größere Unternehmen Geld bei der Notenbank parken können, nicht von den Negativzinsen betroffen. Nach Einschätzung von Experten werden durch die Ausnahmeregelung generell Grenzen aufgezeigt, die eine Politik von Strafgebühren hat.

INFLATIONSERWARTUNGEN ERNEUT GESENKT

Ähnlich wie die Bank of Japan kämpft auch die Europäische Zentralbank (EZB) mit allen Mitteln gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche: Die Währungshüter senkten erst vor wenigen Tagen den Leitzins von 0,05 Prozent auf null Prozent und den Zinssatz für Bankeinlagen bei der EZB auf minus 0,4 Prozent. Zugleich pumpt die EZB noch mehr Geld in den Markt.

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Die japanischen Notenbanker kämpfen seit Jahren darum, nach einer langen Deflation mit stetig fallenden Preisen ein Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen. Doch das gestaltet sich wegen des Ölpreisverfalls schwierig. Nach Einschätzung von Notenbankchef Haruhiko Kuroda haben sich die Inflationserwartungen zuletzt abgeschwächt. Er geht davon aus, dass die Verbraucherpreise erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres die angestrebte Teuerungsrate von zwei Prozent erreichen werden. Zuletzt hatte die Notenbank den Zeitpunkt zur Erreichung des Inflationsziels bereits mehrfach nach hinten verschoben.

BOJ NOTFALLS ZU WEITEREN MASSNAHMEN BEREIT

Fallende Preise gelten als problematisch, weil sinkende Erlöserwartungen Unternehmer davon abhalten können, neue Investitionen zu tätigen. Im Januar dümpelten die Verbraucherpreise weiter vor sich hin. Vor allem wegen der weiterhin schwachen Ausgaben der Verbraucher, die in Japan zu rund 60 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes beitragen, war die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt im Schlussquartal 2015 um eine hochgerechnete Jahresrate von real 1,1 Prozent geschrumpft.

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Notenbankchef Haruhiko Kuroda zeigte sich dennoch überzeugt, dass der Negativzins Wirkung auf die Realwirtschaft wie auch auf die Preisentwicklung zeigen werde. Notfalls sei man bereit, weitere Schritte zur Lockerung der Geldpolitik zu ergreifen.

BOJ SIEHT "TREND EINER MODERATEN ERHOLUNG"

Die Wirtschaft des Landes habe ihren "Trend einer moderaten Erholung" trotz schwächelnder Exporte fortgesetzt, erklärte die BoJ. In der Sprache der Zentralbank bedeutet diese Formulierung eine leichte Herabstufung in der Einschätzung der Wirtschaftslage. Im Januar hatte die BoJ noch klarer formuliert, die Wirtschaft erhole sich moderat.

An der Börse stieß die Entscheidung der BoJ, vorerst keine weitere Lockerung der geldpolitischen Zügel vorzunehmen, auf Enttäuschung. Der Nikkei-Index (Nikkei 225) gab um 0,68 Prozent auf 17 117,07 Punkte nach. Japans Währung Yen kletterte 0,7 Prozent nach oben auf 113,00 Yen für einen Dollar. Ein starker Yen ist schlecht für die heimische Exportwirtschaft, weil er Waren im Ausland verteuert./ln/DP/jkr/fbr

TOKIO (dpa-AFX)

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