Es ist kein Geheimnis, dass sich die Verteidigungslandschaft Europas in einem seit dem Kalten Krieg nicht mehr gesehenen Tempo drastisch verändert. Im Jahr 2022 erreichten die Militärausgaben Mittel- und Westeuropas zusammen 345 Milliarden US-Dollar und übertrafen damit das Niveau von 1989, als der Kalte Krieg zu Ende ging1. Wenn es eine häufig erwähnte „Friedensdividende“ gibt, ist das die Zeit, in der Wiederaufrüstung belohnt wird. Sogar traditionell pazifistische Länder stocken ihre Verteidigungsausgaben auf, während Frontstaaten wie Polen und die baltischen Nationen weit über 2 % des BIP (das NATO-Ziel für Verteidigungsausgaben) vorsehen, um ihre Streitkräfte zu stärken.

 

Bemerkenswert ist, dass europäische Amtsträger, darunter der (geldpolitische) EZB-Direktor Olli Rehn, ausdrücklich gemeinsame EU-Programme zur Finanzierung von Luftabwehr und Drohnenproduktion gefordert haben, um die Ukraine zu unterstützen und Europas eigene Verteidigung zu stärken, auch wenn dies eine Lockerung der Haushaltsvorschriften bedeutet . Wenn sich die Geldpolitiker zu den Verteidigungsausgaben äußern, sollte man das nicht ignorieren.

 

Abbildung 1: Verteidigungsausgaben in NATO-Europa insgesamt, Mrd. EUR

Quelle: Anlegerpräsentation von Leonardo S.p.A., 12. März 2025.

 

Der WisdomTree Europe Defence UCITS ETF (WDEF) ist besonders gut aufgestellt, um von diesem Trend zu profitieren, da er ausschließlich in die europäische Rüstungs-Wertschöpfungskette investiert und ein Engagement in mehr als 20 führenden europäischen Verteidigungsunternehmen bietet. Diese Unternehmen sind stark in Landsystemen (z. B. Fahrzeuge) und in der Luftverteidigung (z. B. Drohnen) engagiert und sind besonders gut auf die prognostizierten höheren europäischen Militärausgaben ausgerichtet. Der börsengehandelte Fonds (Exchange-Traded Fund, ETF) konzentriert sich ausschließlich auf in Europa notierte Unternehmen, deren Umsatzerlöse zu mindestens 10 % aus der Verteidigungsindustrie stammen, wobei die Gewichtung der einzelnen Unternehmen direkt an den Anteil ihrer Umsatzerlöse aus dem Verteidigungsbereich gekoppelt ist. Daher erhält ein kleineres Unternehmen wie Rheinmetall (das 70 % seines Umsatzes im Verteidigungsbereich erzielt) eine Gewichtung von 12,5 %, während ein größerer Konzern wie Airbus (der nur 20 % seines Umsatzes in der Verteidigung erzielt) lediglich eine Gewichtung von 7,5 % aufweist.

 

Zwei wichtige europäische Rüstungsaktien

 

Zwei Titel im WisdomTree European Defence UCITS ETF (WDEF), Dassault Aviation und Leonardo S.p.A., tragen wesentlich zur rüstungsindustriellen Basis Europas bei und werden besonders von der Wiederaufrüstung des Kontinents profitieren. Vor allem unbemannte Luftfahrzeuge (Unmanned Aerial Vehicles, UAVs) – von Überwachungsdrohnen bis hin zu kampffähigen Systemen – sind ein Bereich, in dem beide Unternehmen aktiv Kompetenzen entwickeln, die mit den europäischen Verteidigungsprioritäten in Einklang stehen.

 

Dassault Aviation – lange Zeit ein Begriff für Kampfflugzeuge – war federführend bei Europas unbemannter, selbständig agierender Tarnkappen-Kampfdrohne (UCAV) nEUROn. nEUROn wurde in den 2000er-Jahren als multinationales Projekt unter der Leitung von Dassault Aviation und mit Beiträgen mehrerer europäischer Partner, darunter Leonardo S.p.A. (damals Alenia), ins Leben gerufen3. nEUROn vereint viele kritische Komponenten moderner Kriegsführungssysteme, darunter autonome Flugsteuerung und Tarnkappendesign (Stealth). Das Projekt ist auch ein Beispiel für die europaweite Zusammenarbeit im Bereich UAVs. Leonardo S.p.A. ließ sich nicht von der Konkurrenz ausstechen und entwickelte seine eigene Familie mittelgroßer Drohnen (z. B. die UAV-Serie Falco). Ganz zu schweigen von der Zusammenarbeit mit Unternehmen wie BAE Systems (einer weiteren Position des WDEF) beim Eurofighter Typhoon und den Tempest/GCAP-Kampfflugzeugprogrammen der nächsten Generation.

