Interview mit Birgit Steinberger, Expertin für strukturierte Wertpapiere

Birgit, du bist seit über 20 Jahren in der Finanzbranche. Warum hast du dich für diesen Weg entschieden?

Ich habe mich schon in der Schule für wirtschaftliche Entwicklungen und Politik interessiert. Alles, was mit Zahlen zu tun hat, hat mir großen Spaß gemacht. Meine Leistungskurse waren daher Mathematik, Politik und Wirtschaft. Während meines Studiums habe ich in Vorlesungen festgestellt, wie eng Politik, Wirtschaft und die Kapitalmärkte miteinander zusammenhängen und wie spannend das ist. So habe ich schnell gewusst: In diesem Bereich möchte ich arbeiten.

Spannend! Allerdings ist die Finanzbranche stark männlich geprägt. Was können Frauen gewinnen, wenn sie sich für eine Karriere in dieser Branche entscheiden?

Eine ganze Menge. Vor allem gewinnen sie finanzielle Unabhängigkeit. Sie lernen, sich intensiver mit ihren Finanzen auseinanderzusetzen und haben die Möglichkeit, Schritt für Schritt zu souveränen Investorinnen zu werden. Zudem erleben sie das tägliche Marktgeschehen, wodurch sie sich persönlich weiterentwickeln. Hinzu kommen zahlreiche Netzwerke und Mentoring-Programme. Dadurch können sich Frauen austauschen, ihre Sichtbarkeit verbessern und möglicherweise spannende Karrierechancen entwickeln.

Wie bist du zum Investieren gekommen?

Während meines Studiums wurde das Marktsegment „Neuer Markt“ gegründet, in dem vor allem junge, wachstumsorientierte Unternehmen vertreten waren. Jeder wollte dabei sein. Auch ich investierte in Aktien aus diesem Bereich. Aber: Einige Jahre später kam der Abstieg des Neuen Marktes. Dadurch habe ich früh gelernt, nicht jedem Hype hinterherzulaufen.

Was war dein bisher bestes Investment?

Ich denke, es kommt gar nicht auf das eine perfekte Investment an. Sinnvoller ist es, ein langfristig stabiles Portfolio aufzubauen, das der eigenen Risikoneigung entspricht. Dadurch kann man auch in turbulenten Zeiten einen kühlen Kopf bewahren. Diese Strategie hat sich für mich bewährt.

Du bist Expertin für strukturierte Wertpapiere. Was steckt dahinter – einfach erklärt?

Diese Wertpapiere setzen sich aus einem Basiswert sowie einem Derivat zusammen. Der Basiswert kann zum Beispiel eine Aktie, eine Anleihe, ein Index wie der DAX oder ein Rohstoff wie Gold sein. Man kann sich das wie einen Baukasten vorstellen: Je nachdem, welche Bausteine man miteinander kombiniert, ergibt sich ein neues Finanzinstrument. Dadurch lassen sich unterschiedliche Risikoprofile abdecken und unterschiedliche Renditenchancen nutzen. Manche Wertpapiere sind etwa mit einem Kapitalschutz ausgestattet, andere haben feste Zinsen oder bieten eine Teilabsicherung bei Marktrückgängen.

Das klingt recht komplex. Welche Chancen bieten diese Produkte – und welche Risiken sollten Anleger kennen?

Durch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten hat man auch in seitwärts laufenden, leicht fallenden oder leicht steigenden Märkten die Chance, Renditen zu erzielen. Außerdem kann ich das Investment an mein Risikoprofil anpassen und aus unterschiedlichen Laufzeiten auswählen – je nach persönlichem Anlagehorizont. Auf der anderen Seite trage ich mit dem Kauf eines strukturierten Wertpapiers ein Emittentenrisiko. Bedeutet: Wenn die herausgebende Bank zahlungsunfähig wird, ist ein Totalverlust möglich. Zudem bekommt man im Vergleich zum direkten Aktienkauf keine Dividenden ausgezahlt und nimmt oft nicht unbegrenzt an den Kursanstiegen des Basiswerts teil.

Was waren deine größten Fehler beim Investieren?

Früher dachte ich, ich könne den perfekten Einstiegs- oder Ausstiegszeitpunkt finden. Dadurch habe ich dann auch schon mal den Einstieg komplett verpasst – auf Kosten der Rendite. Seitdem ist mein Motto: „Time in the Market“ anstatt „Timing the Market“. Mein Tipp ist daher: Bleibt langfristig am MarktInvestiert.