GESAMT-ROUNDUP/Forster: Werden Bundesregierung alle Fragen zu Opel beantworten
(Neu: Mit Stimmen aus der Politik)
GENF (dpa-AFX) - Der US-Autokonzern General Motors (GM) will alle Hindernisse auf dem Weg zu möglichen Staatshilfen für die deutsche Tochter Opel so rasch wie möglich aus dem Weg räumen. "Wir werden sehr, sehr schnell antworten", sagte GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster am Dienstag auf dem Autosalon in Genf. Er habe aber Verständnis für die Position der Bundesregierung, das Rettungskonzept für den Autobauer in den nächsten Wochen zunächst gründlich prüfen zu wollen. "Wir glauben, alle Fragen beantworten zu können." GM-Vizechef Fritz Henderson lehnte auch eine künftige Minderheitsbeteiligung von GM an Opel nicht mehr rundweg ab. "Wir müssen für alle Möglichkeiten offen sein."
Forster drängte allerdings auf schnelle Hilfe. "Wir brauchen Unterstützung von der deutschen Regierung. Wir haben keine Reserven. Diese Krise ist zu tief, um sie ohne Hilfe zu überstehen." Opel drohe bereits Anfang des zweiten Quartals das Geld auszugehen. Befürchtungen, mögliche Hilfen für Opel könnten an die US-Mutter fließen, wies er zurück. "Wir werden sicherstellen, dass das Geld nicht aus der Firma fließt."
BUNDESREGIERUNG HÄLT SICH HILFSOPTION OFFEN
Die Bundesregierung hatte nach einem Gespräch mit der Opel-Führung am Montag weiter offen gelassen, ob sie dem Unternehmen Staatshilfen gewähren wird. Zuvor will der Bund gesichert sehen, dass das Geld Opel selbst und nicht dem Mutterkonzern in den USA zugute kommt. Und hier sieht sie vor allem Schwierigkeiten bei einer Abkoppelung.
Ungeachtet der Zurückhaltung der Bundesregierung gab sich Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) optimistisch, dass es staatliche Hilfen für Opel geben wird. "Ich sehe sehr viele gute Argumente für Opel", sagte Koch, in dessen Bundesland das Rüsselsheimer Stammwerk von Opel angesiedelt ist, am Dienstag im Deutschlandfunk. Hilfe um jeden Preis werde es zwar nicht geben, aber "wenn zu verantwortbaren Bedingungen geholfen werden kann, muss auch geholfen werden", sagte er.
Opel biete marktfähige Produkte an, sagte Forster. Entscheidend sei nun, die Krisenzeit zu überbrücken. "Die Frage ist nun, ob wir stärker oder schwächer aus der Krise hervorgehen." In Europa hingen 50.000 Beschäftigte an Opel, davon etwa die Hälfte in Deutschland. Eine Pleite hätte ernste Folgen. "Wenn uns das Geld ausgehen würde, hätte das massive Auswirkungen auf die Beschäftigtenzahlen." Opel versuche die Schließung von Standorten zu vermeiden. Auszuschließen sei derzeit aber keine Option. Derzeit kämpfe das Unternehmen mit Überkapazitäten von rund 30 Prozent.
STEINBRÜCK: KEIN TRAGFÄHIGES RETTUNGSKONZEPT ERKENNBAR
Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) kritisierte, er könne bisher kein tragfähiges Rettungskonzept für Opel erkennen. In der ARD-Sendung "Beckmann" sagte er am Montagabend: "Es macht keinen Sinn, dass wir Opel Geld zur Verfügung stellen, das möglicherweise ganz irgendwo anders landet, nämlich in den USA. Und mir ist bisher nicht ganz klar, wie der Abnabelungsprozess laufen soll." Koch sprach sich dagegen aus, den Opel-Mutterkonzern GM von den Zukunftsplanungen weitgehend auszuschließen. "Ohne am Ende im internationalen Verbund eines großen Automobilkonzerns zu sein, wird das europäische Automobilunternehmen nicht erfolgreich sein."
Der Rettungsplan sieht eine weitgehende Herauslösung von Opel aus dem Mutterkonzern vor. Die Marken Opel und Vauxhall sollen in einer selbstständigen europäischen Gesellschaft zusammengefasst werden, an der sich neben GM auch Investoren beteiligen können. Insgesamt benötigt der Autobauer nach eigenen Angaben neues Kapital von weit mehr als 7 Milliarden Euro. Neben staatlichen Hilfen von 3,3 Milliarden Euro erwartet Opel drei Milliarden Euro von GM. Der Beitrag möglicher Investoren ist allerdings offen. Zudem sollen knapp 1,0 Milliarden Euro eingespart werden./mf/DP/she