 

Dassault Aviation und Leonardo S.p.A. sind im Grunde die Hauptakteure, die Europas Bestreben nach strategischer Autonomie im Verteidigungsbereich ermöglichen, und dürften von der Umstellung auf UAVs profitieren – einem Wandel, der zu Beginn des 21. Jahrhunderts allmählich einsetzte und sich mit den Erfahrungen aus dem Konflikt in der Ukraine deutlich beschleunigt hat. Europäische Militärs haben aufgepasst: Drohnen haben ihren Wert für die Aufklärung, die Zielerfassung und sogar für Präzisionsschläge bewiesen und die Dynamik auf dem Schlachtfeld grundlegend verändert. Es ist eine Welt der UAVs, in der alte Technik einfach mitlebt. 

 

Dassault Aviation und Leonardo S.p.A. sind zwar keine großen Hersteller von kleinen Drohnen, aber es sieht nicht so aus, als ob sie ins Hintertreffen geraten würden. Leonardo S.p.A. entwickelt Drohnenabwehrsysteme und elektronische Störsender. Das leuchtet ein. Der zunehmende Einsatz von Drohnen lässt die Nachfrage nach UAV-Abwehrtechnologie steigen – ein Bereich, in dem die Elektroniksparte von Leonardo S.p.A. von der radar- und lasergestützten Neutralisierung von Drohnen profitieren dürfte4.

 

Allianzen sind der Weg in die Zukunft

 

Der Anstieg der europäischen Verteidigungsausgaben vergrößert den Kuchen für die Industrie, intensiviert darüber hinaus aber auch sowohl den Wettbewerb als auch die Zusammenarbeit zwischen Verteidigungsunternehmen. Interessanterweise wird die Zusammenarbeit im Bereich UAVs oft als der schnellste Weg angesehen, um Kompetenzlücken zu schließen. Sowohl Dassault Aviation als auch Leonardo S.p.A. haben ihre Bereitschaft gezeigt, mit traditionellen Wettbewerbern oder sogar außereuropäischen Unternehmen zusammenzuarbeiten, wenn dies strategisch sinnvoll ist.

 

Abbildung 2: Auftragseingang, Nettoumsatz, Auftragsbestand (in Mrd. EUR)

Quelle: Anlegerpräsentation von Dassault Aviation, 5. März 2025.

Zu diesem Zweck ist Leonardo S.p.A. ein Joint Venture mit dem türkischen Unternehmen Baykar Technologies eingegangen, um in Italien UAVs zu produzieren, die die in der Ukraine kampferprobten Konstruktionen von Baykar mit den Sensoren und der Elektronik von Leonardo nutzen. In einem schnellen Anlauf will das Joint Venture sein erstes Produkt (basierend auf der Akıncı-Drohne von Baykar) innerhalb von 18 Monaten liefern5.  Und das dürfte keine einmalige Sache sein. Der CEO der Leonardo S.p.A. betonte vor Kurzem, dass „Allianzen der Weg in die Zukunft“ seien, um die Produktion von Verteidigungsgütern ohne übermäßige neue Infrastruktur anzukurbeln6. Das zugrunde liegende Thema ist einfach: Es soll schnell mehr produziert werden.

 

Dassault Aviation und Leonardo S.p.A. befinden sich an der Schnittstelle dieses Wandels – gestützt durch makroökonomische Trends und politische Entschlossenheit – und liefern die Technologien, die die europäische Sicherheit in den kommenden Jahrzehnten prägen werden. Die zunehmende Bedeutung von UAVs ist ein Mikrokosmos der allgemeinen Lage: Drohnen sind nicht mehr nur eine Nebenanschaffung, sondern eine unverzichtbare Komponente. Insbesondere die Entwicklung von UAVs ist sowohl ein Wachstumsmarkt als auch eine strategische Notwendigkeit. Dassault Aviation und Leonardo S.p.A. nutzen ihr umfassendes Know-how und gehen neue Partnerschaften ein, um sicherzustellen, dass Europas Streitkräfte über die benötigten Drohnen verfügen.

 

Fazit

 

Das Narrativ? Umverteilung und Wiederaufrüstung. Der Zeitplan lässt sich am besten mit „Verteidigung auf lange Sicht“ beschreiben. Die Gewinner sind die Unternehmen, die Europas Kompetenzlücken schließen können. Dassault Aviation ist das Aushängeschild der europäischen Luft- und Raumfahrt und wird nun von einem starken politischen Willen und finanziellen Mitteln getragen.

 

1World military expenditure reaches new record high as European spending surges | SIPRI
2ECB's Rehn calls for joint European investment in air defence, drones | Reuters
3Dassault nEUROn to fly again, driving France’s new combat drone development – AeroTime
4Leonardo projects €30 billion in revenue by 2029 | Shephard
5Italy's Leonardo, Turkey's Baykar to set up drone joint venture | Reuters
6Leonardo CEO denies talks with automakers on military production | Reuters

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