EZB-Chefvolkswirt Praet: Im Kampf gegen schwache Inflation gibt es keine Tabus
FRANKFURT (dpa-AFX) - Im Kampf gegen die niedrige Inflation prüft die EZB offenbar alle denkbaren Instrumente. Es gebe bei den Beratungen keine Tabus, sagte EZB-Dirketoriumsmitglied Peter Praet in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Grund seien Sorgen wegen der schwachen Inflation. "Wir sind in einer Situation, in der das Risiko besteht, dass sich der Zeitrahmen zur Erreichung des Inflationsziels einmal mehr nach hinten verschieben könnte", sagte Praet. Es bestehe die Gefahr, dass das Ziel bis 2017 noch nicht erreicht werden könnte. Bei der kommenden Sitzung im Dezember werde man die neuesten Konjunkturprognosen bewerten.
Die EZB schaue sowohl auf die kurzfristige als auch auf die langfristige Rendite, sagte Praet. Auf die kurzfristige Rendite wirkt vor allem der Leitzins. Bei der langfristigen Rendite ist das milliardenschwere Anleihekaufprogramm entscheidender. Über die Wirksamkeit des Anleihekaufprogramms dürften am Dienstag noch neue Daten zur Geld- und Kreditmenge Aufschluss geben.
Im Anschluss an die EZB-Sitzung vergangene Woche hatte EZB-Chef Mario Draghi weitere geldpolitische Lockerungen bei der kommenden Sitzung im Dezember in Aussicht gestellt. Explizit ist er auf die Möglichkeit einer Ausweitung des Anleihekaufprogramms sowie auf eine mögliche weitere Absenkung des Einlagenzinses eingegangen, also des Zinssatzes, den Banken normalerweise für bei der EZB geparktes Geld erhalten. Weil der Zins zurzeit negativ ist, müssen die Geldhäuser für derartige Einlagen bezahlen./tos/bgf